Von wegen Januarloch – In Italien heisst es “Ausverkauf”!

Von wegen Januarloch – In Italien heisst es “Ausverkauf”!

Eines vorneweg: Das Wort „Januarloch“ existiert im Italienischen nicht. Und so geht es nach dem Fest-Marathon im gewohnten Alltagstrott wieder weiter: Verspeist werden wohl die Reste der diversen Festmahle, und es wird geflissentlich versucht, gewisse Vorsätze in Taten umzusetzen – Diäten haben derzeit im Belpaese Hochkonjunktur, die Fitnesscenter sind gut besucht und auch die Jagd nach Schnäppchen hat begonnen.

Sonst aber ist von Sparen nicht viel zu spüren. Ausser in den Schulen: Für Schlagzeilen gesorgt haben in der letzten Zeit die defekten Heizungen, welche die Schüler in Mützen und Schals im Schulzimmer sitzen und die Eltern auf die Barrikaden steigen und Drohmails schreiben liessen. Und der Mangel an Seifen, Handtüchern und Toilettenpapier in den Schulen brachten die Eltern ebenfalls auf die Palme. Ihr seht, die Italiener plagen derzeit andere Probleme, als sich mit dem eigenen Familienbudget auseinanderzusetzen.

Doch was bleibt von den vergangenen Festen, ausser ein paar Kilos zuviel auf der Waage und einem Loch mehr im Gürtel? Letzterer soll ja besonders im Januar enger geschnallt werden; jetzt, wo das Weihnachtsbudget durch Geschenke, Esswaren und Feuerwerk restlos aufgebraucht ist, heisst es, den Spargang einzulegen und höchstens im Ausverkauf, den saldi, nach Schnäppchen zu jagen. Die modebewussten Mamas begeben sich auf Shoppingtour, denn endlich rücken die Teile des Begehrens, mit denen sie seit Monaten liebäugeln, die aber ausserhalb des Budgets lagen, mit einem Rabatt von dreissig oder gar fünfzig Prozent in greifbare Nähe. Endlich können sie die heissersehnten Highheels mit dem Leopardenmuster von Roberto Cavalli ergattern, sich die Gucci-Tasche, die Versace-Brille oder die Dolce-Gabbana-Hose leisten, für diese sie bei Normalpreis einen halben Monatslohn hinblättern müssten. Die Saldi beginnen erst mit einem sanften Rabatt von 30%, um dann, ein paar Wochen später, auf 50% zu klettern und um schliesslich den krönenden Abschluss mit einem satten 70%-„Sconto“ anzukündigen.

Eine Kostprobe davon habe ich am 6. Januar hautnah miterlebt: Auf der Heimreise aus der Schweiz hatten wir die waghalsige Idee, in einem der grössten Designer-Outlet-Center Norditaliens, in Serravalle Scrivia, einen Zwischenhalt einzulegen. Waghalsig erstens, weil der 6. Januar in Italien ein nationaler Feiertag ist und zweitens, weil dann der erste Ausverkaufstag war. Und siehe da: Die ganze Welt war in der Ladenstadt anzutreffen – man musste sich nicht nur an der Kasse in die Schlange stellen, sondern auch vor gewissen Geschäften. Die Türsteher hatten alle Hände voll zu tun, um die Fashionistas in Schach zu halten. Es galt, sich eine Überlebenstechnik anzueignen, wollte man in der Modemasse nicht untergehen. Und so habe ich geflissentlich versucht, die vielen Menschen um mich herum einfach auszublenden. Und mich zenhaft darauf konzentriert, welche Geschäfte wir uns ansehen wollten. Doch der Stop hat sich gelohnt, und wir sind mit unserer Ausbeute sehr zufrieden. Doch das wars dann auch schon – für die nächsten sechs Monate hat uns dieses Erlebnis gereicht: Somit stürze ich mich ins – imaginäre – Januarloch und halte dort einen – ebenfalls imaginären (seufz) – Winterschlaf.

Buona notte!

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Von wegen Januarloch – In Italien heisst es “Ausverkauf”!Sarah Weber-Coppola ist gebürtige Ostschweizerin mit italienischem Pass. Sie lebt mit einem neapolitanischen Ehemann, zwei Töchtern (14 und 11) und einem Sohn (7) seit 17 Jahren in der Nähe von La Spezia. Für “Die Angelones” schreibt die angehende Doula über Familien -, Gesundheits- und Ernährungsthemen und lässt dabei die LeserInnen am facettenreichen italienischen Alltag teilhaben, wo der Ausnahmezustand oft an der Tagesordnung und von „dolce far niente“ keine Spur ist!

Mehr über Sarah und ihre Familie erfährt ihr in im spannenden Interview, das wir mit ihr führen durften!

Seid gespannt auf Sarahs nächster Bericht, in welchem sie uns erzählen wird, warum in Italien ein Gang zur Post mit einem Halbtagesausflug zu vergleichen ist.

Sarahs bisher erschienene Beiträge könnt ihr hier nachlesen: