Was macht eigentlich ein V-Mann?

Was macht eigentlich ein V-Mann?

Für Krimifans klingt der Job eines V-Mannes vielleicht verlockend – ein Leben im Untergrund, ein mutiger Kampf gegen das Böse und dabei ein staatlich garantiertes Einkommen. Die Sache hat aber einen gewaltigen Haken: Das Dasein als V-Mann ist gefährlich, von Krimi-Romantik kann keine Rede sein. V-Personen (wie sie offiziell heißen, denn es gibt natürlich auch Frauen) gehen ein hohes Risiko ein, denn sie sind immer Lügner: Entweder sie belügen ihre Freunde, ihre Kameraden, ihre Familie oder sie belügen den Verfassungsschutz.

Deswegen gibt es im deutschen Wortschatz auch ein anderes Wort mit einem weitaus negativeren Klang für den V-Mann: Spitzel. Wer denkt da nicht sofort an die deutsche Vergangenheit, an Stasi und Gestapo? Gut, damals wurden unschuldige Menschen ausgehorcht, überwacht, verraten – heute überwachen V-Männer Menschen mit kriminellem Hintergrund: Terroristen, Neonazis oder Linksextreme. Einfacher macht das die Aufgabe eines V-Mannes nicht.

Was ist ein V-Mann?

Der Begriff V-Mann kommt nicht von Verbinden, Vertrauen oder gar Verheimlichen, sondern aus dem Lateinischen. Vigilantia ist die Wachsamkeit, das Verb vigilare bedeutet wachsam sein. Im Mittelalter wurden deshalb die Nachtwächter Vigilant genannt. V-Personen sind im Gegensatz zu sogenannten verdeckten Ermittlern keine Mitarbeiter einer Ermittlungsbehörde, sie gehören also weder zur Polizei, noch zum Zoll oder Verfassungsschutz. Im Gegenteil, V-Personen sind bereits Kriminelle oder Mitglieder einer verfassungsfeindlichen Organisation wie der NPD, die vom Verfassungsschutz quasi als freie Mitarbeiter angeworben werden.

Nach Informationen des Kölner Express erhalten V-Leute einen durchschnittlichen Lohn von monatlich 300 bis 1000 Euro. Woher die Boulevardzeitung diese Informationen nimmt, ist allerdings nicht bekannt. Der Stern veröffentlichte schon vor einigen Jahren eine geheime Tarifordnung des Bundeskriminalamtes (BKA) über die Bezahlung von V-Personen. Darin ging es allerdings um V-Männer des Zolls, die im Drogen- und Waffenhandel-Milieu tätig sind. Diese Spezialisten werden mit Erfolgsprämien vergütet. Durchschnittlich würden im Drogenmilieu pro Kilogramm sichergestellten harten Drogen 1500 Euro an V-Männer gezahlt, wenn diese der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben haben.

Ähnlich gutes Geld soll auch an V-Leute in illegalen Waffengeschäften fließen. Geht es um Geldfälschung, ist nicht nur die Menge der Blüten entscheidend, sondern vor allem deren Qualität. Nach welchen Kriterien V-Männer in terroristischen, rechts- oder linksextremen Gruppierungen bezahlt werden, ist jedoch nicht bekannt. Eines ist aber dort sicher: in allen Fällen werden V-Leute gut entlohnt. Eine Tatsache, die Kontroversen hervorruft – denn regelmäßig sollen über V-Leute öffentliche Gelder in rechtsextreme Kreise geflossen sein.

V-Leute sind keine verdeckten Ermittler

Der Verfassungsschutz engagiert ausschließlich Kriminelle oder Menschen mit Kontakten ins politisch extreme Milieu als V-Männer. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem sogenannten verdeckten Ermittler. So werden Beamte des Verfassungsschutzes, der Polizei oder sonstigen Ermittlungsbehörden genannt, die unter einer falschen Identität in kriminellen Kreisen ermitteln. Ein sehr risikoreicher Beruf, den nur wenige, speziell ausgebildete Beamte ausführen.

V-Leute dagegen sind erst in den Kreisen unterwegs und werden dann vom Verfassungsschutz angeworben. Deswegen ist das Konzept auch so umstritten. Niemand garantiert der staatlichen Behörde, dass die V-Leute wirklich ehrlich sind und im Sinne des Staates handeln. Immer wieder wurden Fälle bekannt, in denen V-Personen selbst kriminell waren oder die deutschen Steuergelder benutzten, um ihre verfassungsfeindlichen Kameraden zu unterstützen.

Kontrolle darüber hat der Verfassungsschutz nicht, denn es besteht immer die Gefahr, dass die Verbindung auffliegt. Die einzige Möglichkeit für die Behörde, die engagierten V-Personen zu überprüfen, ist, weitere V-Leute anzuwerben. So entsteht ein Netzwerk aus Spitzeln, die sich entweder gegenseitig verraten oder sich zusammentun und mit abgesprochenen Geschichten den Verfassungsschutz täuschen. Laut Medienberichten soll es aktuell etwa 100 V-Leute allein in der rechtsextremen NPD geben, insgesamt hat die Partei rund 6600 Mitglieder. Im Milieu des organisierten Verbrechens arbeiten etwa 300 V-Personen für deutsche Behörden.

Über die Erfolge der Spitzel-Strategie äußert sich der Verfassungsschutz der Öffentlichkeit gegenüber nicht, «streng geheim» lautet die Devise. Zumindest die Politik beginnt sich inzwischen für die Machenschaften des Verfassungsschutzes zu interessieren. Innenminister Hans-Peter Friedrich möchte die Kompetenzen des Bundes stärken und so den Verfassungsschutz zentralisieren. Davon erhofft er sich mehr Kontrolle über die Behörden. Nun will sich auch der Bundestag mit dem Thema beschäftigen.

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Neonazis und Ermittler – Was macht eigentlich ein V-Mann?

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