Mein Recurvetuning

Vorbemerkung

Wer dieses Tuning nachmachen möchte, sollte die Standardverfahren „Rohschafttest“ (Blankschafttest) und „Rücklauftest“ (Bergertest) bereits einmal durchgeführt haben. Andernfalls fehlt vermutlich das Verständnis für die Methoden und Probleme des Bogentunings. Mir geht es besonders um die weitere Verfeinerung der Bogenabstimmung auf der Grundlage dieser zwei Basismethoden.

Das hier vorgestellte Verfahren habe ich in den Sommersaisons 2010 und 2011 in Etappen durchgeführt und jetzt noch einmal überarbeitet, um es ab der Sommersaison 2012 systematisch anzuwenden. Es basiert auf dem Studium von diversen Veröffentlichungen zum Thema Bogentuning im Internet und in Büchern sowie auf einige Diskussionen im Bogensportforum. Hierbei verweise ich auf meine Linkliste am Ende dieses Artikels.

Ziel des Tunings ist eine möglichst perfekte Abstimmung des Pfeil-Bogen-Schütze-Systems eines Olympischen Recurve für Bogenwettkämpfe im Freien und für das Feldbogenschießen. Dabei sollen die Pfeile von 10 bis 90 m so treffen, dass bei Wettkämpfen auf verschiedene Distanzen beim Distanzwechsel keine horizontale Verstellung des Visiers nötig ist, um sofort  gute Treffer zu erzielen.

Vor- und Nachteile bekannter Verfahren

Rohschafttest – Er dient zur Findung eines Pfeils und zur Basisabstimmung von Pfeil und Bogen. Da er aber nur auf eine oder wenige Distanzen durchgeführt wird, garantiert er nicht die korrekte Abstimmung über alle Entfernungen.

Bergertest – Dieser wird häufig im Anschluss an den Rohschafttest empfohlen. Dabei wird bei entsprechendem Trefferbild die Ein- oder Ausrückung des Buttons empfohlen. Dies kann jedoch dazu führen, dass die Buttoneinstellung in eine Centerstellung des Pfeils führt. Diese gilt es jedoch zu vermeiden – siehe Gabrieltest.

GabrieltestGerhard Gabriel hat in seinem Buch „Pfeilflug wie auf Schienen“ eine Tuningmethode publiziert, die auf einer Kombination aus Rohschaft- und Bergertest basiert. Dabei wird von einer der Centerstellung des Pfeils ausgegangen. Meiner Erfahrung nach und gestützt auf die unten verlinkte intensive Debatte im Bogensportforum meine ich aber, dass die Centerstellung gegenüber der Ausstellung des Pfeils ungünstiger ist. Denn bei der Linksausstellung des Pfeils erhält dieser beim Ablass eine reproduzierbare Primärauslenkung, während sich bei der Centerstellung Lösefehler dahingehend auswirken, dass sich die Primärauslenkung und –biegung des Pfeils in einem statistisch relevanten Maß nicht reproduzierbar verhält. Ich habe dies unter Anwendung der Gabriel-Methode häufiger durch unerklärliche Fehlschüsse bemerken müssen.

Allgemein – Weiterhin weisen selbst die Schäfte eines im Dutzend gelieferten Easton ACE Unterschiede im Spine auf; das gilt im Ganzen und zum Teil auch abhängig von der Nockstellung. Pfeile haben eine „harte“ und eine „weiche“ Seite; hierauf geht keines der Standardverfahren ein. Auf den Rohschafttest bezogen würde dies bedeuten, dass ich ggf. unkontrolliert und zufällig einen Rohschaft für das gesamte Tuning auswähle, der sich im realen Spine deutlich vom Mittelwert des Pfeildutzend unterscheidet. Das darauf folgende Tuning kann dann nur unbrauchbare Ergebnisse erzielen und ich weiß nicht einmal, warum dies so ist. Infolge dieser Überlegung gilt es also, eine möglichst große Anzahl Rohschäfte zum Tuning zu benutzen.

Materialauswahl

Zum Bogentuning gehört auch eine bewusste Materialauswahl. Ich verwende jetzt grundsätzlich Beiter Pinnocks, einen Beiterrest und gewickelte Nockpunkte. Die Pinnocks schützen das Schaftende vor Treffern und der Beiterrest gestattet eine unkomplizierte Feineinstellung der Nockpunkthöhe. Der Nockpunkt wird wie eine sehr kurze Mittenwicklung auf die Mittenwicklung aufgebracht und kann durch Drehen wie mit einer Schraube hoch und runter gestellt werden. Ansonsten gilt alles im Weiteren Beschriebene für jeden Olympischen Recurve. Ich beziehe mich dabei auf meinen Rechtshandbogen; Linkshandschützen müssten entsprechend anders herum vorgehen.

Pfeilauswahl und Rohschafttest

Für ein Tuning wird ein Dutzend oder mehr neuer Pfeile wie bisher verwendet oder es wird ein neuer Pfeilsatz ausgewählt. Dabei soll das verwendete Spitzengewicht im durch den Hersteller empfohlenen Bereich liegen. Der Spinewert und das Spitzengewicht der z.B. anhand der Pfeilauswahltabellen der Hersteller gewählten Pfeile werden mit Rohschafttests auf 10 bis 20 m soweit bestätigt, dass das gewählte Setup grundsätzlich „passt“. Der Font of Center-Wert spielt dabei keine besondere Rolle. Für das Tuning werden mindestens zehn bis zwölf Pfeile benötigt, was der Mindestausstattung für eine Sommersaison entspricht. Es werden aus dem neuen Pfeilsatz erst einmal nur zwei bis drei Pfeile befiedert. Die restlichen Rohschäfte werden gewichtsmäßig wie die befiederten Pfeile anstatt der Federn mit Klebeband umklebt.

Grundeinstellung des Bogens

Wichtig ist, dass der Bogen exakt gerade ist und die gespannte Sehne von hinten betrachtet genau mittig über die Wurfarme und das Mittelteil verläuft. Der Bogen wird also exakt nach dem Center ausrichtet: Bogensehne und Visierkorn liegen von hinten betrachtet in der Bogenmitte. Das Tillermaß wird so eingestellt, dass sich der Monostabilisator beim Auszug minimal hebt/senkt (zumeist ergibt sich ein Wert zwischen 3 bis 6 mm). Die Sehnenstandshöhe wird auf einen üblichen Mittelwert nach Herstellerangabe eingestellt. Der Button wird leicht ausgestellt, d.h. dass die Spitze eines aufgenockten Pfeils von hinten gesehen leicht links neben der Mitte liegt. Der Buttondruck sollte etwa mittelhart sein. Die Pfeilauflage des Beiterrests wird so eingestellt, dass der Pfeilschaft mittig vor dem Buttonstift liegt. – Wichtig: Entgegen mancher Empfehlungen aus dem Bergertest wird die Ausstellung des Buttons nicht mehr verändert. Auf keinen Fall darf der Pfeil genau mittig wie beim Gabrieltest oder gar nach rechts im Bogenfenster stehen.

Optimale Standhöhe

Die befiederten Schäfte werden auf 30 Meter geschossen und das Visier und der Buttondruck so eingestellt, dass das Ziel gut getroffen wird. Dabei verändere ich die Standhöhe und horche auf den Bogen. Die Standhöhe wird auf das „satteste“ (akustisch angenehmste) Schussgeräusch eingestellt (Minimum an Schwingungen).

Verfeinerter Rohschafttest

Nun werden die Rohschäfte auf 10 bis 30m in Gruppe mit den befiederten Schäften gebracht. Dabei werden die Nockpunkthöhe und die Zugkraft solange nachgestellt, bis die unbefiederten Schäfte eine Gruppe um die befiederten Schäfte bilden. Dabei drehe ich die Nocken der unbefiederten Pfeile solange, bis die Gruppierung optimal ist. – Hinweis: Dieses Verfahren ist schrittweise durchzuführen und kann einige Zeit dauern; jeder nächste Schritt hängt von der Bewertung des vorherigen Trefferbildes analog zum Rohschaft-, Berger- oder Gabrieltest ab.

Tillermaß optimieren

Nun kann das optimale Tillermaß ermittelt werden. Das folgende Verfahren berücksichtigt dabei die individuelle Kraftgeometrie im Moment des Ablassen des Pfeils. Dazu wird der Tiller schrittweise um 1 mm verstellt, wobei die obere und die untere Tillerschraube gegensinnig jedes Mal um denselben Winkel gedreht werden. Dies erhält die vorher gefundene Zugkraft. Der Nockpunkt wird mittels Rohschafttest auf 30 m nachgestellt und es werden jeweils mehrere Passen auf eine Entfernung zwischen 30 und 50 m geschossen. Dabei wird der Umfang der Gruppe gemessen, wobei offensichtlich schlecht geschossene Pfeile nicht beachtet werden. Das Tillermaß mit dem geringsten Gruppenumfang wird von nun an beibehalten.

Fixierung des Nockpunkts

Nun kann ich den Wickelnockpunkt mit einem kleinen Tropfen Superkleber fixieren und einen unteren Nockpunkt wickeln. Anschließend wird die Feineinstellung auf 40 oder 50 m wiederholt. Dabei wird die Zugkrafteinstellung noch verfeinert und ggf. leichte Anpassungen der Nockpunkthöhe mit dem Beiterrest vorgenommen. Die Rohschäfte sollten nun auf alle Entfernungen  bis 50 m mit den befiederten Pfeilen gruppieren.

Abschließende Pfeilabstimmung

Jetzt markiere ich die Nockstellung mit einem Lackstift, belasse zwei zentral liegende Rohschäfte so wie sie sind und befiedere die restlichen acht Pfeile. Mit den nun befiederten zehn Pfeilen wird noch einmal die Härte des Button mittels Rücklauftests nach Berger überprüft (mehrere Durchläufe 20-40 m) und ggf. nachgestellt. Damit habe ich die optimale Einstellung für Feldbogenturniere.

Anschließend führe ich noch Gruppierungstest durch (Pfeiltrefferstatistik). Dabei kann ich die zwei zuerst befiederten Pfeile noch optimieren (durch Nockdrehung jeweils 120°). Insgesamt ermittele ich hiermit die am besten gruppierenden Pfeile. Anschließend oder vor wichtigen Wettkämpfen schieße ich ggf. noch eine optimierte Spezialeinstellung des Buttondrucks für die 70-Meter-Wettkampfentfernung aus. Alle gefundenen Werte werden notiert bzw. markiert.

Nun können die Entfernungsmarken des Visiers für alle wichtigen Entfernungen ermittelt und daraus ggf. eine Visierkennlinie zum Aufkleben auf das Visier erstellt werden.

Linkliste


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