Ich verschenke keine Zeit mehr

Ich verschenke keine Zeit mehr

Es passierte letzten Sommer, soweit ich mich erinnern kann. Da die Autobahn einem verstopften Abfluss einer Toilette ähnlich sah, dachte ich mir, ich gönne mir eine kurze Pause auf einem Rasthof. Den Gedanken etwas in einem der überteuerten Restaurants zu essen gab ich schnell auf. Ich hasse diese Lokale, in denen für Haufen Scheiße auf dem Teller 12,90 EUR verlangt werden. Aber eine Tankstelle zu besuchen, etwas zu knabbern mitnehmen und vielleicht eine Zeitung…diese Idee schien mir recht sympathisch. Als ich wieder im Auto saß hatte ich eine Tüte Irgendetwas, das nach Schokolade schmeckte, 2 Riegel und eine Zeitung. Eine genüsslichen Entspannung an der Autobahn stand nicht mehr im Wege da fiel mir plötzlich ein Reisebus auf. Ein riesiger Klotz auf Rädern hielt neben meinem Auto, nahm mir die ganze Sonne und als die Tür laut zischend aufging wurde es voll um mich herum. Eine bunte Menschenmasse ergoss sich über den Parkplatz und fühlte ihn mit lautem Geschrei und wilden Bewegungen. Ich legte die Zeitung auf den Beifahrersitz, schaute mir die Jugendlichen an und wurde nachdenklich. Wie alt konnten sie alle gewesen sein? 15, na höchsten 16 Jahre alt und als ich sie dort tummelnd sah wurde mir plötzlich klar, dass ich selbst zwar noch nicht alt bin jedoch meine Kindheit schon so weit entfernt ist, dass eine neue Generation die nach meiner Führerscheinprüfung (mit 18) geboren wurde selbst bereits an der Schwelle zum Erwachsen sein steht! Wahnsinn. Ich ging den jungen Menschen mit gutem Beispiel voran, zündete mir eine Zigarette an und versuchte das Gedankenkarussell im meinem Kopf unter Kontrolle zu bringen. Verdammt noch mal…wie kann es sein, dass die Zeit auf ein Mal so beschleunigt? Als ich unter 20 war, war ich davon überzeugt unsterblich zu sein. Wer dachte da an das Alter oder an die Tatsache, dass jeder Tag der letzte sein kann? Also ich dachte wenig daran. Die Welt schien ein riesiger Spielplatz zu sein und die Sorgen überschaubar. Man hatte zwar eigene Problemchen, manchmal ziemlich große, jedoch aus heutiger Sicht betrachtet waren sie so unbedeutsam, dass ich jetzt kopfschüttelnd grinsen musst wenn ich auf diese Zeit zurück blicke. Plötzlich wurde ich traurig. Mir wurde deutlich wie viel meiner kostbaren Lebenszeit ich in darauf folgenden Jahren für Schwachsinn verplempert habe wie das Träumen. Große Liebe, die EINE Frau, ein Haus mit sauberen Gardinen und bunten, warmen Kissen, vielleicht Kinder. Was? Ich Idiot! Ich rannte jahrelang einem Phantom hinterher, verlor dafür aus eigener Dummheit eine Dekade um am Ende vor einem Scherbenhaufen zu stehen. Nein, ich werde nie mehr träumen. Ich werde realistische Ziele haben, sie verfolgen und bei etwas Glück auch erreichen aber keine Kraft der Welt wird mich dazu bewegen jemals wieder zu träumen! Träume kosten Tränen und vor allem Zeit und mehr habe ich nicht zu verschenken!

Übrigens. An dem Tag erhellten sich meine Gedanken doch noch unerwartet. Ich stellte fest, ich bin noch gar nicht alt und habe alle Zeit der Welt um alles zu erreichen worauf ich Lust habe. Alt werde ich erst wenn ich das erste Mal einen Bushido Song bei einem lokalen Oldiesender höre oder auf den Gedanken komme mich mit Klamotten von Jack Wolfskin auszustatten. Bis dahin dauert es noch etwas, davon bin ich felsenfest überzeugt!


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