Ich bin doch nicht krank – Brandmarke Psychische Störung

Ich bin die mit den vielen Gesichtern. Ich lächele dich an, innerlich schreie ich. Ich weine, ich weiß nichtmal warum. Ich bin gebrandmarkt. Ich bin eine Mutter mit psychischer Erkrankung.

„Hey, hast du gehört das Frau XXX zum Psychiater geht? Was müssen die Kinder bloss mitmachen!“ Ja, alles schon gehört und nichts zu gesagt. Warum nicht? Weil ich keine Lust auf endlose Diskussionen hatte, ich hatte genug Probleme mit meiner eigenen Psyche. Wie kann man auch als psychisch erkrankte Person Kinder in die Welt setzen! Sowas unverantwortliches. Die Kinder müssen das schließlich alles ertragen.

Ich hasse es gebrandmarkt zu sein. Ich bin ein Tabuthema. Und ich habe es mir doch allen Ernstes erlaubt Kinder zu bekommen. Wer von meiner Erkrankung weiß? Meine Familie und gute Freunde. Und jetzt jeder, der dies hier liest. Ich habe seit meiner Jugend eine Bipolare Störung. Damals hieß das noch Manisch-Depressiv. Ich laufe also seit fast 20 Jahren krank durch die Welt. Wie läuft aber der Alltag ab? Was ist mit Medikamenten und Therapie? Und vor allem, wie geht es meinen armen Kindern damit?

Zu allererst: Meine Kids bekommen davon so wenig mit, wie möglich. Klar merken sie, wenn es mir mal besonders schlecht geht, wenn die depressive Episode extrem zuschlägt. Aber das ist ok. Wir bewerkstelligen unseren Alltag dennoch. Dann halt etwas langsamer, oder gar nicht im Sinne von „Wir bleiben heute einfach mal auf dem Sofa“.

Der Alltag funktioniert allerdings nur, wenn er (wenigstens) halbwegs durchgeplant ist. Mit plötzlichen Änderungen im Ablauf habe ich so meine Probleme. Klar kann man einen Tag mit Kids nicht durch und durch planen und festlegen. Dafür sind die kleinen Scheisser einfach zu unberechenbar. Aber man kann sich an alles anpassen. Wir planen unsere Vorhaben, was getan werden muss und wieviel ich arbeite. Danach versuche ich mich so gut es geht zu orientieren, was mal besser mal schlechter funktioniert. Mein grösstes Problem dabei ist es mit anderen Menschen draußen zu interagieren. Das ist auf dem Spielplatz unter anderem hinderlich, aber leider nicht wirklich zu ändern. Im Grunde schaffen wir jeden Tag, egal ob depressive, oder manische Episode. Letztere sind einfacher zu bewerkstelligen, dann funktioniert auch die Interaktion mit Fremden.

Die einzigen Tage, die mir wirklich alles abverlangen sind die an denen ich (grundlos) gereizt bin, und die Kids meinen gar nicht hören zu müssen. Das ist eine Konstellation die kritisch ist. Meist resultiert die Gereiztheit aus eigener Unzufriedenheit. Aber ich habe mir angewöhnt in ein anderes Zimmer zu gehen, mich kurz auszuheulen, und dann weiter zu machen. Oft hilft es auch mit den Kindern mich auszupowern. Egal ob draussen, oder drinnen. Dann sind wir eh alle zu geschafft, um uns in die Haare zu bekommen.

Ich befinde mich seit Jahren allerdings nicht mehr in Behandlung. Weder beim Psychotherapeuten, noch medikamentös. Ich wollte Leben, und nicht ein „Toller Tag, alles schick ohne Höhen und Tiefen Dasein“ fristen. Außerdem haben die Nebenwirkungen der Medikamente mich völlig fertig gemacht. Dies ist allerdings nicht für jeden geeignet. Ich habe den für mich richtigen Weg gefunden. Meditation, Musik und Natur genießen helfen mir. Auch ohne Medikamente. Da nehme ich lieber depressive Tage in Kauf, als mir durch Pillen das Leben noch mehr versauen zu lassen. Der einzige Grund nochmal in Behandlung zu gehen wäre wenn ich wieder suizidal wäre. Aber dies ist seit Jahren nicht mehr aufgetreten und wird es auch nicht mehr. Dafür liebe ich meine Kids zu sehr.

Ob man ihnen anmerkt das Mama krank ist? Nein. Sie sind genau wie andere Kinder. Mit dem gleichen Spaß am Leben,  dem gleichen Blödsinn und werden genauso geliebt wie andere.


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