Vietnam wirbt für sich - Warum nur mögen Touristen nicht wiederkommen

Am Morgen musste ich in die Stadt. Natürlich war der Tank von meinem Motorrad leer - die Tankanzeige scheint wohl irgendwie zu hängen. Also, losgestiefelt. Unterwegs dann meinen Freund angerufen, ich sei da und dort und er möge mich doch bitte fahren. Ich hatte gerade aufgelegt, als ein Motorrad neben mir hielt und irgendwas schwafelte. Ich dachte zuerst, es sei ein "xe om", aber es waren zwei Personen: ein Junge und ein Mädchen, so um die 20. Der Junge gestikulierte und ich dachte er wolle mich fragen, wo ich hinwollte. Plötzlich versuche er mir mein Handy aus der Hand zu reißen und gab dabei Gas. Ich hielt es aber sehr fest in der Hand, kenne ja meine Pappenheimer - obwohl ich mich im Nachhinein selber schimpfe, dass ich es nicht schon in der Hosentasche verstaut hatte. Die beiden fuhren leider so, dass ich kein Foto machen konnte, denn die Beine dem Mädchen verdeckten das Nummernschild. Okay,  eine weitere Erfahrung in meinem Vietnamrepertoire.
Als mein Freund dann eintraf und ich meine aufgestaute Wut erst einmal an ihm abgelassen hatte - was ich sagte, will ich hier nicht wiederholen, es war nicht so ganz jugendfrei. Mein Freund kann eh kein Englisch, dürfte aber am Tonfall mitbekommen haben, was ich da so von mir gab, sagte er nur: Die beiden hätten sich kein Geld. In der Schule erzählte ich es meinem Chef und meiner Kollegin. Beide antworteten unisono: Ja, Vietnam sei halt arm.
Äh, ja. Das höre ich überall. Mal ganz ehrlich: Viele Vietnamesen verdienen sich ziemlich dumm und dämlich, machen Kohle ohne Pause. Sie geben das Geld halt nur mit vollen Händen aus. Was mich jetzt wirklich ankotzt, ist diese "Oh, ja, du musst das verstehen, wir Vietnamesen sind halt arm"-Mentalität. Auf der Erde gibt es viele Arme. Ganze Staaten sind arm. Und viele Staaten sind viel ärmer als Vietnam. Armut ist doch keine Entschuldigung, um zu stehlen, zu betrügen und den ganzen Tag hindurch zu lügen. Diese Einstellung ist einmalig. Selbst Asiaten aus den umgrenzenden Ländern erzählen mir, dass Vietnam einen ganz schlechten Ruf hat. Es geht gar nicht einmal um Abzocke, Vietnamesen meinen, sie hätten das Recht gepachtet, Kohle aus allen anderen herauszupressen. Und das merken natürlich vor allem auch die Touristen.
Leztze Woche war ich ja in Da Nang. Mein Freund wollte unbedingt eine Bun probieren, die es in Bac Lieu nicht gibt. Wir aßen also, als ich plötzlich fragte, ob er nach dem Preis gefragt habe. Natürlich hatte er nicht. Also schätzte ich, dass wir wohl 70 000 VND bezahlen müssen. Die Realität war noch viel toller: 90 000 VND wollte die Tuse von mir für die zwei Suppen. In Can Tho könnte ich davon 6 Schalen essen!
Dieses ständige Abzocken, Belogen werden und Betrogen werden nervt langsam. Und Touristen merken das. In den einschlägigen Foren treffen sich Touristen schon vor der Reise, um sich Tipps zu holen, wie sie nicht abgezockt werden. Ich persönlich finde es traurig, dass ein Land, das ich so gerne habe, in so einem negativen Licht steht. Die Touristenzahlen sind schon eingebrochen. Und ich verweise ja gerne auf eine Studie, nach der 97% der Vietnambesucher sagen: Ja, ist toll, aber nie wieder. Natürlich sind nicht alle Vietnamesen schlecht und kriminell. Aber es scheint Volkssport zu sein, andere abzuzocken.
Und diese Armutsbekundungen? Was soll ich davon halten? Wie gesagt, es gibt viele Arme auf der Welt. Es gibt auch eine relative Armut in Deutschland. Wer von Hartz IV betroffen ist, mag noch immer in einem reichen Land leben, aber das Leben ist schon hart mit nur 400 Euro im Monat. Trotzdem gibt es kein Recht darauf, anderen Dinge zu stehlen und zu betrügen. Vietnamesen fehlt dieses Unrechtsbewusstsein jedoch vollkommen. Ich könnte es noch nachvollziehen, wenn es so eine Art Robin Hood-Mentalität wäre. Aber es wird gelogen, betrogen und gestohlen, um sich Luxus zu finanzieren. Hätten die beiden mein Handy gestohlen, hätten sie es verkauft und sich Kleidung oder die Anzahlung für das nächste Iphone gesichert. Nix mit Hunger oder so. Vietnamesen wollen für viele Dinge einfach nicht arbeiten, Es sind einfache, egoistische Triebe, die da befriedigt werden. Und dafür habe ich gar kein Verständnis mehr. Ich werde darüber einmal einen anderen Blogbeitrag schreiben.
Okay, ich bin derzeit stinksauer. Es könnte mir sogar egal sein, es ist ja nicht mein Land. Ich bin nur hierhin gekommen, um meine Studien zu betreiben; ich arbeite als Lehrer, und das mehr freiwillig als wirklich bezahlt. Ich wollte Vietnam dadurch auch etwas zurückgeben. Aber Vietnam ist mehr darauf bedacht, seinen Ruf zu ruinieren, als wirklich in die Zukunft zu sehen und sich zu entwickeln. Dabei hätte dieses Land wirklich sehr viel Potenzial.

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