Geschichte eines Rechtsstreits

Ich bin ja blogmäßig echt eine Schlampe gewesen in letzter Zeit. Oder heißt das Schlamper? Egal, Mrs. Essential hat das so super hier gemacht dass ich echt froh bin, dass der Laden hier nicht total verwahrlost ist, sondern sogar deutlich besser läuft als zu der Zeit, als ich hier noch Alleinherrscher war. :-)

Heute bin ich allein zuhause, die Kinder sind gerade im Bett und ich habe jetzt die ca. 60 Minuten Freizeit, die wir momentan so am Tag haben, ehe man “besser ins Bett gehen sollte” *hüstel*. Diese nutze ich also, um mich mit einem Problem zu beschäftigen, dass gestern wieder akut geworden ist: Unserem Rechtsstreit mit dem Vorbesitzer unseres Hauses. Gestern flatterte nämlich eine neue Rechnung des Gerichts ins Haus, das gerne noch ein wenig Kohle von uns sehen möchte. Da unser werter Anwalt wenig von zeitigem Feedback hält, weiß ich nie so recht, wie die Sachlage gerade so aussieht in punkto Justiz. Der Prozesskostenrechner, den ich gerade bemüht habe, informierte mich aber darüber, dass wir vermutlich eine Instanz weiter sind, wenn wir jetzt noch mal blechen dürfen. Passiert ist subjektiv irgendwie … gar nichts. 

Ich nutze die Gelegenheit mal, um kurz mit Euch zu teilen, was bisher so passiert ist.

Bisher bei Essential Unfairness:

2011 haben wir ein Haus gekauft. Ein schönes Ding, groß, richtig groß, und für einen Laden dieser Gewichtsklasse angenehm bezahlbar. Das Haus war relativ neu (14 Jahre alt), gefiel optisch und hatte mehr als genug Zimmer auch für die ganze Meute hier. Der Nachteil – und meiner damaligen Meinung nach auch der Grund für den recht angenehmen Kaufpreis – war das Heizungssystem: Die Bude wird mit einem Holzgrundofen und ursprünglich einer Solarthermieanlage beheizt.

“Ein ausgefallenes System, ja, aber voll funktionsfähig!” versicherte mir damals der Makler.

“Ausgefallen” bedeutet, dass man im Winter das komplette Haus über den Holzofen beheizt, der an die Heizungsanlage angeschlossen ist. Ich verwende dazu Holzbriketts, von denen ich jeden Winter drei bis vier Tonnen bestelle und die in der kalten Saison entsprechend befeuere. Macht ein wenig Arbeit, ist aber kostengünstig und ökologisch. Im Sommer, so der Plan, übernimmt die Solarthermie das. Im ersten Frühling stellte sich heraus, dass die Solaranlage nicht funktionierte. Und die Heizungen auch nicht. Die Handwerker, die wir konsultierten, verzweifelten an der Anlage, die weitgehend Marke Eigenbau ist. Nur ein treuer Haustechniker investierte Zeit und Mühe, das System zu verstehen und in Schuss zu bringen. Er fand damals heraus, dass die Heizungen nicht funktionierten, weil die Pumpe defekt ist – ärgerlich, aber kein großes Ding. Nur tat es die Solaranlage immer noch nicht, so dass wir einen Solarspezialisten beknieen musste, sich das Ding einmal anzuschauen. Das Ergebnis: Ein langes Schreiben darüber, dass die Anlage nach deutschen Vorgaben unzulässig gelötet sei und man eigentlich keine Verantwortung übernehmen wolle, sie jetzt aber für 2.500 Euro repariert habe. Cool, oder?

Zwischenzeitlich hatten sich noch so diverse weitere kleine Mängel gezeigt, die wir aber unter “irgendwas ist ja immer” verbucht hatten. Als aber schon drei Monate nach der obigen kostspieligen Reparatur der Solaranlage das ganze Ding schon wieder ausfiel, sahen wir uns gezwungen, einen Anwalt zu konsultieren. Und jetzt geht es erst richtig los! Mittlerweile rutschten uns die Solarröhren so langsam vom Dach – was der Tatsache zuzuschreiben war, dass sie teilweise mit Panzertape (!) befestigt waren. Der Anwalt meinte, dass das ein klarer Fall von Betrug sei, und dass er höchstwahrscheinlich einen Vergleich erzielen könnte, weil die Lage so eindeutig sei.

Ich war skeptisch – auf riesige Prozesskosten hatte ich eigentlich keine Lust, aber die Vergleichsgeschichte klang verlockend. Immerhin war es auch sehr unbefriedigend, aus Angst vor den Kosten einen betrügerischen Vorbesitzer einfach so davonkommen zu lassen, oder? Also gaben wir dem Anwalt grünes Licht.

Leider entpuppte sich auch der als ein ziemlicher Dünnbrettbohrer. Das gesamte Jahr 2013 verbrachten wir damit, ihn alle drei Monate nach Neuigkeiten zu fragen, woraufhin er einen Termin machte und immer wieder das gleiche erzählte. Einmal hatte er einen Unfall bei der Fuchsjagd, dann wochenlang die Grippe, dann blockierte ein umgestürzter Baum seine Einfahrt und er konnte das Auto nicht benutzen. Wenn Ihr Euch jetzt fragt, warum wir uns nicht direkt einen anderen Vertreter gesucht haben – keine Ahnung. Er war uns empfohlen worden, und irgendwie war ich auch froh, dass es langsam voranging, weil ich doch ahnte, das jeder Schritt nur hohe Kosten verursachen würde, aber erst einmal nichts bringen würde. Wir hatten mittlerweile einen Durchlauferhitzer einbauen lassen und verfügten über warmes Wasser (vorher nur, wenn der Ofen sehr heiß war), und die Heizung tat es auch. Warum also Geld aus dem Fenster werfen?

Trotzdem wollten wir natürlich irgendwann mal Ergebnisse sehen. Die kamen auch, in Form einer Anwaltsrechnung über 1.300 Euro. Bis dahin hatte der Typ außer diversen geschwätzigen Terminen noch nichts gemacht, meiner bescheidenen Meinung nach. Kurz nach der Rechnung ging dann auch der erste Brief an den Gegner raus. So, dachte ich, dann geht ja jetzt mal was!

Von wegen. Monatelange Funkstille, dann ein neuer Termin, Gegner stellt sich stur, wir müssen erstmal klagen, “können uns aber immer noch außergerichtlich einigen” …

Na ja, 1.300 mussten wir ja eh schon zahlen, also weiter. Man will den blöden Vorbesitzer ja auch nicht einfach so durchkommen lassen. Kurz darauf die Rechnung des Gerichts, 1.000 Euro. Na jetzt muss aber was kommen, dachte ich. BÄM! kriegt der blöde Vorbesitzer die Klage mitten ins Gesicht! Mal wieder: von wegen. Monatelange Funkstille.

Der Anwalt sagte, dass läge jetzt am Gericht. Die seien ja auch überlastet.

“So schlimm kann das nicht sein”, meinte ich. “Die Rechnungen schreiben die ziemlich schnell!”

Zwischenzeitlich fiel uns die erste Solarröhre vom Dach. Ich rief den Anwalt an, wir müssen das jetzt machen lassen, sonst können wir ja den Garten nicht mehr betreten.

“Schicken Sie mir Fotos,” meinte er. “Die leite ich ans Gericht weiter, dann sehen die ja dass Gefahr im Verzug ist.”

Das war im November 2014. Seitdem? Nix. Anwalt meldet sich nicht, wir verdrängen den ganzen Mist auch gerne mal ein paar Wochen, und auf E-Mails reagiert er meist nur wenn man einen eskalatorischen Tonfall anschlägt. Zu seiner Verteidigung kann ich höchstens sagen, dass wir vorwiegend per E-Mail kommunizieren und nur in Notfällen telefonieren. Wir haben nämlich beide irgendwie immer sehr viel zu tun und schätzen die asynchrone Kommunikation deswegen sehr, weil wir uns um so was immer erst nach 21.00 Uhr kümmern können. Vielleicht ginge alles schneller, wenn man ihn jeden zweiten Tag anrufen würde. Ich habe aber meine Zweifel daran.

Gestern flatterte eine neue Gerichtsrechnung ins Haus – 1.400 Euro. Wir warten noch immer auf Antwort vom Anwalt, daher habe ich mal ein wenig gegoogelt. Und gesehen, dass diese neuen Kosten in der nächsten Instanz anfallen. Plus 2.200 Euro Anwaltskosten bei unserem Streitwert. Es ist doch noch gar nichts passiert?! 

Der Prozesskostenrechner klärte mich auch auf, dass die gesamten Prozesskosten über alle Instanzen bei 20.000 Euro liegen. Das ist übrigens auch der Streitwert. Ich hatte das früher schon mal ergoogelt, aber wieder verdrängt, weil ich ja dachte, dass wir vielleicht einen Vergleich hinbekommen …

Jetzt lasse ich mir das mal auf der Zunge zergehen. Um prüfen zu lassen, ob meine Forderung über 20.000 Euro gerechtfertigt ist, muss ich 20.000 Euro zahlen, wenn ich Pech habe. Klar, am Ende zahlt das der Unterlegene – aber meine bisherige Erfahrung mit dem deutschen Justizsystem haben mich nicht darin bestärkt, diesem zu vertrauen. Vielleicht (!) gewinnen wir ja auch nicht! Und dann? Habe ich kein repariertes Heizungssystem … sondern nichts. Echt erschreckend, dieses System. ich denke ernsthaft darüber nach, den ganzen Mist abzublasen und unser Geld lieber in das Haus zu stecken. Aber dann, wieder der Gedanke dass der Vorbesitzer mit seinem Betrug durchkommt …

Ich bin von diesem Thema gerade echt angefressen. Wie heute schon auf Twitter angedeutet: Wenn das alles nix wird, lege ich mir eine querulatorische Persönlichkeitsstörung zu und zahle es der Gesellschaft heim. Das wäre dann Plan B.

Jetzt gucke ich erstmal Better Call Saul auf Netflix.


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