Gute Nacht, Herr Doktor

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GTL | 21.3.2014 | Kommentare (0)

 

Gute Nacht, Herr Doktor

Die seit Jahren mühevoll mit lokalen Vereinbarungen aufrecht erhaltenen Ärztearbeitszeiten sind erneut unter Beschuss aus Brüssel gekommen.
Medial kommt da aus unseren Landen nicht viel, Frau Heigl im Standard wünscht sich wieder einen ausgeschlafenen Operateur (http://derstandard.at/1395057269608/Aerzte-Arbeitszeiten-Schlafende-Verhandler) für die Patienten, Patientenanwalt Bachinger bringt sich ebenfalls wieder in die Medien und der Sozialminister kalmiert mit seinem üblichen
"Mir werdn uns das nun anschauen".

Das Thema wurde hier auch schon vor etwa einem Jahr abgehandelt (Wann schläft der Spitalsarzt? http://wp.me/p1kfuX-Cr) und darauf hingewiesen, dass sich derartige Strukturen ja nur halten können, wenn alle einflussreichen Beteiligten davon einen Benefit haben.

Die Spitalserhalter, weil Überstunden zu bezahlen billiger kommt als mehr Personal einzustellen und überdies die effektive Arbeitszeit durch weniger Übergabezeiten besser ausgenützt werden kann. Häufig wird darauf vergessen, dass trotz überbordender Dokumentationspflicht die oft komplexen Verläufe kritisch Kranker Patienten dem Nachfolger zusätzlich im direkten Gespräch übergeben werden müssen. Während das im Bereich der Pflege seit Jahrzehnten institutionalisiert und mit Kaffee unterlegt ist, gibt es hier im ärztlichen Bereich oft noch große Defizite.

Die Ärzte haben aber auch Vorteile aus ihrer Selbstausbeutung, denn das Grundgehalt für einen Arzt mit 9-10 Jahren Berufsausbildung (Turnus + Fachausbildung) ist im Vergleich zu anderen Akademikern mit einer einschlägigen Berufsausbildung (Juristen, Wirtschaftern, ...) wenig kompetitiv. Auch auf die so "erarbeitete" Tagesfreizeit, in der sich dann in der Privatordination das Einkommen weiter aufgebessert werden kann, wurde schon hingewiesen; ebenso wie auf die Tatsache, dass die Ärztekammerfunktionäre zwar lautstark die Arbeitszeitbeschränkung einfordern, aber vergessen zu erwähnen, dass die meisten von Ihnen neben ihrer unermüdlichen Tätigkeit in der Kammmer unverändert ihrer ärztlichen Tätigkeit im vollem Umfange in Ordination und Spital nachgehen.

Keine Frage, keiner will von einem unausgeschlafenen Arzt behandelt werden, aber wie ist das denn mit anderen Berufsgruppen?

Wissen Sie denn so ganz genau, wann ihr Steuer- oder Vermögensberater zuletzt - nicht nur bei ihrer Einkommenssteuer - ein Auge zugedrückt hat?
Wir lesen die neuesten Informationen bange von den Lippen unserer rasenden Reporter, die rund um die Uhr und oft mehreren Nachrichtendiensten gleichzeitig berichten.
Ja, und die LKW-Fahrer, die nichts lieber tun als in einem Stück von Istanbul bis nach Frankfurt zu fahren, damit wir unsere billigen Waren rechtzeitig in den Regalen vorfinden.
Die Paketzusteller, die uns unseren neueste Amazon-Beute auch noch nach 22:00 mit einem schrottreifen, privaten Lieferwagen ins Haus bringen, sind sicher auch ziemlich ausgeschlafene Kerlchen.

Sie werden nun sagen, dass es sich bei all den anderen Berufen halt um weniger gefahrengeneigte Tätigkeiten handelt, aber Sie das Anrecht haben, dass ihr Arzt ihnen in völlig ausgeschlafenen Zugang ihre Hustentropfen rezeptiert.

Hat was, OK;

aber wenn Sie von dem unausgeschlafenen Spediteur von der Autobahn gekippt werden, weil der gerade seinen Minutenschlaf einlegt, während Sie ins Wochenhaus fahren;
wenn immer weniger Redakteure immer mehr Zeitung machen müssen, in denen Sie sich vor der nächsten Wahl informieren;
wenn sich Ihr Vermögensberater überlastungsbedingt halt doch geirrt hat und die mündelsichere Altersvorsorge futsch ist,
so dass kann das für ihre Befindlichkeit desaströser sein, als wenn Ihr Arzt ihren Harnwegsinfekt mit einem Antibiotikum behandelt, dass nur 80 statt 90% des zu erwartenden Keimspektrums abdeckt, weil er den letzten Antibiotika Monitor nicht mehr parat hat.

Keine Frage, unsere Gesellschaft lebt von der Selbstausbeutung.
Wenn wir uns zu Recht fragen, ob wir das unseren Ärzten erlauben sollen, dann sollten wir aber auch konsequenterweise an andere Berufsgruppen denken und werden letztendlich uns überlegen müssen, ob wir unseren Lebensstil auf Kosten von asiatischen Akkordarbeiterinnen aufrecht erhalten sollen, nur weil es uns weniger schreckt, dass das Unterhoserl reissen könnte wenn es unausgeschlafen genäht wurde (Unsere Korrektheit hält nicht Schritt http://wp.me/p1kfuX-KK), als wenn es um unsere Bauchdecke geht.



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