Die magische Kraft der Kastraten

Die magische Kraft der Kastraten

Er soll Glück bringen. Zur Hochzeit, wenn ein Kind geboren wurde. Oder wenn ein neues Geschäft eröffnet werden soll. Dann kommt der Eunuch und singt und tanzt – das bringt Glück, glaubt man in Pakistan und Indien. Eunuchen, Männer ohne Geschlechtsteile, haben die Kraft über Freude und Leid. Sie können bestrafen – oder heilen.

In Pakistan heißen sie Khusra, in Indien nennt man die Eunuchen Hijra. Dabei sind gar nicht alle Mitglieder der religiösen Gruppen wirklich kastriert, viele fühlen sich auch nur als Transsexuelle oder leben als Transvestiten. Die Kastration ist nicht immer ein rein körperlicher Akt, sondern manchmal auch ein seelischer: Indem sich der Mann von allem trennt, was ihn als Mann ausmacht, wird er zu einem dritten Geschlecht, das in Indien und Pakistan sogar das Wahlrecht hat. Wie viele Mitglieder des Kultes wirklich kastriert sind, ist unbekannt. Die Zahlen schwanken zwischen acht und 78 Prozent. Ein Großteil der Hijra sind Transsexuelle.

In Indien treffen sich die Eunuchen einmal im Jahr. Mehrere tausend von ihnen bevölkern dann den kleinen Ort Kuvagam in Südindien. Und auch in Neu-Delhi treffen sich einige Vertreter regelmmäßig, rund 2000 waren es in diesem Jahr. Als am vergangenen Wochenende ein Feuer in einem der Veranstaltungszelte ausbrach, starben 15 von ihnen. Erste Ermittlungen weisen auf einen technischen Defekt hin, aber auch ein Anschlag wird nicht ausgeschlossen.

Der rote Lippenstift, bunte Kleider: Eunuchen fallen auf

In Indien wird den Hijras zwar eine magische Wirkung auf Gesundheit und Glück nachgesagt, aber sie leben dennoch am Rande der Gesellschaft. Denn wenn ein Eunuch einem Menschen nicht wohlgesonnen ist, kann er auch Krankheit und Tod in die Familie bringen. Viele haben Angst vor den Frauen, die einmal Männer waren.

In Gruppen leben die Kastraten unter der Fürsorge eines Guru, der für Nahrung und den religiösen Halt sorgt. Alle Eunuchen in Indien sind nämlich Priester der Göttin Bahuchara Mata, die auf einem Hahn sitzend dargestellt wird. Der Legende nach soll Bahuchara Mata ihren Mann kastriert haben, weil der lieber als Frau verkleidet im Wald herumtollte, als sich mit ihr im ehelichen Bett zu vergnügen.

Auf der Straße fallen sie auf, die Priesterinnen. Bunte Kleider, das Gesicht grell geschminkt, den Mund tiefrot angemalt. Sie ziehen eine Aufmerksamkeit auf sich,

die Frauen in der indischen Gesellschaft versagt bleibt. Bewunderung und Abscheu schlagen ihnen auf offener Straße entgegen und Touristen starren mit neugierigem Blick in die geschminkten Gesichter, die durch ihre markanten Züge irgendwo zwischen den Geschlechtern zu sein scheinen.

Diese Aufmerksamkeit ist es auch, die viele der Priesterinnen ihr Geld mit Prostitution verdienen lässt. Immer weniger wird den Eunuchen dafür bezahlt, dass sie auf Hochzeiten und zu Geburten tanzen. Die Not treibt sie auf die Straßen, in die dunklen Hinterhöfe, wo Männer sich einen sexuellen Kick durch ein Abenteuer mit dem dritten Geschlecht erhoffen.

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Eunuchen – Die magische Kraft der Kastraten

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