Schreibblockaden und der Weg des Schurken

Schreibblockaden und der Weg des SchurkenIn den letzten Wochen schlage ich mich mit einer ganz schön miesen Schreibblockade herum. Meine Deadline musste ich jetzt auf Ende Juli verschieben - wobei auch das großzügig gesetzt ist, gegeben dem Klausurenstress, der mir bevorsteht. Einerseits liegt es daran, dass mein Kopf gerade in anderen Dingen steckt (meine Seminararbeit zu Kleopatra schreibt sich nicht von selbst, und Referate und Essays müssen auch erledigt werden), andererseits habe ich das Gefühl, etwas hindert mich daran, an meiner Geschichte weiterzuschreiben. Der Wille ist da - aber wann immer ich Scrivener öffne, schiebt sich ein Riegel vor meinen Kopf.
Eigentlich existieren so etwas wie "Schreibblockaden" für mich nicht - es hat immer einen anderen Grund, warum ich nicht dazu zu komme ein Wort zu Papier zu bringen. "Schreibblockade" ist nur eine Ausrede für ein Problem, dessen Ursache man noch nicht gefunden hat. Ich habe zwar an meiner Geschichte gearbeitet, aber nicht geschrieben. Ich habe versucht, wie schon im vorherigen Post, an meinem World Building zu feilen, damit die Welt meiner Geschichte ein wenig echter und greifbarer wirkt. Das war auch sehr hilfreich, allerdings war nach den Charakteren und dem World Building der Plot dran und ich habe festgestellt... er ist nicht besonders stark.
Das hat mich zunächst frustriert. Ich will es endlich hinter mich haben! Ich will, dass die Leute diese Geschichte lesen! Aber rumheulen bringt nichts, also habe ich das ganze wieder neu aufgerollt. Ich habe eine ganze Hintergrundgeschichte entworfen, auf die der Plot aufbaut. Ja, das hätte ich vielleicht früher erledigen müssen, aber man denkt ja meistens, eine "grobe" Idee, die nur im Kopf existiert und nicht aufgeschrieben wurde, reicht. Da habe ich ganz neue Erkenntnisse sammeln können, was eine tolle Erfahrung war. So habe ich meine Welt besser kennengelernt und verstehe sie auch besser. Allerdings stieß ich vor einen neuen Problem: Der Plot machte plötzlich keinen Sinn mehr.
Das klingt radikal, aber ein wichtiger Bestandteil meines Plots - und zwar Theas Suche nach ihren leiblichen Eltern - stand plötzlich auf glattem Eis. Ein wichtige Faden, der sich durch die Geschichte ziehen sollte, wurde dünn und unglaubwürdig. Doch die Ursache war schnell gefunden: Mein Schurke war nicht gut genug durchdacht. Er ist da, und er redet kein Schwachsinn, aber er war zu zweidimensional. Ich kannte ihn nicht. Die Gründe für sein Handeln waren mir auf einmal nicht mehr nachvollziehbar, weshalb ich wieder einen Schritt zurückgehen musste... und die Hintergrundgeschichte für ihn entwerfen musste.
Natürlich habe ich schon einen Steckbrief für den Schurken geschrieben. Darin ist alles aufgezeichnet: Name, Ängste, Ziele sogar den Klang der Stimme (weil ich ein Freak bin). Das alles ist auch hilfreich, aber nicht hilfreich genug. Ich musste in die Vergangenheit des Charakters gehen, eine ganze Charakterentwicklung entwerfen, auf die der jetzige Charakter basiert. Denn junge Ereignisse sind zu wenig, um ihm wirklich die Rolle des Bösewichts abzunehmen. Diese Dinge fangen bereits vorher an, in diesem Fall schon in frühster Kindheit. Da muss man sich auch solche Zitate zu Herzen nehmen: "Evil isn't born, it's made" (Once Upon a Time) und "You're either die a hero, or you live long enough to become the villain" (The Dark Knight).
Ich glaube, man macht oft den Fehler den Bösewicht einfach als "böse" zu deklarieren. Das ist einfach, und funktioniert in einigen Fällen auch, nur hier nicht - der Charakter ist ein großer Bestandteil meines Protagonisten, und seien wir mal ehrlich, ein Protagonist ist nichts ohne seinen Antagonisten, oder drastischer gesehen - eine Story ist nur so gut wie der Bösewicht in ihr. Bösewichte sind (in den meisten Fällen) auch nur Menschen, die Ziele verfolgen - aber vom Weg abgekommen sind. Ich bin auch froh meinen Schurken besser zu kennen, denn jetzt erkenne ich auch endlich Parallelen zwischen ihm und den Protagonisten (endlich! Ich bin so erleichtert. Ich dachte schon, ich würde den Dialog nicht benutzen können: "We're not so different, you and I." - "I'm not like you! I'll never be like you!" Haha, kleiner Scherz.)
Diese kleine Erkenntnis hat mir geholfen, mich wieder meiner Geschichte anzunähern - jetzt muss ich mich nur wieder aufraffen, den dritten Entwurf fertig zu stellen. Aber ich ahne, dass mir vermutlich noch etwas fehlt, bevor ich ungehemmt lostippen kann - hoffentlich bekomme ich das bald hin.
Wie geht ihr mit Schreibblockaden um?

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