Gutes oder böses Plastik? Präsident Abe meldet sich zu Wort

Spätestens nach den weltweiten Protesten der Fridays for Future-Bewegung ist auf der globalen politischen Weltbühne ein Streit um das Weltklima und die Umweltverschmutzung ausgebrochen. Ein Streitpunkt ist Plastik. Nun meldet sich Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zu Wort.

Es ist eine Erfindung, die die Menschheit verändert hat: Kunststoff. Durch seine praktischen Eigenschaften wie Härte und Elastizität hat es Kunststoff im Laufe des letzten Jahrhunderts geschafft in vielen Produkten Einzug zu finden. Insbesondere als Verpackungsmaterial tut sich dieses scheinbare Stück Wunder hervor.

Aber wie viele Dinge, hat auch Plastik eine Schattenseite. Durch die eben beschriebene Härte und Beständigkeit ist Plastik nur schwer zu entsorgen. Durch mangelhafte Sorgfalt sind nun Tonnen an Plastik und kleinen Mikroplastikpartikeln im Meer. Meereslebewesen leiden dauerhaft an dem unverdaulichen Produkt, welches sie mit Nahrung verwechseln. Ebenfalls werden auch die Risiken von Mikroplastik im menschlichen Organismus untersucht. Ein Grund für viele den Plastik zu verurteilen und die Abschaffung oder Eindämmung zu fördern.

Abe zum Thema Plastik

„Plastik ist ein großer Fortschritt, nicht unser Feind."

Wie alle Industrieländer nutzt auch Japan Kunststoffe in vielen Bereichen der Wirtschaft und des Lebens. Eben diese Rolle hob nun Ministerpräsident Abe in seiner jüngsten Rede beim Forum für Wissenschaft und Technologie in Kyoto hervor. Dabei verteidigte er die Entwicklung des Kunststoffs als eine der wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Jedoch relativiert er die vorhandene Gefahr nicht. „Notwendig ist ein angemessenes Management des Mülls und die Suche nach Lösungen durch Innovation", so Abe. Er stellt aber auch etwas klar: „Wir sollten Plastik nicht als Feind behandeln und diejenigen, die es benutzen, nicht ausschließen."

Japan und sein Plastik

Dass Shinzo Abe über Plastik spricht, ist nicht ganz unwichtig. Laut den Zahlen der japanischen Außenhandelsorganisation Jetro ist Japan der drittgrößte Exporteur von Kunststoffabfällen. Problematisch ist die Entscheidung Chinas keinen Plastikmüll zu importieren.

Das sorgt nun bei den inländischen Lagerorten für große Probleme, da sie die Kapazität an Plastikmüll nicht aufnehmen können. Für die Problematik des Plastikmülls im Meer wurde im Rahmen des Treffens der Gruppe der 20 ein Versprechen erarbeitet. Abe bewertet diese Entscheidung positiv.

„Eine Sache, über die ich mich freue, ist, dass die wichtige Rolle von Plastik in der Gesellschaft deutlich gemacht wurde."

Japan gehört zum zweitgrößten Pro-Kopf Konsument von Einwegplastik weltweit und liegt dabei hinter den USA. Laut der Jetro ist Japan bei der Regulierung von Plastikmüll im Gegensatz zu anderen modernen Ländern zurückgefallen.

Ein Beispiel einer solchen Regulierung tritt in Europa ab 2021 in Kraft. Dabei werden Einmalplastikprodukte (Plastikstrohhalme, Plastikbesteck) komplett verboten. Auch in Indien, dem Land mit der zweitgrößten Population, wird eine Kampagne gegen solches Plastik durchgeführt. Auch hier die Hoffnung: Plastikmüll zu reduzieren.

Der Druck durch Politik und Verbraucher bringt auch verschiedene Weltkonzerne zum Umdenken. So hat beispielsweise Unilever versprochen, dass bei Plastik um 50% reduziert werden soll.

Eine Realität bleibt jedoch. Japan exportierte im Jahr 2018 schätzungsweise mehr als eine Million Tonnen Plastikmüll. Beliebtes Exportziel sind laut Jetro Malaysia und auch Thailand.


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