Neuere Bücher zu Ikkyû (Gastbeitrag)

Für meine Pilgerreise nach Nepal im März dieses Jahres hatte ich mir zwei relativ neue Bücher über Ikkyû Sôjun Zenji zugelegt. Die Werke sollten als Inspiration und spirituelle Untermauerung der Reise dienen, und natürlich um Wartezeiten, beispielsweise auf den Flughäfen, auszufüllen.
Über Ikkyû Zenji hatte ich bereits die in deutscher Sprache vorliegenden Gedicht-Werke gelesen, den Carlsen-Manga Ikkyû, natürlich seinen Auftritt im Taschenbuch Zen Rebellen, Radikale und Reformer, und vieles was man über ihn im deutsch- und englischsprachigen Internet findet. 2009 hatte ich den Kenninji in Kyoto besucht, wo er Novize war, und 2016 konnte ich den Daitokuji und den Shuonan Ikkyuji besichtigen. Natürlich habe ich mir über die Jahre hinweg ein eigenes Bild – eine eigene Fiktion – des Meisters „geschaffen“, aber das passiert wohl immer, irgendwie zwangsläufig, wenn man sich mehr mit Menschen – lebenden oder toten – befasst.
Das erste neue Buch ist Krähenschrei – Die Geschichte von Ikkyu von Reinhard Febel. Es handelt sich um einen Roman über den Meister, welcher 2018 von der Kamphausen Media-Gruppe veröffentlicht wurde und im Taschenbuchformat knapp 475 Seiten umfasst. Dem Autor ging es wohl darum, eine in sich stimmige Lebensgeschichte zu präsentieren, die sich vor allem mit Ikkyûs Gefühls- und Erfahrungswelt beschäftigt.

Das Werk Ikkyû Sôjun – Der Zen-Mönch „Verrückte Wolke“ und seine Zeit ist von dem Russen Evgeny S. Steiner und wurde von Peter Raff übersetzt. Es ist 2018 vom Iudicium Verlag herausgebracht worden, das russische Original wurde 1987 veröffentlicht, aber mehrmals überarbeitet; die deutsche Übersetzung entspricht der erweiterten und überarbeiteten russischen Neuveröffentlichung von 2014. Bei diesem Buch handelt es sich um eine nahezu wissenschaftliche Arbeit über das Leben des Meisters, seine Zeit und seinen Einfluss auf die kulturellen Kernbereiche der japanischen Gesellschaft. Der Autor zieht alle ihm verfügbaren Quellen heran und benennt sie auch, versucht damit, auf 300 Taschenbuchseiten ein möglichst authentisches Bild vom Ganzen zu präsentieren.

Krähenschrei habe ich sprichwörtlich verschlungen. Der Roman ist in sich schlüssig, gut und teilweise auch provokant geschrieben und präsentiert ein authentisches Gesamtbild des Meisters. – So wird es sich natürlich nicht zugetragen haben … aber so könnte es gewesen sein! Durch die Interaktion mit den japanischen Kaisern, Shogunen und seinem Widersacher Yoso herrscht auch ein für einen Roman nötiger Spannungsbogen vor, und alle wichtigen Aspekte in Ikkyûs Leben werden in irgendeiner Form berücksichtigt. Zitate von Gedichten und Szenen über die für Ikkyû so wichtigen Krähen runden das Gesamtbild hervorragend ab. Ein paar Aspekte hätte ich gern näher beleuchtet bekommen, zum Beispiel Ikkyûs leibliche Nachkommen oder Ikkyûs Hinwendung zur Schule des Reinen Landes und das (mutmaßliche) Treffen mit dessen Reformer Rennyo Shonin, aber immerhin werden diese Themen zumindest angeschnitten. [Beim Thema Nenbutsu zu lesen, dass sich der japanische Meister Hônen Shonin auf den Inder Padmasambhava berief, ließ mich etwas den Kopf schütteln, aber ich konnte das nachher getrost unter „künstlerische Freiheit“ verbuchen!] Alles in allem also: Kaufempfehlung nicht nur für Ikkyû-Fans!
Steiners Ikkyû Sôjun kann ich Ikkyû-Fans ebenfalls dringend ans Herz legen! Während meiner Reise durch Nepal diente es mir eher als Nachschlagewerk zum Roman, wenn ich darin gelesene Lebenspassagen in einem wissenschaftlicheren Bild näher beleuchtet haben wollte. Mittlerweile habe ich aber angefangen, es auch von vorne bis zum Ende durchzulesen, und es gefällt mir immer besser (obwohl ich noch nicht ganz durch bin!). Das Werk versucht, Ikkyûs Verhalten und Denken im Kontext der damals gegenwärtigen Situation zu erklären. Es enthält eine Fülle zusätzlicher Informationen, zitiert aus den Gedichten und Schriften des Meisters, aber auch solche Werke, die für den Meister selbst wahrscheinlich von essentieller Bedeutung waren. Manche Aspekte, die in Steiners Ikkyû Sôjun angesprochen werden, gehören mit Sicherheit zu denjenigen Themen, die viele der heutigen Zen-Menschen [vor allem im Westen] lieber unerwähnt und vergessen gewusst hätten [so sie denn überhaupt davon Kenntnis haben!]. Ich denke hier insbesondere an die Verflechtung der feudalistischen Shogun-Herrschaft mit den Zen-Tempeln des Gozan-Systems oder die Sichtweise der „Einheit der Drei Lehren“ [Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus, bzw. Konfuzianismus, Shintoismus und Buddhismus]. Das sind spannende Ein- und Seitenblicke innerhalb von Ikkyûs Lebensgeschichte, die für das Verständnis seiner Lebensumstände bedeutend sind, die aber auch ein anderes Licht auf den japanischen (Zen-)Buddhismus werfen, als heutzutage einige aktuelle Zen-Lehrer und -Autoren die Schüler- und Leserschaft glauben machen wollen. Während man Krähenschrei schon als recht „leichte Kost“ ansehen kann [für Leute unter 16 nicht so ganz geeignet], setzt Ikkyû Sôjun dann doch schon ein bisschen was an Vorwissen voraus und es ist natürlich nicht so leicht verdaulich wie der Roman, auch wenn die Sprache sehr gut verständlich, modern und gut lesbar ist.
Aus meiner Sicht ergänzen sich die beiden Werke wunderbar und sie helfen mir beide dabei, das Bild das ich mir vom Meister gezeichnet habe, zu überdenken, es hier und da anzupassen oder bestätigt zu finden.

Benkei



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