[Rezension] Aus Syrien geflüchtet

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Autor: Seif Arsalan
Verlag:
Verlag an der Ruhr
Seitenzahl:
144 Seiten
Genre:
Autobiografischer Jugendroman

»Flucht - dieser Gedanke ließ mich total verzweifeln. Ich wollte so gerne in meinem Land und bei meiner Familie bleiben, aber es drohte mir die Gefahr, von der Armee eingezogen oder verhaftet zu werden. Ich habe seit Langem aufgehört, Nachrichten über Syrien im Fernsehen zu hören. Niemand stoppt diese Verbrecher, die mein Land für ihre Zwecke missbrauchen.«
- S. 47


Inhalt in einem Satz
In seiner autobiografischen Erzählung berichtet der Autor Seif Arsalan von seiner Flucht aus Syrien als Jugendlicher und von seinem Weg in eine neue, hoffnungsvolle Zukunft in Deutschland. 

»Mein Buch soll dazu beitragen, das vorbelastete Bild über Flüchtlinge in Deutschland zu korrigieren. Ich will zeigen, wie schwer es für uns ist, unsere Heimat zu verlassen und in einer ganz anderen Kultur zurechtzukommen, aber dass wir den Wunsch haben, in Sicherheit und Frieden zu leben und an dieser Gesellschaft teilzuhaben.«
- S. 141


Meine Meinung
Als mir dieses Buch als Rezensionsexemplar angeboten wurde, war ich selbstverständlich sofort dabei! Denn wie ihr vielleicht wisst, rezensiere ich häufiger Bücher über die Flucht aus Syrien und die darauffolgende Integration in Deutschland. Auch wenn sich der Medienrummel und die großen politischen Diskussionen der vergangenen Jahre mittlerweile etwas gelegt haben - oder gerade deshalb - finde ich es wahnsinnig wichtig, mich weiterhin über diese Themen zu informieren und darüber zu schreiben.

Aus Syrien geflüchtet von Seif Arsalan hat mich gerade durch seine interessanten Hintergrundinformationen zu Bräuchen, religiösen Festen sowie dem Familienleben in der syrischen Kultur begeistert. Denn die Erzählung beginnt bereits in Seifs Kindheit und wir begleiten ihn beim Lesen durch die Zeit der Aufstände in Syrien, auf der Durchreise bis nach Deutschland und dort auf dem harten und steinigen Weg, sich in der neuen Kultur und im deutschen Behördendschungel zurechtzufinden.

Die Schwierigkeiten, mit denen Flüchtlinge durch die deutsche Bürokratie konfrontiert werden, sind hier ebenfalls ein zentraler Aspekt, über den dieses Buch sehr gut informiert und einen als Leser ein bisschen sprachlos macht. Bei uns ist es ja leider häufig so, dass durch manche Regelungen mehr Schaden angerichtet wird, als sie Sinn machen. Wie der Autor sich aber in seinem jungen Alter schon all diesen Schwierigkeiten stellt, große Verantwortung übernehmen muss, niemals aufgibt und für eine bessere Zukunft für sich und seine Lieben kämpft, ist einfach beeindruckend zu lesen.

Wie ihr vielleicht schon herauslesen konntet, setzt Aus Syrien geflüchtet einen etwas anderen Fokus als viele andere Zeitzeugenberichte. Die Flucht an sich wird eher nüchtern und im Zeitraffer beschrieben, hier erfährt man kaum Einzelheiten über schlimme Situationen. Ich denke, das ist aber gerade der Sinn der Buchreihe K.L.A.R. reality, die für Jugendliche geschrieben ist und einen kurzen Abriss über schwere und vor allem wahre Schicksalsschläge anderer junger Menschen vermitteln soll.

Emotional war das Buch trotz des nüchternen Stils, da man doch von der einen oder anderen Situation liest, die es einem wirklich schwer ums Herz werden lässt. Ich denke, wer eine solche Autobiografie schreibt, kann das Erlebte auch gar nicht allzu dramatisch schildern, denn das macht es sicher nur schwerer, überhaupt mit all den schlimmen Erfahrungen umgehen zu können. Die Reihe wird als leicht verständlich und alltagsnah beschrieben, und dem kann ich mich nur anschließen.

Als Schullektüren sind diese aufklärenden Bücher deshalb besonders gut geeignet, aber Aus Syrien geflüchtet ist durch seinen ganz anderen Blickwinkel und Fokus auch für Leser jeden anderen Alters zu empfehlen. Erstaunt hat mich auch, dass das Buch völlig frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern ist. Das verdankt es sicher zum einen dem Lektorat, zum anderen hat Seif Arsalan aber auch in kürzester Zeit einwandfreies Deutsch gelernt, was ich auch an seinen Mails gemerkt habe. Auch das verdient großen Respekt!

»Ich hasse das Wort Flüchtling. Dieses Wort ist in der letzten Zeit so missbraucht worden, dass man sich schämt, ein Flüchtling zu sein. Wenn man mich jemandem vorstellt, würde ich anstatt ‘Das ist Seif, ein syrischer Flüchtling’ lieber hören: ‘Das ist Seif und er kommt aus Syrien’.«
- S. 141


Fazit
Ein sehr aufschlussreiches Werk, das trotz seiner Kürze einen guten Einblick in die Thematik verschafft und deshalb nicht nur als Schullektüre zu empfehlen ist. Ich hätte natürlich gern noch mehr davon gelesen, gerade die Unterschiede der syrischen und deutschen Kultur fand ich sehr spannend. Ich hoffe deshalb auf weitere Bücher von Seif Arsalan und wünsche dem Autor weiterhin nur das Beste für seine Zukunft! :)

Bewertung: Autobiografie - keine Sternebewertung

Herzlichen Dank an den Autoren Seif Arsalan, der mir sein Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!