Mein Spiel des Jahres: “Das Testament des Sherlock Holmes”

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Fernseh- und Internetlandschaft wird überflutet mit jeder erdenklichen Art von Jahresrückblicken. Natürlich macht dieser Trend auch nicht vor der Gamergemeinde halt und so muss man sich fragen: Welches war eigentlich mein Spiel des Jahres 2012?

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Anstatt für einen der zahllosen hochauflösenden Shooter oder eine ultra-realistische Sportsimulation habe ich mich für eine kleine Adventure-Perle entschieden. „Das Testament des Sherlock Holmes“ aus dem Hause Koch Media, das bereits zuvor Adaptionen des viktorianischen Meisterdetektivs auf die Bildschirme brachte. Bisher konnte man lediglich auf dem PC kombinieren und knobeln, doch seit dem Vorgänger „Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper“ durften auch Konsolenfreunde durch das London Anfang des 19. Jahrhundert streifen und verschiedene knifflige Fälle lösen.

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Doch worum geht es eigentlich?
London, 1898. Diebstähle, Betrügereien und Hinterlist dominieren die Straßen. Alle Zeichen deuten auf Sherlock Holmes als Täter, das zeigen auch die Ermittlungen der Polizei. Sherlock ist jedoch nicht in der Lage seine Unschuld zu beweisen, was dazu führt, dass sich die Allgemeinheit von dem Meisterdetektiv abwendet. Sogar Watson weiß nicht, ob er seinem langjährigen Kollegen noch trauen kann, da dieser sich immer merkwürdiger verhält. Sherlock ist komplett auf sich allein gestellt und streunt durch die dunklen Nächte Londons auf der Suche nach der Lösung. Im Rahmen der komplexen Story gilt es, Unmengen von Rätseln zu lösen, die Köpfchen und Gerissenheit erfordern.

Direkt zu Beginn fällt die dichte Atmosphäre positiv ins Auge. Die Stimmen der Hauptfiguren und die Gestaltung der Schauplätze sind liebevoll in Szene gesetzt und vermitteln genau das historische Flair, was die Romane von Arthur Conan Doyle auch heute noch lesenswert macht. Neulinge werden langsam an die etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung herangeführt und können gleichzeitig das ikonische Duo Holmes/Watson und ihre Methoden etwas näher kennen lernen.

Während Holmes dem leicht begriffsstutzigen Watson Schritt für Schritt die Lösung eines bereits abgeschlossenen Falls erläutert, wird man mit den Bewegungsmöglichkeiten und dem Interface vertraut gemacht. Man bewegt Holmes entweder in der Egoperspektive oder aus „Third Person“ – Ansicht durch die Schauplätze und kann zwischen beiden Varianten mittels eines Knopfdrucks hin und herschalten. Leuchtet auf dem Bildschirm eine Lupe oder eine Hand auf, kann das jeweilige Objekt genauer betrachtet bzw. eingesteckt/bewegt werden. Oft gibt Holmes dabei einen kurzen Kommentar ab, der dem Spieler bei der späteren Lösung behilflich sein kann. Hat man den Tatort komplett „abgegrast“ und alles Sehenswerte unter die Lupe genommen, entfaltet das Spiel seine wahre Stärke. Die Rätsel sind so abwechslungsreich und knifflig, dass man das sonst so repetive Spielgeschehen gar nicht wahrnimmt. Eigentlich läuft es immer gleich ab: Eine Cutscene – ein neuer Tatort/Schauplatz – Untersuchungen anstellen – Rätsel lösen und weiter geht’s. Eben diese Rätsel erfordern jedoch so viele unterschiedliche Fähigkeiten, dass man sich stellenweise ewig das Hirn zermartern muss, um auf die korrekte Lösung zu kommen.

Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Mal muss man lediglich einem Verdächtigen die richtigen Fragen stellen um die Story voranzutreiben. An anderer Stelle muss man anhand der in einem Raum befindlichen Beweise und Hinweise den Bewegungsablauf der Person rekonstruieren, die zuvor in eben jenem Zimmer saß. Unterbrochen werden diese logischen Schlussfolgerungen von kleinen Puzzle- und Minispielen, welche zusätzliche Abwechslung ins Spielgeschehen bringen. Es gilt: Jede Aufgabe erfordert eine andere Herangehensweise als die vorhergehende. Um bei all den Fakten und Hinweisen nicht den Überblick zu verlieren, greifen die Entwickler dem Spieler gehörig unter die Arme. Zunächst einmal trägt der treue Watson stets ein Notizbuch bei sich, in dem alle wichtigen Daten, Indizien und auch die bisherigen Gesprächsverläufe aufgelistet sind, sodass man nicht ständig aufpassen muss um nicht ein wichtiges Detail zu verpassen. Kommt man an einer Stelle partout nicht weiter, kann man Holmes‘ „sechsten Sinn“ aktivieren, der einem durch kurzes Aufblinken auf dem Bildschirm etwas zeigt, was man bei den vorherigen Untersuchungen übersehen hatte.
Und damit es keine dauerhaften Frustmomente gibt, kann man nach ausreichend Fehlversuchen ein Rätsel auch überspringen.
Besonders viel Spaß macht das Deduzieren, bei dem Holmes anhand einzelner Indizien den kompletten Tathergang logisch ableiten kann. Um diesen komplexen Gedankenspielen überhaupt folgen zu können, bedient sich der Holmes im Spiel erneut Watsons Aufzeichnungen und so kann der Spieler sich an den gefundenen Hinweisen entlang hangeln um die Ereignisse am Tatort möglichst akkurat nachzuempfinden.
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Trotzdem bleibt das Spiel natürlich nicht fehlerlos. Auf der Konsole ist die Steuerung etwas hakelig und man übersieht oft ein kleines Detail, welches dann die komplette Ermittlung lähmt. Außerdem schöpfen die Animationen nicht im Geringsten die Möglichkeiten der Konsole aus und so wirken die Gesichter und Bewegungen trotz Verbesserungen zu den Vorgängern immer noch sehr steif und unecht. Die spannende Geschichte und das tolle Setting wiegen diese Mängel aber weitestgehend auf. Die Momente in denen man frustriert den Controller in die Ecke feuern möchte sind selten, denn das Spiel nimmt einen soweit an die Hand, dass man spätestens nach genauem Nachdenken auf die korrekte Lösung kommen sollte. Ansonsten hilf ein wenig Herumprobieren oder im Notfall einfach die Skip-Funktion.

Ein weiterer Bonus ist die werkgetreue Darstellung der Charaktere und ihrer Eigenheiten. Der neueste Vertreter der Holmes-Reihe wirkt wie eine verschollene Geschichte von Doyle und bietet eine hervorragende Möglichkeit für alle jene, die schon immer in die Haut des legendären Detektivs schlüpfen wollten.

Kein Spiel hat mir in diesem Jahr so viel Spaß gemacht und mich gleichzeitig so gefordert, und als Fan des britischen Gentlemans kann ich nur sagen: „Das Testament des Sherlock Holmes“ ist mein Game des Jahres 2012.

Bildquellen:

(1) http://www.firsturl.de/ct0309b

(2) http://www.firsturl.de/q78Cfm2

(3) http://www.firsturl.de/RH0AQdz


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