Spracharcheologie

Die Russische Föderation könnte früher ein “Gardarike“, also ein “Reich der Städte” gewesen sein, jubelt die russische Geschichtswissenschaft. Man betreibt dortzulande gern  ”Spracharcheologie”, die bestgeeignetste Wissenschaft, um Wünschenswertes zu beweisen. Ich nenne das “Russländische Selbstreflexion” oder “russisch-nationalistisch geprägter Interpretationswille”, der im Übrigen auch die deutschsprachige Wikipedia nicht verschont.

Gardarike oder Gardariki ist die in der mittelalterlichen Literatur Islands gebräuchliche altnordische Bezeichnung für das Gebiet der Ostslawen. Er bedeutet Reich der Städte, weil die Wikinger bei ihren Handels- und Raubfahrten durch Osteuropa auf zahlreiche slawische Burgstädte (Gard bzw. Grad) gestoßen waren.”

Demnach sind die Nordmänner auf etwas Slawisches gestoßen, was bereits da war. Was so nicht unbedingt stimmen muss. Es könnte schließlich auch sein, dass manches Örtchen – wie zum Beispiel das alte Kiew – von muslimischen Söldnern im chasarischen Heer als chasarische Garnison im Poljanenland gegründet ist, die dann – bleiben wir bei diesem Beispiel namens Kiew – wechselseitig von Slawen, Warägern und Sonstwenalles hin und her erobert wurde.

Also: Wenn irgendwelche Wikinger irgendwo auf Burgstädte gestoßen sein sollten, beweist dies nicht zwingend, dass die bis dahin “slawisch” waren.

Vielleicht wurden manche Befestigungen auch von Wikingern angelegt? Zur Sicherung und Lagerung ihrer Beute?

Darüber hinaus darf man wohl annehmen, dass Waräger ihre Herrschaft nicht als Eroberung ansahen, denn können überhaupt die verhältnismässig wenigen Nordmänner ein so großes Reich, wie heute jedem geografisch sichtbar, gegen einen angenommenen erbitterten Widerstand einheimischer Stämme gründen und behaupten?

Offenbar haben seinerzeit die pfiffigsten unter den Eingeborenen den Nutzen einer geordneten Infrastruktur gegenüber zu lieferndem Tribut abgewogen und den Vorteil für sich erkannt. Und Fakt ist auch, dass Slawen zur Organisation ihres Gemeinwesens lange Zeit nicht in der Lage waren.

Und es gab unter ihnen kein Recht, und Sippe stand auf gegen Sippe, und es waren unter ihnen Fehden, und sie begannen wider einander zu kämpfen. Und sie sprachen zueinander: “Wir wollen uns einen Fürsten suchen, der über uns herrsche und gerecht richte.”
(Nestorchronik)

Man kann eigentlich streiten so viel man will. Jeder findet seine Argumente, da seinerzeit wenig notiert wurde. Weshalb ich hierzu auch ein formal-logisch-basiertes Denkmodell anbiete:

Der Dnjepr war fischreich. Dort konnten Menschen gut leben. Also siedelten man sich an. Und wurde später von Menschen, die ebenfalls dort leben wollten, vertrieben. Die wiederum ebenfalls vertrieben  wurden – MENSCHEN SIND SO – und so ging es hin und her und her und hin. Ob die ersten Menschen Slawen waren, Homo sapiens oder andere Vertreter der Homo erectusist kann nicht belegt werden. Ein Urmensch schreibt keine Chroniken.


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