Vernunft ausgehebelt


Vernunft ausgehebelt

Risikoreicher  Mechanismus

Während in Italien noch darüber gestritten wird, welche Reformen man für notwendig erachtet, um die Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen (Unter anderem Heraufsetzung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre), schaut die Welt am heutigen Abend gebannt zum zweiten EU-Gipfel innerhalb von nur vier Tagen nach Brüssel. Wird es dort endlich den ersehnten Befreiungsschlag gegen die Schuldenkrise geben, oder werden die immer weiter anwachsenden Probleme nur wieder verschleppt? Festzustehen scheint bereits jetzt, dass die deutsche Bundesregierung einer Verstärkung des ohnehin schon erweiterten Rettungsschirms ( EFSF ) durch einen Hebel zustimmen wird. Mit dieser so genannten Hebelwirkung lässt sich auf den Märkten mit einer verhältnismäßig geringen Margin deutlich mehr Kapital bewegen, jedoch bei höherem Verlustrisiko.
Da man jüngst zu der Erkenntnis gelangt ist, dass das Geld des EFSF nicht reichen wird, scheint dies der vorerst letzte Ausweg aus der Misere zu sein. Nur, zu welchem Preis? Man wird es natürlich nach der Bekanntgabe des Beschlusses nicht zugeben, aber das Risiko ist unkalkulierbar und steht damit in einem krassen Gegensatz zu einer gesunden Haushaltsführung. 
Erstmals beteiligt sich die Regierung damit direkt an einem hochspekulativen Marktmechanismus, den sie eigentlich aktiv bekämpfen sollte, um die immer weiter zunehmende Zockerei an den Märkten einzudämmen. Da Deutschland für den größten Teil des EFSF-Geldes bürgt, könnte also auch die Bundesrepublik im Worst-Case-Szenario ernsthaft ins Wanken geraten. Sei es durch Blauäugigkeit, oder durch Inkompetenz – die Bundespolitik hat sich in eine Lage gebracht, die sie nicht mehr überblicken und verantworten kann.
Wann fängt man eigentlich endlich damit an, sich um die einzigen Veränderungen zu kümmern, die das System (falls noch nicht zu spät) überhaupt noch retten können? Allen voran einer Regulierung der Märkte, der Einführung einer Finanztransaktionssteuer und – vielleicht am wichtigsten – der Trennung der Banken vom Investmentbanking-Geschäft. Vermutlich nie, dafür werden Lobbyisten und Korruption schon sorgen.
Wer mit den Ursprüngen der Finanzkrise von 2008 (und damit streng genommen auch der jetzigen Krise) weniger vertraut ist, oder sich einfach für die Hintergründe interessiert, dem sei folgende Dokumentation ans Herz gelegt: