Marie Lu: Legend - Fallender Himmel

Rezi: Legend - Fallender Himmel

AutorIn: Marie Lu
Titel: Legend - Fallender Himmel
Band: Erster Teil einer Trilogie
Verlag: Löwe
Genre: Fantasy, Dystopie
ISBN: 978-3-7855-7394-5
Erscheinungsjahr: Sept. 2012
Seitenanzahl: 364Altersempehlung: ab 14 Jahren
Kaufpreis: 17,95€
Krümelanzahl: 5
Erster Satz:
Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.
Inhalt:
Der Staat hat die Gewalt inne und herrscht mehr oder minder brutal über die Bürger. Um den Krieg gegen die äußeren und widerständlerischen Kolonnien zu gewinnen, braucht es jeden schlauen Kopf. Wer dafür geeignet ist, im Kampf an der Seite des Heeres zu stehen wird bei dem 'großen Test' mit 12 Jahren ermittelt. Bei einer hohen Punktzahl ist den Jugendlichen ein bezahltes Studium und anschließender Beruf als hohes Tier gesichert. June ist das Mädchen, das als einzige in Rekordzeit die volle Punktzahl erreicht hat. Mit drei übersprungenen Klassenstufen und einem harten Kampfstil gilt sie als die klügste und zugleich gefürchteste Kämpferin des Staates...Je schlechter man abschneidet, desto weniger Möglichkeiten werden einem eröffnet und desto mehr bekommt man verwehrt. Man ist es nicht wert, vom Staat unterstützt zu werden. Day sollte nach seinem vermasselten Test nicht nur in ein Arbeitslager verfrachtet, sondern eigentlich gleich eliminiert werden. Doch er schaffte es zu überleben und versucht nun - im Untergrund lebend - seiner arme Familie zu retten, die wie viele andere im Lande von der Seuche befallen wurden. Bei einem Einbruch kommt ein junger Offizier zu Tode .. Day muss fliehen und June nimmt die Verfolgung auf. Bis sie sich begegnen, ohne voneinander zu ahnen, wen sie da eigentlich vor sich haben.
Meine Meinung:
Aufgrund des großen Hypes um dieses Buch hatte ich mich nie für die Geschichte interessiert. Ich wollte es gar nicht erst zu lassen, dass der Roman großes Aufruhr in mir erzeugte. Doch dann hatte ich das Buch auf einmal da ... und es wollte gelesen werden .. es musste. Und nachdem ich die ersten Seiten praktisch inhaliert hatte, konnte ich nicht mehr anders. Ich war gefangen im Bann dieser spannenden, schnörkellosen Geschichte.
Sie gleitet geräuschlos dahin und hinterlässt doch nach dem Lesen jeder Zeile ein leises Flüstern im Kopf, ein Nachwirken der Gedanken.

Ich fühlte mich so verbunden mit den zwei Helden Day und June, dass ich nicht von ihnen lassen konnte. Beider Gefühle und Wertvorstellungen konnte ich genau nachvollziehen und verstehen, so verschieden sie waren. Ich glaube, wenn die Leser mit den Protagonisten eins werden, mit ihnen fühlen und handeln und selbst nicht anders entscheiden würden, dann macht dies den Roman erst wirklich aus. Dabei kommen die beiden so ehrlich und selbstlos rüber, egal in welcher Position des Machtgefüges sie nun stehen. Sowohl der verfolgte Straßenjunge Day also auch die reiche June bei der Militär glauben an das Gute im Menschen und versuchen nur zum Besten ihrer Liebsten vor zugehen. Abwechselnd betrachtet man die verseuchte Welt aus ihren Augen und leidet unter dem, was ihre Augen zu fassen bekommen. Die Sektoren sind von den Viren und Infektionen verpestet und die Hauptstädte von dem Hass und der Gier der Politiker. Das Land wird nicht in Reich und Arm unterteitl, vielmehr vollzieht sich der Schnitt an der Kante der Intelligenz: Klugen und Dummen werden ihre zukünftigen Lebensstandart vorgesetzt, ohne was daran ändern zu können.

Daraus resultierend leben die Dummen am Rande der Armut und die selbst ernannten Klugen gönnen sich ein Fest des Lebens. Während der Lektüre wurde ich den Verdacht nicht los, dass selbst solch eine Klassentrennung sinnfrei sei - und das, obwohl wir doch unter genau diesen (nur entschärften) Bedingungen leben. Schon in der Grundschule beginnt die Einteilung in Haupt- und Realschule sowie Gymnasium. Freundschaften werden dabei zerstört, nur um neue herzustellen. Letztere sind jedoch darauf bedacht, sich nur genauso intellektuellen Kindern anzunähern.Je mehr ich mir dieser Parallelen bewusst wurde, umso erzürnter wurde ich über das ungerechte System und desto anziehender wirkte das Buch auf mich.

Seite 145
>> Die Blumen sind ein Beweis für mich selbst, dass ich noch am Leben bin. Und noch immer über meine Familie wache. <<


Während sich unsere beiden Hauptcharaktere mehr um ihre Familie als sich selbst sorgen, kommen sie sich immer näher. Wäre "Legend" meine Geschichte gewesen, ich hätte sie nicht anders geschrieben. Meine Bitten wurden erhöhrt und so trug sich die Handlung genau so zu, wie ich es mir gewünscht hatte. Zwar nahm mir mein Vorsehen etwas die Show, aber grandioserweise blieb die Spannung dennoch bis aufs letzte erhalten. Vielleicht steigerte ich mich auch gerade durch meine eigenen Ideen und Vorstellungen, wie es weiter gehen möge, immer mehr da hinein. Gerade weil ich meine eigenen Ahnungen hatte, musste ich wissen, wie Lu das Problem lösen würde.
Neben den bereits bekannten Elementen wie Verrat und Vergebung wird hier ein viel größeres und erschütternderes Geheimnis aufgedeckt, das keiner für möglich hielt. Etwa so wie zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, währenddessen niemand was von den Konzentrationslagern und Foltermethoden in den Psychiatrien wissen wollte.

Zwar ist die Enthüllung dessen nicht der Hauptkern des Handlungsstranges, jedoch ist es ein wesentliches Fragment für die Weiterführung des Roten Fadens. Ich bin gespannt, ob das Thema im zweiten Band wieder aufgegriffen wird und wie es damit weiter geht.Abgesehen von den ganzen inhaltlichen Highlights wartet Marie Lu auch noch mit ihren Fähigkeiten im Ausdruck auf. Man könnte meinen, sie habe die Geschichte erzählt bekommen und sie daraufhin einfach locker leicht aus der Feder aufs Papier geschüttelt. Weder logische Ungereimtheiten noch überflüssige Beschreibungen können den Lesefluss bremsen, da sie im Text nicht auftauchen. Nicht ein einziges Mal ertappte ich mich dabei, eine Szene im Geiste umzuschreiben, weil sie meiner Meinung nach so oder anders rum besser gepasst und sich besser gelesen hätte. Ohne solche Unbequemlichkeiten konnte ich mich in die Erzählungen fallen lassen und tauchte voll und ganz in die zwar unkomplizierte Schreibe, aber doch sehr komlizierte Welt von June und Day ein. (Die Reihenfolge June und Day klingt in meinen Ohren übrigens besser als Day und June ..)Während ich dem Geschreibe der Autorin und dem Gewerke der Figuren folge, hebe ich immer wieder mal wunderschöne Zitate vom Boden auf. Geistreich und lakonisch weiß die Autorin wichtige Botschaften zu verpacken. Und so schwenkt trotz des jugendlichen Hauptthemas etwas Ernsthaftes und Erwachsenes mit.

Seite 363
>> "Warum Day?" -  "Jeder Tag bedeutet vierundzwanzig neu Stunden. Jeder Tag bedeutet, dass alles möglich ist. Man lebt den Moment oder man stirbt darin, aber man lebt sein Leben einen Tag nach dem anderen." <<

"Legend - Fallender Himmel" hat es geschafft mich zu überzeugen. Unterteilt in zwei Hälften widmet sich der Jugendroman zum einen den verfeindeten Fäden des Landes sowie dem Mut und der jugendlichen Liebe, die über die Gesetze hinweg zu einander halten und sich nicht verraten. Ich bin begeistert und würde am liebsten bereits den zweiten Band in Händen halten, während mir einfällt, das noch nicht einmal dieses Buch hier veröffentlich ist. Der Erscheinungstag liegt im September und ich wünsche allen Lesern ein prickelndes und umwerfendes Leseereignis, so wie ich es genießen konnte! 
Mein Fazit:
Ich bin total positiv überwältigt von diesem abenteuerlichen und gesellschaftskritischen Jugendroman, der ganz ohne phantastische Elemente auskommt und so durch seine Realitätsnähe besticht ♥ Die Geschichte hat sehr überzeugend mein Herz erobert, obwohl ich anfänglich geschworen hatte, mich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren. Daher volle ~ 5 Krümel ~
Jimmy


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