Araber dramatisch arbeitslos

"Iraker, Afghanen, Pakistani" in roter Alarmschrift über dem Titel - "alarmierend hohe Hartz IV-Quoten bei Ausländern". Das ergeben die letzten verfügbaren Zahlen der BfA - die sind so topaktuell auch nicht mehr, passen aber derzeit geradezu optimal ins Konzept der BILD. Neulich kotzte sich eine Göre über Ausländer- und Arbeitslosenkinder in Kreuzberg aus und nun liefert BILD Zahlenmaterial nach.

Die selbsterfüllende Prophezeiung

Nun gibt es ja zwei Lesarten. Und zwei Lesertypen. Die einen sagen: BILD hatte immer recht, es sind Iraker, Afghanen und das ganze Zeugs, die Araber halt, mit denen kein Staat zu machen ist - die Zahlen belegen es! Oder man sagt: Komisch, dass ausgerechnet Menschen mit arabischen Wurzeln (und solche, die wir für arabische Wurzeln halten) dort ganz oben stehen; es muß doch einen Grund dafür geben! Rauschebartträger im wallenden Gewand, Männer mit dunkler Haut und stierem Blick, Frauen totalverhängt - ausgerechnet die tun sich offenbar schwer damit, einen Arbeitsplatz zu finden. BILD liest man schichtübergreifend - auch Personalchefs lesen sie. Bei Namen die irgendwo ein Ibn oder dergleichen aufweisen, dürfte die Bewerbungsmappe vorschnell auf dem Stapel landen, den man mit einer vorgefertigten Absage belohnt.

Ausgerechnet das gehegte und gepflegte Feindbild ist es, das keinen Arbeitsplatz findet. Der obskure, verschlagene, brutale Araber, den man nicht über dem Weg traut - an dieser Legende hat die Redaktion der BILD kräftig mitgestrickt und nun ereifert sie sich, dass bestimmte ethnische Gruppen relativ erfolglos am Arbeitsmarkt postiert sind. Solche kann man doch nicht einstellen - ich habe es in der BILD gelesen!, könnte als Statement durchaus durchgehen.

k.u.k.-Journalisten unterschlagen Prekärbeschäftigung

Mit der herablassenden Arroganz eines k.u.k.-Beamten schreibt BILD über "Anstiege bei Serben" und "Rückgänge bei Ukrainern" - gut, herrschaftlichen Ton ist man gewohnt. Letztlich auch die Unterschlagung von anderen Zahlen, die man nicht erwähnt. Während seit 2009 bei deutschen Arbeitnehmern ein leichter Rückgang bei geringfügig entlohnter Beschäftigung zu verzeichnen ist, stieg dieselbe bei Ausländern an. Schon vor 2009, als deutsche Arbeitnehmer auch noch vermehrt in Prekärbeschäftigung schlitterten, gerieten ausländische Arbeitnehmer stärker in Prekarisierung als deutsche. Vielleicht ist das ja der statistische Beweis für den Allgemeinplatz, dass Ausländer Dreckarbeit annehmen, wo Deutsche davon Abstand nehmen.

Dies nicht zu erwähnen ist doppelt dreist. Einerseits verbirgt man so, dass Bürger ausländischer Herkunft durchaus auch Arbeit ergreifen, wenn sie mies entlohnt wird und ihre Bedürftigkeit eingrenzen - und andererseits unterschlägt man, dass viele ausländische Hartz IV-Empfänger arbeiten und nebenher mit ALG II aufstocken.

Schlagzeilen mit fadenscheinigen Zahlen

Augenfällig ist dabei, wie lapidar BILD mit Zahlen um sich wirft. Die Zahlen zu den verschiedenen Nationalitäten, die man bietet, entstammen den letzten verfügbaren Daten des Ausländerzentralregisters (31. Dezember 2010). Dort ist tatsächlich nachzulesen, dass es in Deutschland 81.272 irakische Männer und Frauen gibt. Weiter steht dort aber auch, dass 20.978 hier lebende Iraker unter 15 Jahre sind - weitere 1.347 sind älter als 65 Jahre - von den 2.326 Irakern im schwer vermittelbaren Alter zwischen 55 und 65 Jahre, gar nicht erst zu sprechen. Wieviele Menschen irakischer Herkunft in Deutschland erwerbsfähig sind oder nicht, sagt die Statistik nicht aus - immerhin kommen diese Menschen aus einer Gegend, die Diktatur war und nun Kriegs- oder Krisengebiet ist, sodass mit einem erhöhten Indikator an körperlichen und seelischen Gebrechen zu rechnen ist. Dasselbe gilt auch für Afghanen, die auch überproportional arbeitslos sind.

Erwerbsfähige Iraker gibt es nach Abzug der Jungen und der Alten: 58.947. Die von BILD präsentierte Zahl der Hartz IV-Empfänger ist insofern ebenfalls zu überarbeiten. Bedarfsgemeinschaften wären ohnehin aussagekräftiger gewesen - Hartz IV-Bezieher sind aber natürlich reißerischer. Alle 52.075 irakischen Hartz IV-Bezieher beziehen aber gar keinen ALG II-Regelsatz, sondern auch Sozialgeld, weil sie entweder noch nicht oder nicht mehr erwerbsfähig sind.

Die tatsächliche Arbeitslosigkeit dürfte auch mit geklärten Zahlen immer noch sehr hoch sein, wahrscheinlich jedoch nicht so dramatisch wie BILD das malt. Und die Gründe sind sicherlich nicht Faulheit oder Kuschelstunden in der sozialen Hängematte, sondern tatsächlich die erschwerte Vermittlung, an der auch die Presse mitgewirkt hat, indem sie die Muslime kriminalisierte.


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