Und was kommt nach der WM?

von Simon Argus

Südafrika ist noch für ein paar Tage Gastgeber der WM - ein Ereignis auf das sich das ganze Land seit Jahren vorbereitet hat. Von diesem Ereignis erwarten Südafrika und der Rest der Welt eine geradezu therapeutische Wirkung auf das Land am Kap: Das neue "Wir-Gefühl" soll geboren werden - Südafrikaner als ein Volk - ob weiß ob schwarz ob farbig - all das sollen Kategorien der Vergangenheit sein. Doch wie geht es tatsächlich nach der WM weiter?

Und was kommt nach der WM?Nicht nur angesichts der Apartheid ist ein "Wir-Gefühl" in Südafrika nötig. Auch die Machtkämpfe der letzten Jahre nach der Apartheid machten deutlich: Das Land ist weit davon entfernt eine homogene Gesellschaft hervorzubringen. Neben den krassen Wohlstands-Gefällen treten mehr und mehr alte ethnische Konflikte ans Licht: Zwischen Xhosa und Zulu beispielsweise, den beiden größten Volksgruppen im Land.

Der Sturz Mbekis durch den heutigen Präsidenten Zuma war nicht zuletzt der Sieg der größten Volksgruppe, der Zulu, gegenüber den Xhosa, welche hauptsächlich um die Kap-Region zuhause sind. Der ANC ist lange nicht so einig wie es den Anschein hat. Nach der Einigkeit im Kampf gegen die Apartheid brechen neue Konflikte auf - und anstatt einer politischen Aufspaltung in mehrere demokratische Parteien beobachtet man derzeit vor allem den teilweise gewalttätigen Machtkampf innerhalb eines mehr und mehr korrupten und wenig demokratischen Organs.

Die WM gab dabei einen Aufschub: Unter internationale Beobachtung und vor riesige Aufgaben gestellt wurden Konflikte notdürftig begraben. Beigelegt wurden sie dabei aber nicht. Die Prophezeihung vieler Südafrikaner ist daher: "Nach der WM wird das Land langsam im Chaos versinken."

Das Chaos wird ermöglicht durch die große Klasse derer, die nichts haben, die enttäuscht sind und die sich vom Ende der Apartheid mehr versprachen. Sie sind leicht zu instrumentalisieren und für unlautere Zwecke zu missbrauchen: Vor allem die gewaltbereiten Jugendbanden - in vielen Vorstädten und Townships für die Kids die einzige Sozialisationsmöglichkeit - treten in diesem Zusammenhang häufig in Erscheinung. Schon bei den ausländerfeindlichen Ausschreitungen vor zwei Jahren gab es das Gerücht, einzelne Abteilungen des ANC instrumentalisierten die Jugendgruppen um Chaos zu stiften - und so Druck auf die Führung auszuüben.

Opfer sind in diesem Chaos immer die Ärmsten. Die reiche (und immernoch meist weiße) Oberschicht verlässt verängstigt das Land, nimmt das Kapital mit und hinterlässt Lücken, die schwer zu stopfen sind. Eine schwarze Intelligenzia gibt es kaum, in einem Land, in dem der größte Teil der Bevölkerung erst seit inzwischen 16 Jahren Zugang zu (kostenpflichtigen) Hochschulen hat - während der Apartheid war dies der weißen Klasse vorbehalten. Und auch sonst gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Hemmschuhe für eine prosperierende Zukunft.

Und was kommt nach der WM?So hapert es mit der Zusammenarbeit: In Betrieben sind sich schwarze und weiße Mitarbeiter häufig fremd. Sie leben in zwei unterschiedlichen Welten und wissen nichts übereinander. Einen weißen Chef konstruktiv kritisieren? Für viele schwarze Angestellte noch immer unvorstellbar. Die Buren hadern derweil mit der political Correctness: Was kann ich im Umgang mit Schwarzen falsch machen? Sie fühlen sich durch die Politik des Black Empowerment, wonach Schwarze bevorzugt eingestellt werden, auch stark benachteiligt. Nach der Arbeit verbarrikadieren sie sich in ihren Gated Communities und erzählen sich urbane Mythen von den Gefahren in den Townships.

So entsteht ein Kreislauf der schwer zu durchbrechen ist: Die steigende Kriminalität schürt Angst vor dem Fremden, die Volksgruppen gehen weiter auf Distanz. Dadurch wird eine konstruktive Zusammenarbeit - sprich die nennenswerte Beteiligung der großen Mehrheit am Wirtschaftsprozess ausgeschlossen - und führt zwangsläufig zu weiterer Armut und Kriminalität.

Mit einer Regenbogennation hat dieses pessimistische Bild Südafrikas natürlich nichts zu tun. Die Weißen schauen Rugby, die Schwarzen spielen Fußball. Würde man zusammen feiern, könnte man vielleicht auch zusammen leben. Bei der WM gibt es die Chance auf eine gemeinsame Party. Die Frage ist, ob sie tatsächlich genutzt werden kann - und auf lange Sicht einen Unterschied macht.

Im Netz:
> Eine Dokumentation von Arte zur WM am Kap: Der Cup der guten Hoffnung (Teil 1)
> außerdem Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 der gleichen Doku.

(oben:) Wohlhabendes Viertel unterhalb des Tafelberges bei Kapstadt, (unten:) Township mit Holz- und Blechhütten bei Kapstadt (alle eigene Bilder)


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