Gehört_267

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Beastie Boys „Hot Sauce Committee Part 2“ (EMI)
Bei gestreamten Tracks der Internetplattform Soundcloud gibt es ja diese lustige Spielerei, in die visuelle Darstellung des orangen Zeitstrahlwurms Userpostings, falls vorhanden, als kleine Miniaturfähnchen einzublenden und so gleich Feedback und Song zusammen zu übermitteln. Putzig, Gimmick – nachdem die Beastie Boys nun ihr neues Album dort höchstselbst als Appetizer vorstellen, läßt sich sogar diesem Unsinn etwas Nützliches abgewinnen. Anhand der euphorischen und teils hysterischen Kommentare kann man ermessen, wie groß die Sehnsucht nach der Rückkehr der drei New Yorker MC’s gewesen sein muß und wie umfassend sie offenbar alle denkbaren Erwartungen erfüllt haben. Mit „Wicked!“, „Hell Yeah!“ über „Fuckin‘ Hot!“ und „Absolutely Awesome!“ überschlägt sich die Begeisterung förmlich, die ersten drei Stücke sind vor lauter Posting-Fähnchen kaum noch als Stream zu erkennen.
Wenn das alles in dem Ausruf „I feel 15 years younger!“ kulminiert, dann weiß man, wohin der Hase laufen sollte und dass Michael Diamond, Adam Yauch und Adam Horovitz nicht weniger als alles richtig gemacht haben. Kurz: Es scheppert, bratzt und brettert ganz wie zu Zeiten von „Ill Communication“ – jazzy ist hier nix, p(h)unky aber sicher. „Make Some Noise“ ist, natürlich nicht nur des Videobezuges zu „Fight For Your Right“ wegen, wie Heimkommen, „OK“ ist schlicht ein Killertrack („Yeah Yeah Right Right Okay“ – was braucht’s mehr!?) mit fettem Gitarrengeheule, Ölfassgetrommel und Vocodergekreisch. „Too Many Rappers“ wurde für’s neue Album etwas aufgehübscht und gilt auch 2011 als unmißverständliche Ansage in punkto Anspruch und Credibility. Ganz nebenbei einer von nur zwei Tracks mit prominenter Unterstützung, hier Nas, später mit feinem Dancehall dann Santigold (Don’t Play No Game) – ganz im Gegensatz zur grassierenden Gästelistenmanie genügen sich die Boys bestens selbst.
Und das wird genausowenig schlechter wie leiser, die Jungs bellen ihre Stakkato-Raps wie weiland in den 80ern, mal wird der Sound fein geraspelt (Say It), mal scattet und sprotzt es kurz und wild (Tadlock’s Glasses) und auch eine fiese Schrammelorgie á la „Sabotage“ ist im Rennen (Lee Majors Come Again). Zwischendrin gibt’s dann noch einen sehr lässigen Instrumentaltrack, und weil sie so sind wie sie sind und man auch weiß, was sie sonst noch so anpacken, gerät ihnen selbst ein Titel wie „Multilateral Nuclear Disarmament“ fernab jeder Peinlichkeit.
Irgendwie fallen einem ganz zum Schluß noch die Fantastischen Vier ein, wie sie sich hierzulande seit Jahren nicht mehr ganz so unverkrampft um Respekt und Jungmenschentum bemühen und dabei immer ein Stück unglaubwürdiger und auch irgendwie lächerlich wirken. Sie werden diese Platte hören und sich vielleicht insgeheim darüber ärgern, dass es den großen weißen Vorbildern so unverschämt leicht fällt, den Claim zu halten und dem eigenen Anspruch trotzdem noch immer zu genügen. Denn wann gab es das schon mal – dass „old school“ so verdammt jung klingt?
http://hotsaucecommittee.com/

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