Schlimmer geht´s immer...

Als ich gestern das große Kind zum Tanzen gefahren habe, kam im Radio ein witziger Bericht über eine bayerische Familie, deren letzte Woche wohl nicht so gut gelaufen ist. Ständig passierten den armen irgendwelche kleinen Unglücke.

Da musste ich mich unweigerlich an den wohl nervigsten Morgen in meinem "Mutterleben" erinnern und diese Geschichte möchte ich Euch heute erzählen...

***

Es passierte irgendwann im letzten Winter.

Der Herr des Hauses musste dienstlich für ein paar Tage auswärts nächtigen. Da ER normalerweise die Brut früh morgens versorgt, ging ich leicht genervt ob der unmenschlichen Aufstehzeit etwas früher schlafen.
Wie immer wenn Papa nicht da ist, belagerten die beiden Annibellies schon beim Einschlafen unser Ehebett und so lag ich die ganze Nacht ziemlich eingequetscht zwischen zwei Kindern (man könnte auch lebendige Heizkissen sagen!) und wurde abwechselnd getreten, oder meiner Decke beraubt.
Das übliche eben...
Als der verdammte Wecker zu einer für meine Verhältnisse unglaublich unchristlichen Uhrzeit klingelte, stand ich mürrisch auf. Ich fühlte mich wie gerädert und nur der Gedanke an einen lebensrettenden Kaffee konnte meine Stimmung leicht heben.
Ich ging also kurz in die Küche um die Kaffeemaschine schon mal aufzuheizen, als beim Licht anmachen nur ein kurzes Zischen erklang und ich danach in völliger Dunkelheit dastand.
Meine Laune schwand bis in den tiefsten Keller.

Wie jede Frau das wohl tut, drückte ich noch zwei drei Mal wild auf den Lichtschalter, doch Überraschung, NICHTS tat sich. Es blieb dunkel.

Warum bitte muss sowas immer passieren, wenn Frau allein zuhause ist... Nervt!!!
Also erstmal ins Bad und duschen. Vielleicht löst sich das Problem ja währenddessen von allein...
Das Wasser wurde warm (hätt ja auch anders kommen können), im Radio lief mein Lieblingslied und ich vergaß das Küchendesaster tatsächlich für kurze Zeit.

Beim zurückkommen entdeckte ich, das nicht nur das Licht nicht geht, es ging überhaupt nichts. Stromausfall?

Oooohhhhh nein! Die Sicherung!

Sofort hörte ich die Imaginäre Stimme meines liebsten Ehemanns:

Warum bitte willst Du diesen schweren Spiegel vor den Sicherungskasten hängen?
Na weil es besser aussieht natürlich! Wer ist denn so bescheuert und baut so ein häßliches Stromdings direkt in den Eingang, noch dazu genau auf Augenhöhe. Das geht ja mal gar nicht!!
Und wenn du an die Sicherungen musst?
Na dann schau ich halt, wie ichs mach... Da bist doch dann eh Du da... Augenklimper...

Ja toll! Und jetzt stand ich hier in völliger Dunkelheit und mühte mich ab, den blöden Spiegel vorsichtig balancierend von der Wand zu holen... Wer bitte hatte die bescheuerte Idee vor den Sicherungkasten was SCHWERES zu hängen!?! Da muss was neues hin :-)

Nachdem die Sicherung wieder reinsprang, ging auch das tiefe surren des Kühlschranks wieder an.

Der Kühlschrank! Den hätte ich ja total vergessen!! Gott sei Dank...

Ich beschloss dem Mr. Annibellie diesen holprigen Start zu verschweigen und machte mir endlich den lang ersehnten Kaffee!

Mmmmhhhh... es gibt einfach nicht besseres in der Früh!!!

Als die Kinder kurze Zeit später schlaftrunken aus dem Schlafzimmer zu mir in die Küche tapsten, waren sie geradezu vor Licht geblendet ;-)

Ohne weitere Zwischenfälle richtete ich die Brotzeit, während die Kinder sich (nur leise streitend) in Slowmotion (wie jeden Morgen) anzogen. Alles war also so wie immer...
Wir zogen unsere Jacken an und wollten gerade gehen, als ich bemerkte das mein Schlüssel fehlte.
Nicht nur wegen den Schneestiefeln und der dicken Winterjacke die ich ja schon trug begann ich zu schwitzen.
Nun ist es ja leider so, dass Schlüssel suchen zu meinem täglichen Morgensport zählt. Ich bin es gewohnt und kann relativ ausdauernd suchen. An diesem Morgen aber blieb mir während ich die obligatorischen Plätze absuchte plötzlich für einen kurzen Moment das Herz stehen.
Meine Tasche, samt Inhalt, liegt im Auto des liebsten Ehemann der Welt
Keinen Schlüssel, kein Handy und kein Geldbeutel... Das gibt es doch nicht!!!

... gähnende Leere feegte durch meine Gehirnwindungen... Was tun?

Ok. Kurz durchatmen.
Erstmal ganz cool den Kids "vorschlagen", dass wir heute mal zum Kindergarten laufen. Die Mädels freuten sich und ich stapfte grimmig hinterher.
Nachdem die Annibellies im Kindergarten abgeliefert waren, marschierte ich besser gelaunt nach Hause.
Was solls. Arbeiten muss ich heute zum Glück nicht. Dann kann ich halt heute weder Einkaufen, noch sonst irgendeinen Fahrdienst oder was auch immer machen... Ich habe heute FREI - zwangsweise sozusagen. Gar nicht mal so schlecht, oder?
Viele GrüßeEure Julia