Störungen im positiven Sinn – Schmuck von Andi Gut

Andi Gut experimentiert mit Material und Formen für einzigartige Schmuckstücke

Schick Schnack Schmuck

Ob Gold, Horn, Nylon oder Keramik – Schmuck von Andi Gut ist anders. „Störungen im positiven Sinn“ nennt der 37-Jährige Goldschmied und Professor an der FH Pforzheim seine Kreationen: „Das ist ein bisschen so, als ob sich in der Stadt Unkraut seinen Weg durch Beton bahnt. Mancher ärgert sich und vielleicht stört es hier und da, die meisten aber freuen sich über das unerwartete Grün“, sagt Andi Gut und lässt beispielsweise kleine Schmuck-Äste aus der Schulter wachsen.

störungen im positiven sinn – schmuck von andi gut Foto: Andi Gut

„Die Zweige werden mit einer Nadel befestigt und sind aus Nylon – das bricht nicht und man kann sie sogar unterm Mantel tragen“ sagt Andi Gut mit einem spitzbübischen Schmunzeln, denn er weiß: Auch selbstsichere Business-People tragen die Nylon-Zweige, als humoristisch-schmückendes Gegenstück zu Headset und Kabelgewirr, das vielen Kollegen am Kopf hängt. „Das sehe ich auch als Schmuck und versuche, meine Stücke ebenfalls im technisch geprägten Männerumfeld zu platzieren“. Am meisten freut sich der Designer, wenn seine „positiven Störungen“ nicht nur optisch wirken, sondern gleichzeitig als Kommunikationsstücke fungieren: „Ich finde es nett, wenn die Träger auf ihren Schmuck angesprochen werden und direkte, zwischenmenschliche Kommunikation entsteht,“ sagt Andi Gut und geht noch einen Schritt weiter wenn er sagt: „Jedes Schmuckstück ist eine eigene kleine Welt.“ Und tatsächlich versteckt sich in einigen seiner Ringe das gesamte Universum – auf Mikrofilm.
Eher zufällig „rutschte er in die Schmuckbranche rein“, macht zuerst eine Goldschmiede-Lehre. „Man denkt ja, das ist ein kreativer Beruf – auch wenn er schön ist, setzt man vor allem Ideen anderer um. Das war mir zuwenig“, erinnert sich Gut und belegte deshalb einen Vorkurs in Zürich, wo er alle gestalterischen Mittel und Materialien kennen lernt. Jetzt war klar, dass es beruflich eine Kombination aus Handwerk und Kunst sein soll, zudem war eine unbändige Experimentierfreude geweckt. Auch heute noch jongliert Andi Gut mit Materialien und Techniken, seine einzigartigen Stücke nehmen in einem kreativen Experimentier-Prozess Gestalt an. Nach Zürich ging’s übrigens zum vierjährigen Studium an die FH Pforzheim, danach arbeitete Andi Gut als freier Schmuckdesigner und kam 2007 wieder zurück, um an der FH eine Professorenstelle für Objekte der Alltagskultur, Schwerpunkt Schmuck anzunehmen. „Viele wissen gar nicht, dass man Schmuck studieren kann“, sagt Andi Gut. „Und auch wenn man sich streiten kann, ob man das Nischenprodukt Schmuck braucht oder nicht, hat er oft eine wichtige Unterscheidungsfunktion. Außerdem sind wir Deutschen gemeinsam mit den Holländern, Engländern und Skandinavier führend wenn’s ums Design geht.“ Im Moment belebt der Professor für sich und seine Studenten eine sehr alte Technik, das Guillochieren: Ein Stahlstichel wird so gegen das Material gedrückt, dass auf der Oberfläche komplexe Muster entstehen. „Es gibt nur noch ganz wenige die das gut können und bevor es womöglich in Vergessenheit gerät, mache ich noch ein paar Stücke.“ www.andigut.ch, www.dingdrin.ch


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