Satellitengestützte Aktionspläne

Donnerwetter! Die reden nicht nur, die tun was!

Satellitengestützte Aktionspläne gegen den Hunger in der Welt

Quelle: Fickr

Die G20-Staaten haben sich im heldenhaften Kampf gegen den Hunger in der Welt, verursacht durch erhebliche Preisschwankungen bei Nahrungsmittelrohstoffen, darauf geeinigt, die wichtigsten Nahrungsmittel einfach kostenlos an die Bedürftigen zu verteilen!

Nein, natürlich nicht. Sie haben was viel Besseres getan, denn man weiß ja, wenn das Brot nichts kostet, dann wirft man es den Schweinen vor. Sie haben sich – Trommelwirbel, Tusch: auf einen gemeinsamen Aktionsplan geeinigt. Besonders vorteilhaft: Der kostet erstmal nichts.

Die Agrarminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, die gemeinhin unter dem Kürzel G20 zusammengefasst werden, haben sich in Paris vorgenommen, unter anderem ein Agrar-Markt-Informations-System mit dem wunderschönen Kürzel (AMIS) aufzubauen. Mit dessen Hilfe soll künftig die Entwicklung der Märkte für Weizen, Mais, Reis und Sojabohnen besser erfasst werden, um schneller auf gefährliche Preisanstiege reagieren zu können. Damit wollen die Agrarminister für mehr Transparenz auf den internationalen Märkten sorgen und Missbrauch von Rohstroffpreisen einen Riegel vorschieben, wie unsere Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nach dem Treffen mit ihren Amtskollegen erklärte. Bekanntlich sind immer mangelnde Transparenz und Missbrauch im Spiel, wenn die wunderbare selbstregulierende Kraft der Märkte versagt und es plötzlich irgendwelche Finanz- Immobilien- Energie- oder Hungerkrisen gibt. Marktversagen ist in der Marktwirtschaft eigentlich ausgeschlossen. Muss also am Versagen zu vieler Einzelner liegen, die mal wieder zu böse, zu gierig oder einfach zu dumm waren.

Durch die „alarmierende Achterbahnfahrt“ auf den Weltmärkten für Agrar-Rohstoffe seien Grundnahrungsmittel besonders für viele Menschen in den Entwicklungsländern unbezahlbar geworden. Diese bösen Spekulanten wieder! Wollen ohne Rücksicht auf die Menschen ihre Gewinne einfahren, ohne selbst jemals eine verdammte Gurke selbst geerntet zu haben. Gemein ist das. Aber nun wird ja alles besser.

Die Frage ist nur – warum? Weil man dem bösen Kapitalismus nun die Zähne zeigt und den Markt für Grundnahrungsmittel abschafft, um ein effektiveres System der Verteilung (auf dem Markt geht es darum nämlich nicht die Bohne, da gehts nur darum, Zeug zu verkaufen) lebensnotwendiger Güter einzuführen? Denkste! Soviel Sozialismus will keiner – nicht mal China, welches gerne ja noch als „kommunistischer“ Staat gilt. Nö, aber Agrarderivate sollen an den Warenterminmärkten registriert werden.

Das ist doch mal ein echter Fortschritt – die ganze Zockerei findet genauso statt, wie das halt üblich ist, aber wenn irgendwer mal zu viel Zeit hat, kann er wenigstens mal im Computer nachschauen, wer mit welcher Wette auf was jetzt schuld sein könnte, dass der Mais unbezahlbar ist. Wenn das nichts ist! Es ist nicht anzunehmen, dass irgendein Spekulant dann einen „fairen Anteil“ aus seinen Spekulationsgewinnen zum dann an die Leute abführen müsste, die jetzt seinetwegen verhungern.

Als Ergänzung wird übrigens auch über ein satellitengestütztes System nachgedacht, das wichtige Wetterdaten verfügbar machen und fundierte Vorhersagen erleichtern könnte. Ist natürlich nicht ganz billig, so ein satellitengestütztes System. Vor allem, weil es Überschwemmungen oder Dürreperioden nicht verhindert, sondern nur die Erklärung erleichtert, warum hier der Weizen jetzt verschimmelt ist oder dort die Kartoffeln vertrocknet. Oder umgekehrt.

Statt an das tolle Satellitensystem könnte man ja auch mal an was anderes denken – zum Beispiel warum es denn so dringend nötig ist, aus allem ein Geschäft zu machen – eben auch aus Nahrungsmitteln und auch dem Hunger der Menschen an sich.

Es gibt schließlich eine ganze Reihe Organisationen deren Mitglieder und Angestellte in unsere Breiten ganz gut damit verdienen, das Elend zu organisieren. Natürlich ist die Empörung groß, wenn die Spendengelder nicht bei den Armen ankommen oder etwa Angehörige der Entwicklungsorganisation „Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) erster Klasse in der Gegend herum fliegen.

Als ob es okay ginge wenn andere Säcke auf anderer Leute kosten erster Klasse fliegen. Warum gibt’s überhaupt eine erste Klasse beim Fliegen? Aber ich schweife ab. Für den Kampf gegen den Hunger darf ein Erste-Klasse-Ticket doch nicht zu schade sein! Ich frag mich, wie wohl die Agrarminister der G20 nach Paris gekommen sind. Bestimmt nicht in der Economy-Class.


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