La Palomita de Poy – Aldo Pedro Poy und das größte Tor aller Zeiten

Dass der Fußball Geschichten wie kein anderer zu schreiben vermag, gilt als eine dieser scheinbar unverrückbaren Wahrheiten (und Allgemeinplätze), die zugleich Kern, Mythos und die weltweite Faszination des Spiels ausmachen. Und fast nirgendwo auf der Welt wird das Spiel mit solcher Leidenschaft verehrt wie in Südamerika, genauer gesagt in Argentinien. Und genau um eine solche Geschichte geht es im Beitrag zum heutigen 19. Dezember auf den kuriosen Feiertagen, der von einem spielentscheidenden Tor per Flugkopfball aus dem Jahre 1971, seinem Schützen Aldo Pedro Poy (* 14. September 1945 in Rosario) und einem bizarren Kult, der in den folgenden Jahren eben jenes Tor immer am 19. Dezember wiederholen lässt. Dabei wird La Palomita (dt. die kleine Taube), so wird dieser Treffer in Argentinien genannt, von niemand geringerem als dem Torschützen selbst wiederholt und, darf man diversen Presseartikeln und den Aussagen Aldo Pedro Poys Glauben schenken, hat er bisher jedes Mal auch getroffen. Grund genug dem größten Tor aller Zeiten hier auf den kuriosen Feiertagen auf den Grund zu gehen und seine Geschichte zu erzählen.

Kuriose Feiertage - 19. Dezember - La Palomita de Poy - Poy_diving_head_1971 - [Public domain], via Wikimedia Commons

Das Halbfinale Rosario Central vs. CA Newell’s Old Boys

Ihren Anfang nimmt die Geschichte von La Palomita am 19. Dezember 1971, einem Sonntagnachmittag, an dem im Estadio Monumental – Spielstätte von River Plate -, die beiden Teams Rosario Central und CA Newell’s Old Boys im Halbfinale um die argentinische Meisterschaft, der Torneo Nacional der Primera División, aufeinandertrafen. Die Brisanz der Partie ergab sich allerdings nicht nur aus der sportlichen Bedeutung, sondern auch aus dem Umstand, dass beide Mannschaften aus Rosario, der mit 1,3 Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt des Landes, stammen und erstmals überhaupt in einem Spiel einer KO-Runde gegeneinander antraten. Für Außenstehende sollte auch noch erwähnt werden, dass Rosario wohl die einzige Stadt Argentiniens ist, in der es keine Fans der beiden großen Hauptstadtklubs River Plate und Bocca Juniors gibt und man entweder Anhänger von Rosario Central oder eben den CA Newell’s Old Boys ist. Insofern war in diesem echten Lokalderby für jede Menge Zündstoff gesorgt. Entschieden wurde das Match schließlich durch das oben erwähnte Tor Poys, der in der zweiten Halbzeit des Spiels eine Flanke von der rechten Seite wuchtig per Flugkopfball in die Maschen versenkte und somit den 1:0 Siegtreffer für Rosario Central erzielte. Gut für Aldo Poy, aber vor allem auch gut für sein Team, welches das spätere Finale mit 2:1 gegen CA San Lorenzo de Almagro gewinnen konnte. Die kleine Taube war also einer der Türöffner für die erste Meisterschaft von Rosario Central und damit hatte Aldo Pedro Poy seinen Platz in der Vereinsgeschichte sicher.

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Organisation Canalla Anti Leprosa und der Kult um La Palomita

Soweit wäre die Geschichte eigentlich erzählt, wenn da nicht noch der seltsam anmutende Kult um dieses Tor und seine jährliche Wiederholung aufgetaucht wäre. So berichtet Poy, der in Folge des Titelgewinns unter anderem auch die brasilianische Nationalmannschaft berufen wurde und am WM-Turnier 1974 in Deutschland teilnahm, dass man ihn ca. zwei Monate nach dem Spiel gegen den Erzrivalen gebeten habe, dass Tor vor einer Bar in Rosario nachzustellen. Dem sei er natürlich gerne nachgekommen. Etwas verwundert sei er allerdings gewesen, dass dieselben Leute ihn auch zum Jahrestag am 19.Dezember 1972 angerufen hätten. Seitdem wird das Tor an unterschiedlichen Orten und Zeiten, aber immer am 19. Dezember jedes Jahr wiederholt. Initiator dieser kultischen Verehrung ist in erster Linie die etwas mysteriös anmutende Organisation OCAL, die allerdings schon Jahre vor besagtem Dezembertag im Jahr 1971 gegründet wurde. Die Organisation Canalla Anti Leprosa, so der vollständige Name, weist starke strukturelle Ähnlichkeiten zu Geheimgesellschaften und Logen auf (exemplarisch hier der Verweis auf die Freimaurerlogen usw.) und sucht in der Welt des Fußballs absolut ihresgleichen.

Ein Wort noch zum Namen: Canallas bedeutet im Deutschen soviel wie Dreckskerle und gilt als Eigenbezeichnung der Fans von Rosario Central. Demgegenüber bezeichnet der Zusatz Anti Leprosa (dt. in etwa: die Leprakranken) wenig schmeichelhaft die Gegnerschaft zu Fans des verhassten Erzrivalen CA Newell’s Old Boys. Ziel der OCAL ist es, möglichst viele Menschen von der Größe Rosario Centrals zu überzeugen und für den Verein zu gewinnen. Angeführt wird OCAL vom sogenannten Großen Lama, dem verschiedene Minister untergeben sind, die sich um die die einzelnen Bereiche der Missionsarbeit kümmern (Nachwuchsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Quellenforschung usw.). Besonders skurril erscheinen zwei Abteilungen: Zum einen das Ministerium für Kriegsführung, dessen Aufgabe in nichts anderem besteht, als die Biographien aktueller Spieler von CA Newell’s Old Boys darauf zu überprüfen, ob sie Fans von Rosario Central sind bzw. waren. Zum anderen das Ministerium für Gentechnik, dessen Ziel und Aufgabe es ist, eines Tages einen Klon von Aldo Pedro Poy zu schaffen, um nach dessen Ableben die Tradition der jährlichen Feier der La Palomita fortführen zu können. Von dem, was man hört, wird dieses Ministerium von einem führenden argentinischen Genforscher geleitet, der an einer renommierten Hochschule in den USA lehrt. Dies mag auch als Indikator dafür gelten, dass die OCAL sich zu großen Teilen aus gebildeten bzw. einflussreichen Leuten rekrutiert, die alles andere als stumpfe Fanatiker sind.

La Palomita – ein Tor geht rund um die Welt

Insofern verkörpert der Kult um La Palomita und Aldo Pedro Poy nur einen Bruchteil dieser Missionsarbeit, ist aber sicherlich als eine der öffentlichkeitswirksamsten Maßnahmen. OCAL hat dazu ein vereinseigenes Museum, welches sich – natürlich – an einem geheimen Ort befindet und nur Mitgliedern der Organisation zugänglich ist, eingerichtet und dort über die Jahre einige recht verstörende Exponate rund um den 19. Dezember 1971 gesammelt. Beispiele gefällig? Neben zahlreichen Trikots von Poy und dem originalen Spielball des Halbfinales von 1971, finden sich hier u.a. auch in Alkohol konservierter menschlicher Blinddarm, der Poys damaligen Gegenspieler, Ricardo Di Renzo, gehörte. Als dieser entfernt werden musste, stifteten die Chirurgen das Organ – nach erfolgreicher Operation – der OCAL. Und zwar mit dem Hinweis, dass dies der Blindarm sei, der Poy am 19. Dezember 1971 bei seiner Palomita mit 20 Zentimetern am nächsten gewesen ist. Dies aber nur als kleine Randnotiz, deren Wahrheitsgehalt sich auch nicht 100%ig nachverfolgen lässt.

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Etwas einfacher sieht es hier mit dem öffentlichen Abfeiern des Tores selbst aus. Seit 1995 bemüht sich OCAL um den Eintrag des Tores in das Guiness Buch der Rekorde. Immerhin wird dieser Treffer 2013 bereits zum 42. Mal wiederholt und entsprechend scheut man sich auch nicht, Poy dazu in andere Länder zu schicken. So wurde La Palomita bereits in Chile, Kuba, Spanien und Uruguay wiederholt. Und natürlich hat er jedes Mal wieder mit dem Flugkopfball getroffen. Poy selbst genießt in Rosario immer noch eine unglaubliche Popularität. So verwundert es auch nicht, dass sein Gesicht dort auf vielen Mauern und Häuserwänden abgebildet ist und er, der seine gesamte Karriere bei Rosario Central absolvierte und in 311 Spielen 64 Tore für den Verein erzielte, inzwischen als Lokalpolitiker aktiv ist. Inwieweit OCAL ihm dabei behilflich ist bzw. war, lässt sich an dieser Stelle nicht nachvollziehen, erscheint aber angesichts des Gesagten nicht ganz unwahrscheinlich. Wie dem auch sei, möge der gute Aldo Pedro Poy noch viele Jahre seine Palomita wiederholen und hoffentlich jedes Jahr treffen. ;-)

Weitere Informationen zu La Palomita de Poy


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