Mambo Nr. 1: Der Hinweg

Ich muss mit Mittlerem nach GrößereStadtirgendwodahinten. Größtes habe ich bei Herrn L. gelassen, aber weil es dem nicht so gut geht – ich meine Herrn L. und nicht Größtes – habe ich auch das Kleinste eingepackt.
Der Zeitpuffer bis zum Termin ist prall gefüllt und in einem Anflug von Hochintelligenz packe ich den Kinderbuggy ein, in den das Kleinste eigentlich schon seit ein paar Kilos nicht mehr rein darf, aber mal ehrlich: meinen Rücken fragt auch keiner.
Das Wetter ist angenehm kühl, lange Hosen und T-Shirts sind angesagt und los geht`s!

Wir fahren eine Weile brav nach Navi und Menschenverstand – Letzteres ist besonders wichtig, wenn man nicht auf einer Treppe parken, in einem See landen uÄ möchte – als sich etwas ändert. Da draußen. Nein, es tauchen keine Langoliers auf. Aber die Luft wird zunehmens dicker, die Luftfeuchtigkeit steigt, es wird stickig und stickiger. Anscheinend habe ich soeben eine wettertechnische Linie überschritten, habe nicht nur eine Kreisgrenze, sondern auch eine meteorologische Klimazonenmauer überfahren. Denn mit einem Schlag ist die wunderbare Kühle einer dumpfen, fiesen, schwülen Hitze gewichen, die mir den Schweiß aus den Poren treibt. Binnen weniger Minuten klebt mir die Jeans zentnerschwer an den Beinen, unter Pferdeschwanz und Pony läuft es tröpfchenweise herunter und ich kann bereits den Fleck spüren, der sich in meinem Rücken abzeichnet. EKELIG!

Ich bin frisch geduscht losgefahren, jetzt fühle ich mich ekelig und klebrig. Die Frontscheibe beschlägt trotz offener Fenster. Der Fahrtwind ist gleich null, denn just in diesem Moment befinden wir uns in Anfahrt auf GrößereStadtirgendwodahinten und das ist gleichbedeutend mit dem berühmten stockenden Verkehr.

Die Kinder fangen an zu nölen und zu quengeln: Die mitgenommenen Flaschen (und ich war noch so stolz darauf, dran gedacht zu haben!) sind längst leergesüppelt und die böse Mama hat doch glatt vergessen, 2 Extraflaschen einzupacken!
Dass ich auch fürchterlichen Durst bekommen und GARNICHTS zum trinken habe ist kein Argument, dass ein Kind in dem Alter überzeugt. Das andere übrigens auch nicht.

Mein Kopf pochert und wummert, mein blöder Körper schwitzt das restliche Wasser meines Körpers ungehindert aus, so dass es hinten klebt und suppt und ekelt und vorne hechelt. Durst!
Bei der ersten Tankstelle, die ich sehe, knicke ich ein. Die befindet sich in der Stadt auf der linken Seite. Es ist Wochentag und es dürften um die 100 Millionen Geschäfte aufhaben, aber hier und jetzt und inmitten des sich zum Stau verdickten Verkehrs sehe ich nur einen Ausweg: TANKSTELLE!!!!

Und nein, ich bin nicht so blöd, nur etwas für mich zu kaufen. Allerdings ist die böse Mami dann doch wieder ganz ganz blöd, weil sie doch tatsächlich 1 (!) Flasche für 2 (!) Kinder gekauft hat.
Egal.
Ich schlage eine Autotür zwischen mich und das Gezanke, setze meine Flasche an und genieße das kühle und vor Allem NASSE Nass. Kurz überwiegt die Euphorie und ich bin einfach nur glücklich, leiste jeden Schwur, nie zuvor etwas Köstlicheres als dieses herrliche, süße, sprudelnde Mineralwasser von der Tankstelle getrunken zu haben.
Dann ist der Durst gesättig und ich mutiere wieder zum normalen, modernen Menschen: Scheiß-überteuerte Preise da, alles Halsabschneider und Verbrecher!

Wieder im Auto tränke ich die Kinder abwechselnd solange, bis das Geplärre in den unteren Dezibelbereich verwummert und mache mich dann wieder daran, meine Navifährte aufzunehmen. Pech nur, dass ich dafür wieder nach Links abbiegen muss …

Dumdidadi ….

Alter, was ist mit der Ampel los??? Ist die kaputt oder was?

Grün!

Hallo? Alter da vor mir, fährst Du jetzt mal oder was, GRÜNER WIRD ES NICHT!

Ja, und jetzt – Rot.

Boah, ich krieg hier gleich die Krise!

Es. Ist. Warm. Ich klebe, ich rieche!!!!!!

Und von schräg vorn-gegenüber grinst mich eine Tankstelle auf der RECHTEN Seite an. War ja klar.

Ich will nach Hause.

Mittleres hat Hunger, also hat Kleinstes auch Hunger. Böse Mami hat keine Kekse eingepackt, tss.

Endlich geht es weiter! Obwohl wir keine halbe Stunde von zu Hause entfernt sind, habe ich schon jetzt keine Lust mehr. Ich will nach Hause, will duschen, will Eis, will Sofa.
Es nützt nix, da müssenwa jetzt durch, wa?
Also schnell weiterfahren, parken, rein zum Wunderzauberdoktor, wieder raus und ab nach Hause, ja?

Nein. Aber sowas von nein.

Fortsetzung folgt.


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