"Killer Joe" [USA 2011]


Abgeladen wird die tote Frau im Kofferraum auf einem Parkplatz wie ein Stück Fleisch. Kippe raus, Feuerzeug, Benzinspur, zündbereit. Die tote Frau, Mutter, gegrillt wird sie nahe eines Fresslokals. "BBQ" im Titel. Explosion. Job erledigt. Das sind William Friedkins Zynismen und Sadismen, beißend und irgendwie auch ekelhaft lustig. "Bug" war schrankenlose Ekstase, "Killer Joe" ist methodische Psychose, und doch gleichen sich beide Filme. Ihr auf wenige Lokalitäten proportionierter Erzählrahmen ist durchgeplant, das Weltbild fundamentalistisch, die Körper zu appetitanregend. "Killer Joe" spielt in einer furchtbaren Dimension jenseits der unseren und ist doch zu nah, um nicht vom Wahnsinn gepackt zu werden, aus dem dieser Film, eine herzensdumme, nach unzensiertem Fleisch lechzende, verruchte Exploitation-Satire, mitgerissen wird. Friedkin interessiert sich gewöhnlich für die soziopathischen Geschwüre einer zweiseitigen Ethik, deren Bewahrer ihre nichtmenschlichen Triebe mit der (Polizei-)Marke der Autorität überdecken. Hier fällt Matthew McConaughey diese Rolle zu: Taktvoll steigt er aus dem Wagen. Trunken vor brutaler Leidenschaft, quält er in einer genießerischen Engelsgeduld. "Killer Joe" schließlich studiert seine Klienten, wie sie, abstoßende Deppen, durch Habgier tot aufeinander gestapelt werden. Dass Geld verdirbt, verpackt Friedkin in ein elliptisch erzähltes Delirium, dessen Kraft aus der Vorhersage des Anschlags resultiert: Donner, Straßengrabenkreuze, Hühnerkeulen. Verlaufende Schminkstreifen, Tränen, Blut.
6 | 10

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