Quo vadis, Alemannia?

„Quo vadis“ – oder fern der toten Lateiner – „Wohin gehst du?“. Eingegangen in unseren Sprachgebrauch ist diese Phrase ursprünglich aus apokryphen Texten des Neuen Testaments. Der Apostel Petrus war auf der Flucht vor den Römern, begegnete Christus und fragte ihn mit eben diesem besonderen Satz. »Quo vadis, Domine?«, fragte der Apostel seinen Herrn. »Venio Romam iterum crucifigi«, antwortete ihm dieser (alle ohne Lateinkenntnisse dürfen jetzt ruhig ein wenig googlen).
Besagter Petrus gilt als Begründer des Papsttums, wie wir es alle in den heutigen Tagen erneut …vorgestellt bekommen. Papst Benedikt besuchte Berlin, hielt eine große Messe im Olympiastadion ab und durfte vor dem Bundestag reden.
Berlin. Hmm, Berlin, da war doch was… achja, Alemannia Aachen war gestern zu Gast in der Hauptstadt. Zwei Tage nach dem Papstbesuch konnte man allerdings nicht zwingend eine Verbindung zwischen der Heiligkeit des Vertreter Jesu auf Erden und göttlichem Fußball der Schwarz-Gelben erkennen (das mag jetzt jeder interpretieren, wie er mag). Daher der weite Ausschweif hinüber zu Petrus und seinem Satz »Quo vadis« – Wohin gehst du, Alemannia?

Der FC Union Berlin lud ein zum neunten Spieltag der 2.Fußballbundesliga und bekam dabei einen alten Bekannten zu Gesicht: Friedhelm Funkel. Dieser ist nun stolzer Besitzer einer schwarz-gelben Alemannia-Uhr und somit auch Cheftrainer der Herren in eben diesen Trikotfarben. Bereits am 5.Spieltag trennte dieser sich nämlich mit seinem Ex-Verein, dem VfL Bochum, in stiller Harmonie von der Alten Försterei und brachte drei Punkte als Gastgeschenk dar. Etliche Wochen später, mit neuem Verein, neuem Personal und altem Enthusiasmus sollte es kein Spaziergang für die Eisernen im eigenen Stadion werden.

Nach dem guten 0:0 vor dem heimischen Publikum gegen den Tabellenführer aus Fürth agierte unsere Elf in leicht verändertem 4-3-3-System und vier personellen Änderungen in Berlin. Boy Waterman rückte nach seiner Verletzung zurück ins Tor, dafür ersetzte Jonas Strifler den verletzten Radjabali-Fardi. Weniger verletzt, dafür aber aus strafrechtlichen Gründen ersetzte Rainhold Yabo den rotgesperrten Manuel Junglas im Mittelfeld, welches sich mit Doppelsechs Kratz-Sibum und Spielmacher Yabo allerdings als stottender Motor erweisen würde. Und schließlich rotierte auch Marco Stiepermann für Anouir Hadouir ins Team. Jener erfreute sich lieber an neugewonnen Vaterfreuden, als das Gegurke unserer Truppe mitverantworten zu müssen (Glückwunsch Hadouir nachträglich!).

Insgesamt war die 0:2-Pleite in Berlin insgesamt eher als grauenhaftes Spiel zu kennzeichnen. Es begann mit einer unglaublich schrecklichen Phase von zwanzig Minuten Schlafwagenfußball auf beiden Seiten des Platzes, bis dann die Alemannia ein wenig die Courage auspackte und durch eine sehr schöne Einzelaktion von Marco Stiepermann zur ersten Torchance des Spiels kam.  Er tankte sich gut in den Strafraum hinein, verzog allerdings seinen Schuss ins lange Eck um wenige Zentimeter. Wäre Sergiu Radu, der erneut für unseren Kapitän Benjamin Auer im Zentrum stürmte, nur einen Schritt schneller gewesen, hätte er unser Torkonto verdoppeln können. Den Rest der ersten Hälfte bestimmte das schwarz-gelbe Team das Geschehen ohne noch mal wirklich eine Chance herauszuspielen. Vor allem das grauenhafte Ballverschleppen von Bas Sibum, den ich vor der Saison so als Stabilisator unseres Spiels sah, war in keinster Weise förderlich für das Spiel. Statt das Spiel schnell zu machen, spielt er zurück zu einem Verteidiger, welche den Spielaufbau betreiben sollten. Dieser sah dann meist aus wie die typische Taktik der Kreisliga – langer Hafer und vorne hilft der liebe Gott. Was uns wieder zum Papst bringt, aber der befindet sich ja eh bereits in einem ganz anderen Winkel dieses Landes. Aber ob mit oder ohne ihn, aller Beistand bringt nichts, wenn sich die Spieler nicht um diesen Hafer mühen und der Ball wieder verloren geht.

Und dann klingelte es plötzlich. Eckball Union, geklärt, zweiter Ball geht an Kohlmann. Der zieht ab…trudel trudel…und dann stand da Karl frei vorm Tor. 1:0 für die Eisernen in der 39.Minute, leider war Seyi Olajengbesis Rettungstat vergeblich. Aus dem Nichts die Führung zur Pause nach einer ersten Hälfte, die wir bestimmt haben.
Doch diese Führung verdiente sich der FC Union sehr schnell in Hälfte 2, indem sie ein ums andere Mal unsere hanebüchene Abwehr in den ersten fünfzehn Minuten düpierte und Boy Waterman in dieser Phase schon vorab zum Spieler des Matchs avancierte. Erst die Einwechslung von Benjamin Auer in der 60.Minute brachte ein wenig Stabilität zurück, allerdings versteifte sich Union es sich in dieser Phase auch mehr aufs Kontern. Erstaunlich allerdings, dass Auer in dreißig Minuten mehr Torchancen erspielte, als Radu in der dreifachen Zeit (kein Wunder, brachte dieser es doch auf derer NULL). In der 86. Minute MUSS dann eigentlich das 1:1 fallen, doch leider pariert Glinker glänzend vorm Kapitän. Das war dann auch die erste Torgelegenheit in der zweiten Hälfte. Erklärung? Fällt mir schwer. Kollektive Armut im Spiel nach vorne, mutloser Yabo, kraftloser Odonkor und vor allem unser E10 im Tank Sibum. Aber man könnte jeden Feldspieler nennen, keiner stach so richtig hervor in der spielerischen Tristesse der Mannschaft. Erst in Minute 88 dann wieder ein Lebenszeichen von einem Spieler unseres Teams, der nicht den Vornamen mit dem blumigen Elefanten aus meinen Kindertagen teilte. Seyi Olajengbesi senst unbeholfen im Strafraum Quiring um, was zu einem Elfmeter führte,wobei ein Tor durch Mattuschka heraussprang und den 2:0 Endstand bescherte. Kausalität wie man sie nicht besser demonstrieren könnte. Dass wir in der ersten Minute der Nachspielzeit doch noch den Ehrentreffer durch – wen sonst – Auer hätten erzielen können, es aber nicht taten, passte dann leider ins Gesamtbild des frühen Nachmittags.

Bezeichnend, dass noch kein Kommentar zu Babak Rafati, dem Schiedsrichter ohne Lust und Ahnung, meinerseits hier steht. Zwar hätte man bei Zoundis Einsteigen gegen Odonkor Rot geben können und viele Zweikampfbewertungen waren…strittig (kennt man ja von ihm), aber selbst wenn er das Spiel gnadenlos verpfiffen hätte: mit der Leistung des dieses Tages unserer Alemannia gäbe es keinen Blumentopf zu gewinnen. Selbst wenn am Ende nur noch sieben Unioner auf dem Spielfeld gestanden hätten…und ein Feldspieler im Tor stände.

Man muss es so knallhart sagen, dieses Spiel war grauenhaft. Sicher ist Friedhelm Funkel kein Heilsbringer, aber nun muss man doch irgendwie Einsehen, dass in diesem Team der Wurm ist. Ein ekelhafter, fieser Wurm, dessen Herkunft außerplanetarisch zu sein scheint. Wie sonst kann man nach NEUN Spieltagen nur EIN Tor durch einen ABWEHRspieler auf dem Konto haben? Das ist doch…morbid! Und wer sich diesen Text genau durchgelesen hat, weiß auch, welchen Spieler ich verdächtige, Wirt für diesen Parasiten zu sein. Ich rufe gleich mal beim FBI an und verlang Moulder, denn irgendetwas muss getan werden. Auf göttlichen Beistand brauchen wir nicht zu hoffen. Der Papst weiß schon, warum er direkt wieder aus Berlin geflüchtet ist.


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