Tolles Comeback: Stone Temple Pilots

Zu Zeiten ihres Debüts (Core, 1992) hätte man ob der verbreiteten Kritik, die Stone Temple Pilots (STP) klängen nach einem Abklatsch gerade zu Weltruhm aufsteigender Bands wie Pearl Jam, Soundgarden und weiterer Seattle-Grunger, nicht auf eine lange Karriere der vier Jungs aus San Diego wetten mögen. Natürlich weiß man vor allem im Rückblick ob der Eigenständigkeit des ersten Albums, das mit der Single Plush einen der besten Songs aller Zeiten beinhaltet, aber bereits mit dem 94er-Nachfolger Purple verwiesen sie ohnehin all jene, die es besser zu wissen meinten, in die Schranken: Songs wie Meat Plow, Lounge Fly oder auch die erste Auskoppelung Vasoline bliesen einen schier um. Es folgten drei weitere Alben, mit denen sich die Gruppe zunehmend in Richtung Sixties-Pop /-Rock bewegte – ohne ihre Wurzeln zu verleugnen – und dennoch dann und wann auch wieder gehörig aufs Gaspedal trat.

Mit Songs wie Big Bang Baby und Lady Picture Show (Tiny Music, 1996), Down, Sour Girl und Atlanta (No. 4, 1999) oder auch Days of the Week und Hollywood Bitch (Shangri-La Dee Da, 2001) erspielten sich die Stone Temple Pilots eine große Fangemeinde und entwickelten sich – vor allem in den USA – zum verlässlichen Millionenseller. Die größte Wandlung erlebte der Hörer über die Jahre im stimmlichen Werdegang von Sänger Scott Weiland, der nebenbei immer wieder mit seinen Heroin-Exzessen schockte und quasi im Todeswettlauf mit Alice In Chains’ Frontman Layne Staley stand. Wetten hätte wohl wieder niemand angenommen, egal auf wen, und seit April 2002 wissen wir auch, wie dieses traurige Rennen ausgegangen ist. Nach dem fünften Album war der Saft jedoch raus und die bandinterne Stimmung im Keller (laut Wikipedia standen Gitarrist Dean DeLeo und Weiland beim letzten Konzert 2002 kurz vor einem Faustkampf) – und es folgte der Split.

Nicht gering war dann die Überraschung, als die Band nach verschiedenen Projekten der ehemaligen Kollegen – Weiland sang zwei mittelprächtige Alben mit Velvet Revolver sowie sein zweites, ganz nettes Solo-Album ein, die DeLeo-Brüder (neben Dean auch noch Bassist Robert) nahmen eine passable Platte mit Filter-Sänger Richard Patrick und dem heutigen Korn-Drummer Ray Luzier auf, unter dem Namen Army of Anyone – vor zwei Jahren wieder zusammen auftrat. Und nun, Ende Mai 2010, ist nach fast genau neun Jahren ein Comeback-Album erschienen. Und was für eins.

Man sollte sich ja nie zuviel erwarten, wenn es um Reunions geht: Bei Life Of Agony kam ein recht uninspiriertes, bei den Smashing Pumpkins ein schier grauenhaftes Album heraus; Alice In Chains machten mit neuem (Zweit-)Sänger alles richtig, und Dinosaur Jr klangen auf ihrem mittlerweile zweiten Album (Farm, 2009) nach dem Wiedererstehen besser denn je.

Die Stone Temple Pilots bringen mit ihrem selbstbetitelten sechsten Album vor allem einmal ein unglaubliches Gefühl der Leichtigkeit rüber, und arbeiten darüber hinaus mit vielen Pop-Zitaten. Insbesondere die Reminiszenz im Opener Between the Lines löste einige Diskussionen aus: Der Mittelteil wurde bei Nirvanas Stay Away abgekupfert – und das kann nur Absicht sein. Daneben werden Erinnerungen an Bob Dylan wach (in der Strophe zu Hickory Dichotomy), die Beatles scheinen in Dare If You Dare und Maver durch, Coldplay werden in der Gitarrenmelodie zum Refrain in Cinnamon zitiert – und Weiland-Liebling David Bowie stand ganz klar Pate für First Kiss On Mars.

Trotzdem ist das, was die vier Kultrocker präsentieren, ganz klar STP-Material: Härtere wechseln sich mit ganz weichen Klängen ab, das Ohrwurmpotenzial ist extrem hoch und die Verkaufszahlen sollen auch schon wieder ganz gut sein. Es wird sich zeigen, ob die Platte in puncto Langzeitgenuss an die Vorgänger herankommt, aber die Pilots könnten sich mit diesem Album tatsächlich den Weg für eine zweite, eben so erfolgreiche Dekade geebnet haben, wie es die 1990er-Jahre für diese tolle Band gewesen sind.


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