(Original) Ghostbusters: Besessenheit macht scharf

Die Ghostbusters sind jetzt Frauen. Diese Tatsache dürfte inzwischen jeder Filmfan mitbekommen haben, löst das Remake mit Melissa McCarthy und Kristen Wiig doch zur Zeit einige Kontroversen aus. Das ließ mich zuletzt über die Frauenrollen im Originalfilm von 1984 nachdenken. Viele sind das ja nicht, eigentlich nur zwei. Die größere dieser beiden Rollen heißt Dana Barrett (Sigourney Weaver) und ist im Film zeitweise von einer dunklen Macht besessen. Die Folgen eben dieser Besessenheit sind bemerkenswert typisch.

Wenn Frauen oder Mädchen, egal welchen Alters, in Horror, Sci-Fi- oder Fantasyfilmen von einem Geist, Dämon, bösen Alien oder einer anderen dunklen Macht besessen sind, fangen ihre Hormone plötzlich Feuer. Höllenfeuer. In vielen Fällen gebärden sie sich - ungeachtet ihrer eigentlichen Persönlichkeit - auf einmal wie Femme Fatales, die ganz wild darauf sind, ihre überwiegend männlichen Gegenüber mit sexuellen Anspielungen aus der Fassung zu bringen oder noch lieber ins Bett zu bekommen. Dabei ist es übrigens auch völlig egal, welches Geschlecht der Geist oder Dämon oder das Alien ursprünglich hat(te). Dana Barrett aus dem originalen „Ghosterbusters"-Film wird durch ihre dämonische Besessenheit von einer eher verklemmten Musikerin zu einer ausgehungerten Sexbombe, die eigentlich alles und jeden zu besteigen bereit ist. Solche Szenarien kennen wir unter anderem auch aus „The Rite - Das Ritual", „Der Exorzist", „Der Exorzismus von Emily Rose", „Night of the Demons" und „Jennifer's Body". Männliche Charaktere, die einem fiesen Irgendwas als Wirtskörper dienen, verhalten sich hingegen deutlich seltener so. Wie darf man das verstehen?

Eine recht naheliegende Interpretation dieses wiederkehrenden Elements ist, dass jede Frau und jedes Mädchen - sogar noch vor der Pubertät - voller geheimer sexueller Gelüste steckt, die sie nur normalerweise nicht ausleben kann/darf/will. Das ist zwar biologisch äußerst fragwürdig, aber wir sprechen hier ja auch von Horrorfilmen und nicht von BBC-Dokumentationen. Man kann den Spieß natürlich auch umdrehen. So ein fieser Dämon, böser Geist oder gemeiner Außerirdischer weiß um die Schwäche des Mannes für attraktive Frauen und nutzt das im wahrsten Sinne des Wortes schamlos aus. Das hat dann also weniger mit dem verborgenen Verlangen der Frauen als mit der Achillesferse des Mannes zu tun. Mehr noch: so eine dunkle Macht, die was auf sich hält, ist sich bewusst, dass es eine sehr irritierende, provozierende bis zu erschütternde Wirkung auf das Umfeld einer Frau hat, wenn diese plötzlich zum Inbegriff der Unanständig- und Freizügigkeit wird. Je jünger das weibliche Besessenheitsopfer ist, desto stärker wirkt dieser Effekt, übrigens auch auf die Zuschauer, um die es ja eigentlich geht.

Irgendwie immer mit im Spiel ist dabei das Thema Religion. Das Konzept der dämonischen Besessenheit taucht in fast allen Religionen auf. Gerade im Christentum wird die Besessenheit dann gerne mit der Idee des Sündenfalls verknüpft. Ein unschuldiges, gottesfürchtiges Mädchen wird durch die Schlange in ihrem Inneren zur Sünde verführt und selbst zur sündigen Verführerin. Für einen Dämon ist das quasi das Paradies unter den Bösartigkeiten, die eigene, höchst FSK18-verdächtige Version der Ursünde.

Was lernen wir daraus? Weibliche Ghostbusters tragen zumindest ein geringeres Risiko, zu dämonischen Supersexbomben zu werden und Horrorfilme schreiben voneinander ab, ohne immer genau zu wissen, warum eigentlich.


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