War das eben ein Wanderprediger?

14-056

Jede Religion kennt ihre Wanderprediger. Sie tauchen aus dem nichts auf, und haben eine Botschaft die berührt: Sie wollen, dass die Mitmenschen ihre Marschrichtung ändern. Dass sie umdenken und umkehren. Solche Wanderlehrer sind vielleicht Sadhus oder Sufis, Zen-Mönche oder Propheten der Wüste. Sie heißen Jesus oder Mohammed, Jesaja oder Siddharta. Sie drohen und bitten, sie fasten und taufen dann die Anhänger um. 

Wenn die Menschen in großen Wohnungen wohnen, dann lebt der Wanderprediger in der Höhle. Wenn die Leute viel und gut essen, dann beschränkt sich der Prediger auf Heuschrecken und wilden Honig. Wenn die Menschen in weichen Sofas sitzen, sitzt der Heilige auf einer Steinsäule in der Sonne. Und all das beschäftigt uns.

Wir Menschen sind eine sonderbare Tierart, weil wir nie zufrieden sind. Unter den Saatkrähen gibt es keinen Wettkampf, wer das grösste Nest hat und unter den Murmeltieren keinen Wettbewerb, wer das schönste Fell trägt. Sie machen instinktiv alle genau dasselbe. Wir Menschen machen auch alle instinktiv das Gleiche, aber weil wir denken können, wollen wie es immer ein wenig grösser als unser Nachbar. Schon der Lehrling macht genau wie seine Kollegin eine Reise, aber unbedingt etwas weiter weg. Der Bankdirektor lässt ein beschwimmbares Biotop in seinen Garten baggern, aber natürlich etwas weitläufiger als der Berufskollege. Aber auch der Mönch meditiert genau wie der andere Klosterbruder, aber ein paar Stunden länger. Der Läufer rennt durch den Wald wie sein Sportsfreund, aber ein par Kilometer weiter.

Und immer, wenn man es zu sehr übertreibt mit besser, weiter, grösser, anders – dann kommt ein Wanderprediger des Wegs. Heutzutage in Form eines quälenden Gedankens oder einer netten Freundin, eines WWF-Artikels oder gar einer mahnenden Krankheit.

Aber die Predigt ist wie früher: haltet an, denkt nach, kehrt um und überlegt mal ob ihr das alles wirklich wollt.

Und doch bleibt ganz offen wohin es statt dessen gehen könnte.


Der Wanderprediger / 40cm x 30cm / Acryl und Collage auf Halbkarton, 2014, Nr. 14-056


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