Warum ich 50 shades of Grey kacke finde

Viele Frauen sagten mir, für sie sei es ein Befreiungsschlag. Plötzlich sah man überall die blumenvozierten Cover auf Instagram kusieren. Wahrlich ein Instagram made us buy it, wir waren neugierig und wollten wissen, was hinter den blumenverzierten Covern steckt.
Ich gestehe: Ich habe es gelesen, zumindest die ersten beiden Bänder. In einer Zeit, in der ich Philosophie und Germanistik studiert habe, war das auch extrem entspannend. 1000 Seiten pro Woche in der Vorlesungszeit zu lesen war nichts, da war diese doch literarisch extrem leichte Kost geradezu entspannend fürs Gehirn irgendwo zwischen Kant, Freges wirren Begriffen von Begriffen, Rousseaus malerisch-blumigen Gesellschaftsvertrag, irgendwas von den Brüdern Mann (wer ist denn jetzt schlimmer, Thomas oder Heinrich?) und Feuchtgebiete.

Mehr Neugier als Action


Ganz ehrlich, während Feuchtgebiete schon zurecht einen Ruf hat, ist das mit mir und Mr. Grey eher schwierig. Erst einmal war ich unglaublich ernüchtert nach dem ersten Lesen. Das soll es gewesen sein? Okay, da hatte ich schon wilderen Sex und ich sehe mich nicht ls Teil der BDSM Szene. Ich kenne aus einigen Hobbys und durch Schule und Uni Menschen, die Teil dieser Szene sind und die meisten sind nicht Fans dieser Bücher, weil sie ein komplett falsches Bild wiedergeben.
Aber nicht nur meine Freunde und Bekannten hatten große Probleme mit dieser Geschichte. Auch ich selbst hatte so meine Probleme. Wenn ich mich versuchte, in die Rolle von Anna, ehemals Fanfiction-Bella, einzufühlen, dann konnte ich keinen Zugang zu ihr finden, sie nicht nachvollziehen. Natürlich, sie war Jungfrau, verliebt in die Idee eines romantischen Helden und hat ihren dunklen Ritter gefunden, aber warum tut man etwas einem Menschen aus Liebe zuliebe, dass einem so komplett widerstrebt. Ich meine, ich bin 1989 geboren und glücklich, eine Frau meiner Zeit zu sein und selbst darüber zu bestimmen, was mir sexuelle Lust bereit und wie ich mit wem ficke, Liebe mache oder wie man es immer nennen mag. Mit mir wäre diese Geschichte nicht länger als 20 Seiten geworden, nach ein bisschen Geknutsche und Gefummel hätte ich dem werten Herr Grey spätestens beim Vorsetzen des Vertrages den Vogel gezeigt und erklärt, dass ich mich nicht für ihn so dermaßen verbiegen kann und lieber frei bin, als mich zur Freude eines Anderen dominieren zu lassen.

Der Charlie Sheen Effekt


Im Grunde genommen geht es doch gar nicht um die sexuelle Befreiung der Frau in diesem Roman, nein, es geht um etwas, dass ich den  Charlie Sheen Effekt nenne. Da ist ein Typ, der trinkt oder kann nicht richtig lieben, kämpft mit seinen inneren Dämonen. Und wir Frauen denken: "Ja, nur meine Liebe kann ihn retten." Diese Fantasie und nichts anderes ist die Shades of Grey Reihe. Wir sehen einen vielschichtigen, abgefuckten, melancholischen Typen und wir wollen ihn retten. Wenn wir ihn nur genug knuddeln und lieb haben, können wir das Loch in seiner Seele stopfen.
Ehrlich, Mädels? Oder auch Jungs!? DAS IST BULLSHIT. Wir sind Menschen und keine gottverdammten Glücksbärchis. Und während ich mich natürlich auch seitenlang über rhetorische Mittel wie die innere Göttin aufregen könnte, ist es eigentlich hauptsächlich dieser eine Punkt, der mir gewaltig auf den Zeiger geht.

Warum ich 50 shades of Grey kacke finde

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Du kannst nicht jeden mit deiner Liebe retten

Natürlich ist es eine romantische Idee, einen Menschen durch die Macht der Liebe zu retten. So funktionieren viele Bücher, Manga, Comics, Animes. Das ganze Ende von Seiler Moon als Anime zieht sich so über Folgen. Wenn Usagi/Bunny nur lang genug jammert, rettet Sie - zumindest im Anime (Vorsicht, Spoiler!) das ganze Universum, während im Manga alle tot sind. 
Aber in der Praxis - und da spreche ich aus eigener Erfahrung - gelingt das mit dem Retten mit der Liebe nicht. Natürlich, es kann gelingen, aber nicht deine Liebe kann den abgefuckten Menschen deines Herzens retten, er oder sie selbst muss dazu bereit sein, etwas im eigenen Leben zu ändern. 
Und deswegen mag ich die Shades of Grey Reihe einfach nicht. Sie stellt BDSM so da, als müsste man traumarisiert sein, um so etwas gut zu finden. Die meisten, die auf Bondage oder andere Spiele dieser Art stehen, sind erschreckend normal, arbeiten allerorts und haben ein Leben wie du und ich. Und dieses "Man muss ihn retten" ... tja, manche Menschen wollen sich  nicht retten lassen und nutzen einen nur schamlos aus. Ich hatte gleich mehrere Beziehungen dieser Art. Ein Mensch beispielsweise machte sich ziemlich an mich ran, behaupte dann gegenüber seiner damaligen Freundin, es wäre genau andersrum gewesen und letztendlich bedrohte mich die recht stämmige und gewaltbereite Frau, während er sich wohl bis heute nicht sicher ist, was er von mir wollte. Ich nenne das Stock im Arsch hoch 10. Aus damaliger Sicht der einzige Mensch, der mir je das Herz gebrochen hat. Aus heutiger Sicht ein "Ein Glück, dass ich nie mit diesem kaputten Typen mehr hatte als besoffenes Rumgeknutsche."
Noch schlimmer war meine Beziehung mit einem Typen, der von seiner kindlichen Prägung dem sehr geehrten Christian Grey schon ziemlich nahe kommt. Impulskontrolle hatte dieser Mensch jedenfalls nicht. Immer hatten alle anderen die Schuld ... Ach, es war schwierig. Wutausbrüche, Computerspielesucht. Das einzige Gute an dieser Beziehung war der Sex. Es heißt ja: Dumm fickt gut. Streicht diesen Satz. Irre fickt gut. Wenn jemand keine Grenzen kennt, dann kennt er sie dann auch nicht im Bett. Aber eine Beziehung, die nur auf Sex beruht? Schwierig. Es dauerte eine Paartherapie und viele schockierende und pikante Details seiner Abgefucktheit, bis ich von einen Tag auf den Anderen Schluss machen konnte. Ich bin kein Opfer, so sehe ich mich nicht. Damals habe ich mich auf eine Beziehung eingelassen, die iditotisch war und dazu stehe ich. Die Erfahrung musste ich auch mal machen. Aber ich will diese Phase meines Lebens nicht romantisieren. Ich schreibe ja auch, vielleicht fließt das ja eines Tages in den Kosmos meiner Göttinger Geschichten ein.

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