Scharfe Bilder bei der Bundeswehr

Scharfe Bilder bei der Bundeswehr
In der guten alten Militärzeit, als ich einfacher Gefreiter beim Bund war, hab ich einmal einen kritischen Zeitungsartikel über die atomare Abschreckung in meinen Stubenspind aufgehängt. Das kam bei meinem Unteroffizier überhaupt nicht gut an. "Mensch, reissen Sie das gefälligst ab und hängen Sie sich lieber ne nackte Frau an die Wand." Zwar verstand ich schon damals nicht, wie ein pin-up girl unsere Militärstrategie verbessern könnte, aber es half nichts. 
Scharfe Bilder bei der Bundeswehr
Natürlich hab ich damals kein Kurven-Photo in meinen Schrank gehängt, sondern den FAZ-Artikel artig gefaltet in mein Spind-Privatsafe getan, wozu ich allein den Schlüssel hatte - dieses Privileg hatte uns das Wehrpflichtgesetz großzügig eingeräumt. 
Heute, fünfzig Jahre später, hat die Bundeswehr selber Angst vor scharfen Photos: Google Street View soll die militärischen Liegenschaft nur schlecht gepixelt ablichten. 
Scharfe Bilder bei der Bundeswehr
Aber da haben Hellsichtige schon das nächste Problem für unser Militär entdeckt: Wenn alles Nicht-Militärische bei Google Street View schön sichtbar bleibt, MUSS im Umkehrschluß doch alles andere Unscharfe militärisch sein. Ob das aber unsere Sicherheit erhöht? 
Da fühl ich mich an die Zeit der zivilen lokalen Militäranalysen in Deutschland erinnert, als FriedensaktivistInnen Zug um Zug der tabuisierten Bundeswehr die Informationen abtrotzten, die notwendig waren, um gescheit und kontrovers über die Militärstrategie in Deutschland debattieren zu können. 
Auf welche ausgefeilten Tarnmethoden sind wir da gestoßen: Hinter "Abwasserdeckeln" verbargen sich Atomminen-Schächte, Militärdepots wurden - gut sichtbar! - auf den Landkarten als "Sonderflächen" deklariert. 
Und als uns die Bundeswehr partout keine Informationen über den Schießbetrieb auf Truppenübungsplätzen rausrücken wollte, hat ein ceverer Kollege in meinem Forschungsteam (das Konversionsprojekt wurde damals dankenswerterweise immerhin vom niedersächsischen Wissenschafts-Ministerium gesponsert) einfach ein Jahr lang das Bundes-Ausschreibungsblatt ausgewertet: Da bietet nämlich die Bundeswehr ihre leeren Patronenhülsen zum Verkauf an. Und jede Hülse muß zuvor auch mal verschossen worden sein - klare Logik meines Kollegen. 
Also, wenn ich Guttenberg wäre: Ich würde Google Street View auch die Militärbauten schön klar und scharf ablichten lassen. Die Geheimdienste unserer Feindstaaten (müssen ziemlich weit weg sein diese Länder, denn die Bundeskanzlerin sagt ja immer, dass wir nur noch von befreundeten Nationen umgeben sind - wahrscheinlich meint sie so Gegenden wie den Hindukusch, wo ja auch Peter Struck gerne Deutschland verteidigen lassen will) werden viel verwirrter auf Google Germany Street View gucken wenn sie feststellen: Da gibts offenbar überhaupt kein Militär mehr. 
Scharfe Bilder bei der Bundeswehr
Oder noch besser: Die Bundeswehr nimmt sich den berühmten russischen Feldmarschall Potjomkin zum Vorbild: Einfach ein paar dutzend fake military installations in die deutsche Landschaft stellen und wenn die dann als Potemkinsche Militärische Liegenschaften grob gepixelt auf dem Bildschirm unserer Feinde auftauchen, sind deren Geheimdienste ganz schön verwirrt. Das gibt echte Sicherheit.