The Mountain Goats: Minority Report

The Mountain Goats: Minority ReportThe Mountain Goats
„Goths“

(Merge)
Randgruppen-Bashing ist ja seit jeher ein probates Mittel für billige Lacher und hat deshalb nicht nur in diesen Monaten und hierzulande Hochkonjunktur. Beliebte All-Time-Zielobjekte: schwarz gewandete und kalkweiß geschminkte Goths. Doch um dem falschen Eindruck gleich vorzubeugen: Von platter Schadenfreude ist dieses Album so weit entfernt wie die aufgebrezelte Barbie-Kombo Tokio Hotel von besagtem Musikgenre (was ja genau genommen auch schon wieder den Tatbestand der Minderheitenbeschimpfung erfüllt). Jedenfalls ist John Darnielle, Gründer und Übervater der amerikanischen The Mountain Goats diesbezüglich über jeden Zweifel erhaben, war er doch während seine früheren Sturm- und Drangzeit selbst ein leidenschaftlicher Gothjünger mit allen dazugehörigen Insignien und Wesensmerkmalen. Er selbst bezeichnet sich und seine damaligen Westküsten-Freunde allerdings lieber als Death Rocker, das Dunkle, Todgeweihte hatte es ihm unwiderruflich angetan und sollte seinen Zauber bis heute nicht verlieren.
Man hat wohl selten eine so liebenswürdige, augenzwinkernde Würdigung jugendlicher Eigenarten und Wirrungen auf dem allmählichen Weg zur Selbstfindung gehört, aus keiner Zeile der durchgängig wunderbaren zwölf Songs spricht Fremdscham, Reue oder gar Boshaftigkeit, vielmehr entdeckt Darnielle in der Zwangsgemeinschaft der verschlossenen Aussenseiter, Nachtanbeter und wunderlichen Wiegeschritt-Tänzer eine durchaus bewundernswerte soziale Komponente und eine szenetypische Treue und Unbedingtheit. Jedes der Stücke beleuchtet die Subkultur, wie sie ja amtssprachlich gern genannt wird, von einer anderen Seite, mal geht es um das Verschwinden und die unabänderliche Wiederkehr solcher Erscheinungen und mithin die teils recht traurigen Biografien ihrer Protagonisten, um bewunderswerte Jugendidole, Lieblingsklubs, um Nimmermüde, Unbelehrbare („Shelved“, „For The Portuguese Goth Metal Bands“) und um die eigenen Unzulänglichkeiten („Unicorn Tolerance“).
Noch erstaunlicher: Bis auf das wuchtigen Beat des Openers „Rain In Soho“, der tatsächlich so etwas wie Goth- oder eben Death-Rock sein könnte, sind alle restlichen Stücke erstaunlich feingliedrige, luftige Jazzpopnummern mit Saxophonsoli, hübschen Background-Chören und viel Spaß am Spiel. Und vor diesem beschwingten Hintergrund erträumt sich Darnielle dann Andrew Eldritch’s Rückkehr nach Leeds, den mytischen Gründungsort der Sisters Of Mercy (stilecht mit einer Jacke aus dem Leipziger Second-Hand-Fundus), witzelt er über Marotten und den strengen Kleiderkodex („Wear Black“, „Stench Of The Unburied“) oder die Selbstüberhöhung der Szene („We Do It Different On The Westcoast“). Zum Schluß gibt es mit "Abandoned Flesh" noch eine Hommage an die nicht ganz unumstrittenen Gene Loves Jezebel, neben The Cure, Celtic Frost und Siouxsie And The Banschees zeitlebens die Helden des Sängers, die mit den Worten endet: „You and me and all of us are gonna have to find a job, because the world will never know or understand the suffocated splendor of the once and future goth band“ – wie wahr. Und schon jetzt nicht der geheime, sondern der heimliche Headliner des Jahres 2017. http://www.mountain-goats.com/
Schleichwerbung: Das wollen wir ausnahmsweise nicht verschweigen - bei JPC gibt es eine Liebhaber-Version des Albums mit vampirrotem Doppelvinyl und 12"!

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