Öffentlichkeit verteuern, versteuern

Eine kurze polemische Streitschrift.

Die Apologeten des wehrhaften Gesundheitssystems fordern Fettsteuer oder Dickenabgabe - manchmal auch Zulagen für Versicherte, deren Sport es zum Beispiel ist, Blindekuh auf Dachterrassen zu spielen. Die Freunde des wehrhaften Rechtsstaates sprachen sich schon häufig dafür aus, dass man die Gewährungskriterien zur Prozesskostenhilfe umstellen sollte - nicht jeder falsche Hartz IV-Bescheid sollte richterlich begutachtet werden können, um die Kassen zu schonen.

Mit demokratischer Gesinnung hat dieser Protektionismus natürlich wenig zu tun. Er erinnert an Zeiten, da an Krankheit laborierende Volkswirtschaften mit Schutzzöllen Einfuhren erschwerten, um die Binnenkonjunktur nicht abzuwürgen. Das war, das ist (oder wäre, denn Schutzzölle werden ja mittlerweile als Verbrechen an der Freiheit verunglimpft und afrikanische Staaten, die sie noch kennen, werden zu Diktaturen erklärt) nicht übel - das ist auch ein nützliches politisches Mittel, um die Wirtschaft zu steuern. Eine Demokratie ist aber keine Volkswirtschaft. Letzteres kann in die Demokratie eintreten - mehr aber auch nicht. Doch eine aufgeklärte Demokratie benötigt geboten Schutzzölle. Aber vor wem schützen?

Platonischer Staat

"Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden […] oder die, die man heute Könige nennt, echte und gründliche Philosophen werden, und wenn dies nicht in eines zusammenfällt: die Macht in der Stadt und die Philosophie […] so wird es mit dem Elend kein Ende haben." Platon wie er leibte und lebte. Die Politeia, ein elitärer Zirkel, eine Welt, in der jeder seine feste, unverrückbare Stellung einnimmt. Platon ins Modische übersetzt: lasst die Gescheiten regieren! - oder: die mit hohem IQ sollen herrschen! Herrschen klingt dabei etwas sehr machtgeil. Herrschen ist gar nicht modisch übersetzt - heute sagt man dazu aufgehübscht regieren oder verwalten. Das klingt gezügelter, klingt nicht nach Herrschaft, auch wenn sie es dennoch ist. Sagen wir es anders, mit den Worten des fiskalisierten Steuerbürgertums: die mit hohem IQ sollen bevorzugt werden!

Wenden wir hierzu das Prinzip der antidemokratischen Wehrhaften, der Kumpanen der Fettensteuer und der Erschwerung der Prozesskostenhilfe, an, so müsste es auf eine steuerliche Mehrbelastung für Personen mit niedrigem IQ hinauslaufen. Dazu braucht es Grenzwerte. Sagen wir, ab IQ 130 oder 135 wird man steuerlich bevorzugt. Das wäre relativ großzügig bemessen, denn der durchschnittliche IQ liegt bei etwa 115 - eine Intelligenzbemessungsgrenze von 130 ist somit immer noch generöser angesetzt, als die Toleranzen bei der Geschwindigkeitsüberwachung im Straßenverkehr. Das ist auch richtig so, denn Intelligenz braucht zuweilen große Toleranzen - und der Intelligente braucht sie gegenüber denen die intelligent tun, es aber nicht sind.

Nur: was besteuern, was verteuern? Lebensmittel für Minder-IQler? Tragen die dann halbamputierte Hirnmassen-Embleme am Revers, damit Edeka und Aldi weiß, dass hier der Mehrwertsteuersatz von 7 und 19 auf 27 und 39 Prozent steigt? Eine Intelligenztransaktionssteuer für alle, deren Aktien in Sachen Klugheit im Baisse liegen? Nein, man sollte ganz einfach bloß die Öffentlichkeit besteuern. Dringt einer mit einem IQ von 110 in ein öffentliches Amt, wird öffentlich wahrgenommen, so soll er eine Abgabe bezahlen. Oder wenn so einer interviewt wird: zahlen! Dringt so einer ins Öffentlich-Rechtliche ein: blechen! RTL könnte als Freihandelszone laufen - dort darf der Minder-IQler ohne Steueraufwand schwallen - die Minderintelligenzquotiensabgabe zum Schutz der Demokratie wird dann jedoch vom Sender getragen. Sonst wäre es ja Steuerhinterziehung.

Die Verteuerung der Öffentlichkeit für Blödiane, sollte der Demokratie nur billig sein. Das ist nur die gängige Wehrhaftigkeit mit den Maßstäben, die man sonst im Sozial- und Arbeitswesen anlegt, um sich vom Pöbel abzuschotten.

Platonische Liebe

Das Konzept ist Theorie. Nicht mal humane Theorie, sondern elitärer Feuchttraum. Das waren die Träumereien um Platons Philosophenkönige immer. Die Theorie hinkt außerdem. Was denn, wenn ein Misanthrop wie Sarrazin einen IQ von 142 hätte? Oder ein Aristokrat wie Westerwelle einen von 139? Oder so ein Scripted Reality-Laienidiot mit 131 gerade noch über die Bemessungsgrenze rutscht? Denen könnte man nicht mal ihre Öffentlichkeit versteuern. Und jemand wie Gysi, der vielleicht nur 129 hätte - das ist nur eine Annahme, eine Hypothese, der Mann hat sicher mehr! -, den würden wir immer weniger öffentlich sehen. Dass Sarrazin und Westerwelle über 130 rumkrebsen ist sicherlich möglich, denn Dummheit hat manchmal einen hohen Intelligenzquotienten. Und Intelligenz hat nichts mit IQ zu tun - der IQ ist eine Möglichkeit, die sich auftut, eine Möglichkeit, die nicht genutzt werden muß. Oder falsch genutzt werden kann. IQ-Intelligente sind manchmal besonders dämlich.

Platons Staat wäre somit dringend mit dem EQ, der emotionalen Intelligenz zu verquicken. Nicht die Philosophen also sollen herrschen, sondern die mildtätigen, die fürsorglichen und verständnisvollen Philosophen - wenn es so was überhaupt gibt. Diejenigen, die eine Philosophie des Miteinanders kennen, die die praktische Intelligenz leben, könnten im Sinne einer wehrhaften Demokratie freien Zugang zur Öffentlichkeit haben, während die emotionalen Krüppel, begutachtet von Psychologen, eine Sonderabgabe leisten müssten, wenn sie vor Kameras drängen. Minder-IQler zu bestrafen wäre ohnehin unfair - niemand kann was für seine cerebrale Verfassung. Gut, Niedrig-EQler sind oft auch unschuldig, sind Produkte eines manchmal traurigen Lebens, böser Eltern und schlechter Lehrer - unschuldig sind Dicke aber häufig auch, und trotzdem würde man sie finanziell schröpfen. Und es sind ja ausgerechnet diese Prekär-EQler, die solche Forderungen stellen - warum also nicht die Geschichte umdrehen und das emotionale Monstrum sanktionieren?

Platonische Hiebe

Natürlich ist das Hirngespinst. Polemik. Ungerecht ist es ohnehin. Und nicht durchdacht, denn selbst jemand mit hohem EQ kann ein Arschloch sein - oder so hohl, dass auch warme Worte nichts mehr retten. Und die Gleichheit aller Menschen wäre aufgehoben. Aber die ist sowieso aufgehoben. Die Öffentlichkeit gehört nicht allen gleich. Und über sie funktioniert die Demokratie - theoretisch ist das jedenfalls so. Die Zeiten im globalen Wettbewerb sind rauh - borstige Typen haben da Konjunktur. Das ist das Einfallstor der emotionalen Blödheit, die in die Öffentlichkeit gerät, dort markige Sprüche abliefert und Schlagzeilen fabriziert. Manchmal intelligent genug, um das ungehobelte Benehmen hinter vornehmen Sprechblasen zu verstecken. Der niedrige EQ belagert die Öffentlichkeit und die Demokratie müsste sich eigentlich schützen, müsste sich wehren.

Die Mechanismen der Zeit sind fiskal ausgerichtet. Man stellt sich vor, dass Menschen nicht mit brachialer Gewalt passend gemacht werden, sondern mit finanziellen Engpässen. Der Fette verschlankt sich vielleicht, wenn er finanziell schlechter da steht - falls nicht, dann hat er wenigstens mehr bezahlt. Der ALG II-Leistungsberechtigte nimmt eventuell falsche Berechnungen in Kauf, wenn er mehr Geld aufwenden muß, um sein Recht zu erlangen. So geht das heute. Gewalt ist out - man steckt unpassende Charaktere nicht mehr in Zuchthäuser oder -lager, man belagert sein zu knappes Geld - und das hat immer zu knapp zu sein. Mit verknappten Bezügen statt mit nicht zu knappen Hieben gestaltet sich staatspolitische Erziehung. Und der Bevorteilte bekommt seine Vorteile nicht direkt und unmittelbar, er erhält sich indirekt, indem er anderen finanziellen Toleranzen unterliegt.

Dieses Prinzip ist krämerisch, scheindemokratisch, weil es so tut, als seien alle gleich. Werden sie doch einfach reich!, ist der dekadente Wahlspruch, gerade so, als hätte jeder die Chance, seinen Reichtum einfach mit etwas Engagement anzugehen. Man sollte die emotionale Idiotie, die uns umgibt, die in wichtige Ämter drängt, finanziell in die Enge treiben. Ein Auftritt bei Jauch kostet dann Emotionsrelevante Öffentlichkeitsabgabe - nicht zu knapp. Und diejenigen, die nicht darunter leiden, die können kostenfrei ins Fernsehen. Wehrhafte Demokratie eben - eigentlich traurig, dass keine besseren Mittel einfallen als solche. So weit ist es gekommen...


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