Pantoffelmanufaktur Jünemann in Berlin.

Pantoffelmanufaktur Jünemann in Berlin.

Foto: Claire Laude

Bernhard Jünemann begann 1908 in Magdeburg mit der Herstellung von Pantoffeln. Als sein Sohn Otto den Betrieb 1927 übernahm, verlegte er die Firma nach Berlin. Dort wechselte er kriegs- und nachkriegsbedingt sieben Mal den Standort, bis er 1981 die jetzigen Räume in der Torstraße beziehen konnte. Otto und Editha Jünemann hatten zwölf Kinder. Sieben von ihnen arbeiteten in dem Familienunternehmen mit. Nach dem Tod ihres Mannes 1957 übernahm Editha das Geschäft, bis sie es 1968 ihrem jüngsten Sohn Günter vererbte. Auch Günters Sohn Reno stieg 1991 als gelernter Orthopädieschuhmacher in das Geschäft ein und ist seit 2006 verantwortlich für die Geschäftsführung.

Sowohl Günter als auch Reno Jünemann sind in dem Familienbetrieb aufgewachsen. Reno hat schon als Kind gesagt: „Ich werde mal Pantoffelmacher“. Das war allerdings zu DDR-Zeiten nicht so einfach. Die Staatsorgane, die für ihn nach dem Abitur ein Studium vorgesehen hatten, waren mit seiner Berufswahl nicht einverstanden. Doch Renos Mutter überzeugte mit dem Argument: „Mein Sohn leistet mit der Produktion von Pantoffeln auch etwas Wichtiges für das Vaterland!“

Pantoffelmanufaktur Jünemann in Berlin.

Foto: Claire Laude

Für den Familienbetrieb waren die Zeiten in der DDR recht gut. Alles war zwar reglementiert, aber die kontingentierte Ware wurde komplett abgenommen. Erst die Wende 1989/90 brachte Schwierigkeiten, denn die DDR war laut Reno Jünemann, „ein Pantoffelschutzgebiet.“ Heute muss echte Handarbeit mit industrieller Billigproduktion konkurrieren. Die Firma Jünemann arbeitet ohne Vertragshändler und betreibt regelmäßig einen Stand auf verschiedenen Wochenmärkten, an dem Kunden die einzelnen Arbeitsschritte der Pantoffelherstellung persönlich miterleben können.

„Zur DDR-Zeit hatten wir nur zwei Tage Eigenverkauf. Da haben sich vor Weihnachten manchmal Dramen abgespielt. Morgens stand die Schlange schon um den ganzen Block herum, und als wir dann ein Schild ins Fenster gehängt haben, „Gr. 43, Kamelhaar ausverkauft“, da hörte man überall „Oh nein, was soll ich denn jetzt verschenken“.“ (Reno Jünemann)

Hausschuh- und Pantoffelmanufaktur Jünemann, Torstraße 39, Berlin-Mitte.

Dieser Beitrag entstammt dem Buch „Berliner Jahrhundertläden“ von Sabine Zimmer (Text) und Claire Laude (Fotos), erschienen im Lehmstedt Verlag.

ISBN 978-3-937146-97-3, 19,90 Euro.


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