Gesichter lesen auf Google Glass wird Realität

Catalin Voss

Am 1. April 2013 schrieb ich den Artikel “Google Glass: So warnt dich das neue Google-Produkt vor Lügnern”. Es ging darum, dass Google Glass in der Lage sei, Lügen zu erkennen und die Körpersprache unserer Mitmenschen zu analysieren.

Wie ihr inzwischen wisst, war dies bloß ein kleiner Aprilscherz meinerseits.

Dachte ich jedenfalls. Bis heute!

Wie es sich jetzt herausstellte, wird an solchen Funktionen tatsächlich gearbeitet. Und nein, diesmal ist es DEFINITIV KEIN APRILSCHERZ!

Ein deutsches Genie in Stanford

Hinter der Forschung für diese Körpersprache-Funktionen steckt ein deutscher Unternehmer und Informatik-Student in Stanford. Catalin Voss, 19 Jahre jung und wie ich den Eindruck habe, ein richtiges Genie.

Aufgewachsen ist Catalin in Heidelberg. Seine Eltern erzählen nur zu gerne davon, wie er als Kind in seinem Zimmer Alarmanlagen und Roboter zusammenbaute. Ersteres wohl, um seine Eltern von seinem Zimmer fernzuhalten. ;-)

Kaum überraschte Apple die Weltöffentlichkeit mit dem iPhone, begann Catalin sofort, Apps für dieses Smartphone zu programmieren. Da war er 12 Jahre jung. Noch im gleichen Jahr nahm er ein Podcasts von sich auf und erklärte den älteren Programmierern, wie man Apps für den Apple Appstore entwickelt. Und nur ein Jahr später entwickelte er fünf Apps für die U.S. Army.

Catalin Voss gab weiterhin Vollgas. Mit 15 baute er für das Startup PayNearMe im Silicon Valley eine App, mit der man ohne Kreditkarte im Internet bezahlen kann; und dies in gerade mal vier Wochen! Dem Unternehmen bescherte diese App sage und schreibe 16 Millionen Dollar an Investorengeldern. Dafür reiste er noch vor seinem Abi mehrmals nach Kalifornien.

Das war vor vier Jahren. Heute ist Catalin unter anderem Berater für eine Organisation, die die besten Leute der Stanford University fördert und er arbeitet an einer App, mit deren Hilfe man einem Smartphone, Computer oder eben Google Glass beibringen kann, die Gesichter und Körpersprache der Mitmenschen zu lesen.

Wird Siri bald unsere Emotionen erkennen?

Catalin Voss hat einen autistischen Cousin. Möglicherweise ist dies der Grund für die Entwicklung dieser App. Damit wäre es Autisten zum ersten Mal möglich, ihre Defizite beim Lesen der Gesichter anderer Menschen zu vermindern.

SensionTech – so heißt das Unternehmen von Catalin Voss – macht zurzeit große Fortschritte bei der Entwicklung eines Tools, welches Gesichtsausdrücke und Stimmmuster analysieren und dabei zum Beispiel Freude, Traurigkeit, Wut, Frustration und andere Emotionen erkennen kann. Hier das Werbevideo:

Anwendungsbeispiele für eine solche Stimmen-Erkennungs-Technologie gibt es viele. Einige von euch kennen vielleicht Siri, die digitale Assistentin auf dem iPhone. Siri ist sehr gut in der Lage, eure Stimme inhaltlich zu erkennen. Was Siri aber noch nicht kann, ist, eure Emotion zu erkennen. Wenn ihr heute zu Siri sagt: “Spiele Musik”, dann wird ein zufällig ausgewähltes Musikstück abgespielt. In Zukunft wird es Siri vielleicht möglich sein, Musik passend zu eurer momentanen Stimmung abzuspielen.

Bei der Live-Erkennung von Gesichtsausdrücken bestand das Problem bisher darin, dass dutzende Punkte auf dem Gesicht erfasst und in einem dreidimensionalen Raum, der sich auch noch bewegt, analysiert werden mussten. Dazu ist eine riesige Rechenleistung nötig, die ein Smartphone (oder eben: Google Glass) bis heute nicht erbringen kann. SensionTech und Catalin Voss entwickelten deshalb ein Produkt, welches sich auf die wichtigsten Punkte im Gesicht konzentriert und die häufigsten Gesichtsausdrücke erkennt. Nur so ist es möglich, die Software auf Google Glass überhaupt in Echtzeit zum laufen zu bringen.

Einsatzmöglichkeiten

Zum Einsatz kommen kann diese App zum Beispiel – wie oben schon erwähnt – bei Autisten. Es ist aber auch vorstellbar, dass die App in Schulen und Universitäten eingesetzt wird. Der Schulstoff und die Vorlesungen können verbessert werden, wenn es möglich ist, die Aufmerksamkeit der Studenten zu messen und den Stoff entsprechend anzupassen.

Ich könnte mir da noch so einige mögliche Einsatzgebiete für die Software vorstellen. Aber natürlich besteht auch immer die Gefahr, dass eine solche Software für weniger gute Zwecke ausgenutzt wird.

Schutz der Privatsphäre

An diesem Punkt betont Catalin Voss, dass sein Unternehmen den Schutz der Privatsphäre der Nutzer und derjenigen, die von der App erfasst werden, ernst nimmt: Es werden keine Aufnahmen von Gesichtern auf einen Server übertragen, keine Aufnahmen auf dem Smartphone oder in Google Glass abgespeichert und es wird keine Funktion eingebaut, welche die Gesichter einer bestimmten Person zuordnet. Auch Google selbst hat in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie letzteres auf Google Glass definitiv nicht zulassen würde.

Falls ihr mehr über Catalin Voss erfahren möchtet, hört euch doch mal noch kurz diesen Podcast von 1LIVE an.

Eure Meinung ist gefragt!

Was haltet ihr von dieser Entwicklung? Begrüßt ihr sie oder findet ihr die Sache nicht ganz so toll?

Schreibt eure Meinung unten in die Kommentare und lasst uns darüber diskutieren!


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