Was des einen Leid, wär’ des anderen Freud

Was des einen Leid, wär' des anderen Freud

Mit einem lauten Seufzer wage ich den Schritt aus der Haustür. Der Regen klatscht wie aus Eimern auf mein Baumwolltuch und ich wühle hastig in meiner Tasche. Himmel, wieso ist das Ding denn schon wieder so voll? Endlich greife ich etwas schirmartiges und ziehe es zwischen Büchern, Taschentüchern und 7 verschiedenen Saison-Sorten Labello heraus. Und siehe da!…

Es ist der Snoopy-Schirm meiner kleinen Schwester…(?)

Ich traktiere den Regenschirm. Wie können solche Teile ´ne Kindersicherung haben!? Endlich gelingt es mir ihn zu öffnen, da überfällt mich ein Windstoß und der Snoopy-Schirm wird zur Snoopy-Palme. Liebe Außenstehende: Spätestens ab dem Moment, in dem das durchnässte Hidjabi-Mädchen auf einmal hysterisch lachend mit dem frisch geknickten Schirm in der Hand Richtung Bahn rennt, würde ich als Passant (mit funktionierendem Regenschirm) die Gummistiefel in die Hand nehmen. Doch haben Sie keine Angst, es ist zwar laut, bunt und unkoordiniert, aber im Prinzip harmlos.

In der Bahn.

Ich knirsche mit den Zähnen. Gerade heute war mir mal nicht danach Water World zu spielen. Ich bin durchnässt, mir ist kalt, die Büchereibücher in meiner Tasche wellen sich und gerade fällt mir ein, dass ich die Schuhe angezogen habe, die eigentlich Schuster sollten, weil die Sohle nachgeklebt werden muss. Zur Krönung des Ganzen komme ich vermutlich zu spät zum Vorstellungsgespräch. Kann es denn noch schl… nein, lassen wir das lieber.

Ich atme tief ein und blicke aus dem Fenster. Der Himmel ist grau, fast schwarz und die Straßen sehen aus wie tobende Flüsse. Unfassbar, hat das Wetter denn keinen Kalender? Meine Güte, es ist AUGUST! Hochsommer! Eigentlich müsste ich mit wehendem Rock und Ballerinas sitzen! Wie soll man denn da noch gute Laune haben, wenn der Tag schon so beginnt, dass einem der Matsch bis zum Tuch steht! Alle sind gerade im Ausland und lassen es sich im Ramadan gut gehen.. Hülya ist in Istanbul, Reihan in Ägypten und Marina verbringt die Zeit in Marokko! Nur mir fehlt wieder das Geld. Gemeinheit. Wo ist denn nur die Gute Alte Zeit, in der man noch Tauschgeschäfte machte? Dann wäre ich jetzt einfach mit meinem Kanarienvogel zum Flughafen gegangen und siehe da: Urlaub am Roten Meer! Blöder Kapitalismus..

Eine Frau setzt sich neben mich und nebelt mich mit dem Duft ihres frisch gekauften Brötchens ein. Franzbrötchen, hmmm. Mein Magen zieht sich zusammen und mir fällt zu allem verdrängten Übel wieder ein, dass ich mein Zuhur heut morgen verschlafen habe. Ich schaue auf die Fahrtanzeige und versuche abzuschätzen, wie viel Zeit der armen Franzbrötchen-Frau noch bleibt, bis ich ihr mit wildem Kampfgeschrei ihren Snack aus den Händen reiße und mich knurrend damit in der Ecke verkrieche. Sie mustert mich, während sie genüsslich in ihr Brötchen beißt und schnaubt amüsiert, als sie meinen kaputten Schirm sieht. – Na, besten Dank auch.

Endlich erreiche ich die Haltestelle und springe aus der Bahn…. direkt in eine riesige Pfütze.

Und nun stehe ich da. Durchnässt, hungrig, Meilen zu spät zu meinem Termin, entnervt und möchte gerade die Hände heben und Allah fragen, was ich denn nur alles schlimmes getan habe, dass ich mit solchen Dingen geprüft werde und wohin wir denn nur mit dem ganzen Wasser sollen, da sehe ich sie.

Sie kniet auf dem Boden. Ein junges Mädchen. Ihr Kleid ist zerrissen und ihre schrammigen und blutigen Beine entblößt. Mit ihren knochigen Fingern hält sie das fleckige Kopftuch zusammen, um sich vor der gleißenden Sonne zu schützen. Mit der anderen Hand stützt sie ihren zermürbten Körper ab.  Ihre großen, dunklen Augen sind leer. Keine Träne ist zu sehen.

Und dann wird die Zeitung weggeschwemmt und das Mädchen mit ihr.

Allahs Gesandter, Frieden und Segen seien mit ihm,  hat gesagt: “Schaut auf die, die unter euch sind und nicht auf die, die über euch sind. Das ist besser, damit ihr die Gaben Allahs für euch nicht geringschätzt.”


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