Ivans schlechteste Angewohnheit

Also, wie versprochen reiche ich noch die Geschichte nach, wie Ivan seine Gipspfoten wieder losgeworden ist. Ich muss eins vorwegschicken: Ivan hat eine ganz schlechte Angewohnheit. Wenn ihn irgendwas stresst, kotzt er. Im Ernst. Seine Wärmflasche kommt mit drei Minuten Verspätung: Ivan kotzt auf die Couch. Ich schließe die Schlafzimmertür, damit er endlich lernt, in einem anderen Zimmer zu schlafen: Ivan kotzt vor die Tür. Ich versuche, ihn von meinem Pullover zu entfernen: Ivan kotzt den Pullover voll. Es ist anstrengend.

Gestern also hatten wir den Termin zur Gipsabnahme. Ich wies Ivan an, sich in die Transportbox zu setzten. Er weigerte sich. Ich schob ihn einfach hinein, er kotzte sie voll. Also holte ich ich wieder raus, und musste schon wieder die Wärmflaschen-Nummer machen. Okay. Ich trug ihn also zur U-Bahn, aber Ivan ist ja nicht blöd, er kriegte natürlich mit, dass es in Richtung Tierarzt ging. Ich merkte schon, wie er in der U-Bahn zunehmend nervös wurde. Ich musste mich also hinsetzen, um ihn irgendwie zu beruhigen. Der einzige freie Platz befand sich jedoch in der Mitte einer Dreier-Reihe. Rechts neben mir saß ein versoffener Alki (Ivan drehte sich da natürlich gleich Nase rümpfend weg), links saß eine ältere Dame im Pelz. Hier rümpfte sie die Nase, als sie Ivan sah, der auf der Wärmflasche auf meinem Schoß saß, und schon leicht hyperventilierte.
“Muss das sein?” fragte sie mich.
“Muss was sein?” gab ich unschuldig zurück.
“Diese Kreatur! In der U-Bahn! Hier sind auch Leute mit Allergien, wissen Sie?”
Ich sah sie entgeistert an. “Tatsächlich? Allergien? Und sie kenne die alle persönlich?”
Sie funkelte mich wütend an und drehte sich demonstrativ zur Seite. Dabei schwenkte sie ihre Handtasche und streifte Ivan damit am Rücken. Das war natürlich zu viel für den eh schon angeschlagenen Ivan. Er tat, was zu erwarten war. Er kotzte. Aber er kotzte nicht irgendwo hin, sondern der Dame auf den Pelz. Ich freute mich diebisch. Die Dame schrie auf und versuchte, nach Ivan zu schlagen. Glücklicherweise waren mir mittlerweile bei der Station angelangt, an der Dr. Doolitle wohnte, so konnte ich Ivan greifen und schnell in Richtung Tür rennen. Das war natürlich besonders stressig für Ivan, und so hielt ich ihn ein wenig von mir weg, als er den Weg zur Tür vollkotzte.

Was dann beim Tierarzt abging, muss ich ja wohl nicht weiter erwähnen, oder?