The Killing of a Sacred Deer

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The Killing of a Sacred Deer

7Drama

Es ist eine Metapher! Es soll symbolisch sein!“, schreit dem Kardiologen Steven Murphy (Colin Farrell) dessen Nemesis Martin (Barry Keoghan) ins Gesicht, nachdem er erst ihm und dann sich selbst ein Stück Fleisch aus dem Arm genagt hat.

Die Charaktere von Yorgos Lanthimos‘ stilisierter Literaturadaption zerfleischen sich selbst und einander, figürlich und buchstäblich. Das manierierte Kräftemessen steigert sich in immer groteskere Extreme. Bis einer heult – und zwar Bluttränen. Die Metaphorik der auf bizarre Weise faszinierenden Verarbeitung von Euripides schreit der Regisseur spätestens hier lauter heraus als Martin. Dessen Wesen bleibt so diffus wie das aller Figuren der unbarmherzigen Parabel, die weitaus effektiver, würde Lanthimos sie nicht so übereifrig selbst enträtseln.

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Die emotionale Lähmung, Verrohung und archaischen Prinzipien, denen die zivilisierte Gesellschaft hinter der kultivierten Fassade gehorcht, werden systematisch freigelegt. Vorbote der analytischen Sektion ist das pulsierende Herz, an dem in der Eröffnungsszene operiert wird. Blutdurst kanalisiert sich in geregelte Abläufe, deren subtile Komik das Grauen noch erhöht. Die nüchternen Szenen erschaffen eine Horror-Farce, die am meisten verstört, wenn das Geschehen am banalsten erscheint. Stevens pathologische Beziehung zu seiner Frau Anna (Nicole Kidman) ist eines zahlreicher morbider Details. Zwischen ihren Kindern Bob (Sunny Suljic) und Kim (Raffey Cassidy) gärt unterdrückte Animosität, die sich unversehens zur Überlebensfrage auswächst. Motor der rigorosen Enthüllung der in jeder zwischenmenschlichen Interaktion fühlbaren Kaltblütigkeit ist Martin.

Seine Rolle in Stevens Leben und dem Plot, den Lanthimos mit Stammdrehbuchautor Efthymis Filippou schrieb, ist zugleich die von Monster und Mittler. Er will Steven für eine Schuld, deren Triftigkeit ungeklärt bleibt, büßen lassen und damit schließlich befreien. Doch die Rache trifft Stevens Frau und Kinder. Die Frage, warum sie eine fremde Schuld bezahlen müssen, steht gewichtig im Raum. Anna stellt sie Martin gar direkt, doch ihm scheinen Sinn und Nutzen der fehlgeleiteten Bestrafung ebenso schleierhaft wie dem Regisseur. Dessen präzise inszenierte Groteske betrachtet die Willkür der Ereignisse so hilflos wie Steven seine private „Sophies Entscheidung“. Ohne die Illusion göttlicher Fügung ist der Sadismus des Schicksals noch schwerer zu ertragen.

Regie: Yorgos Lanthimos, Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou, Darsteller: Nicole Kidman, Alicia Silverstone, Barry Keoghan, Colin Farrell, Raffey Cassidy, Filmlänge: 121 Minuten, Kinostart: 12.01.2018


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Autor

Lida Bach

 
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