Gastbeitrag: Geburtsvorbereitungskurs

Gastbeitrag meines Freundes zum Thema Geburtsvorbereitungskurs.
Ich muss noch hinzufügen, dass wir uns nach diesem Kurs eine andere Hebamme gesucht haben… 🙂

Unser Geburtsvorbereitungskurs

„Ist ein Geburtsvorbereitungskurs eigentlich sinnvoll? – Irgendwie ja, aber irgendwie hat er mich auch gelangweilt. Ich muss dazu sagen, dass wohl jeder Geburtsvorbereitungskurs anders ist und ich nur unseren als Maßstab nehmen kann. Mit Sicherheit gibt es Geburtsvorbereitungskurse die anders aufgebaut sind als der, bei dem wir teilnahmen. Aber da es ja mein Gastbeitrag ist, schreibe ich natürlich nur über meine Erfahrungen zum Thema Geburtsvorbereitungskurs.

Der Tag ist gekommen. Der Geburtsvorbereitungskurs beginnt!

Wir haben heute unseren ersten Geburtsvorbereitungskurs. An einem Samstag und irgendwie bin ich genervt, aufgeregt und müde. Ich stelle mir die Frage, was erwartet mich und was für Personen sind anwesend. Es ist ein Sprung in´s kalte Wasser. Klar, ist ja auch der erste Geburtsvorbereitungskurs an dem ich teilnehme.

Als wir ankamen saßen schon 3 Pärchen auf den braunen Iso-Matten – wobei das heißt heute ja Yoga-Matten. Kuschelig bequem in die Stillkissen gelehnt, strahlen sie vor Souveränität. Mit einem Blick der sagen will „Wir sind die neue Elite, sei ein Teil von uns“, schauen sie einen einladend und erwartungsvoll an. Ich blicke in den Raum und denke mir „Oh nein, was will ich hier. Ich bin keiner von Euch. Nur weil wir fast zum selben Zeitpunkt ein Kind bekommen, bin ich trotzdem nicht wie ihr.“

Meine Freundin und ich suchten uns einen Platz um uns erst einmal zu akklimatisieren. Noch schüchtern setzten wir uns hin und lehnten uns in die Kissen. Unsere Blicke schweiften durch den Raum. Es roch nach Mandarinen und Duftkerzen. Die Temperatur war angenehm, aber ich wusste, dass es mir bald zu stickig und warm werden würde.

Nun kann los gehen!

Jetzt trudelten nach und nach die weiteren Pärchen des Geburtsvorbereitungskurs ein. Natürlich mussten auch sie erstmal gemustert werden. „Alle komplett?!“ ruft die Kursleiterin und Hebamme, fragend und mit rauher Stimme in den Raum. Ein mürrischen „ehhhm joa“ schallte es aus der Gruppe. Woher sollten wir denn auch wissen ob wir komplett sind? „Da wir uns alle noch nicht kennen, schlage ich vor, erst einmal ein Kennenlernspiel zu machen“ – Das ist der Moment den ich am meisten hasse. Nein ich will die Leute nicht kennenlernen. Ich interessiere mich nicht für sie und es ist mir ehrlich gesagt egal welche Wünsche sie haben. Genauso möchte ich nicht meine Gedanken jedem Honk mitteilen. Aber artig und fügsam wie man ist, stand ich auf und habe die Prozedur über mich ergehen lassen. Wir warfen einen Ball hin und her, und anstatt einfach zu sagen, wer wir sind, was wir in diesem Geburtsvorbereitungskurs wollen und was wir uns wünschen, mussten wir uns noch zusätzlich merken, was unser Vorgänger alles erzählt hat.

Nach einer kurzen Einleitungs-Phase ging es dann weiter mit der Gruppenarbeit. Frauen zu Frauen, Männer zu Männer. Jetzt wurde Geschlechter-Spezifisch getrennt und jede Gruppe musste auf Zetteln aufschreiben, was sich während der Schwangerschaft bei ihnen verändert hat. Während die Frauen in ihrer Rolle aufgingen, taten wir Männer uns etwas schwer. Ich für meinen Teil habe mich auch eher gedrängt gefühlt und habe alibimäßig einfach mal was in den Raum geworfen. Waren wir doch eine Gruppe voller Klischees, die dicke Brüste und Essgelüste an oberster Stelle stehen hatten…

Common let’s twist again!

Geschafft, denke ich, aber da habe ich wohl falsch gedacht. Die Hebamme weiß gekonnt wie sie noch eine Prise Peinlichkeit oben drauf setzen kann. „Alle aufstehen“ rief sie und rannte zu Ihrer Stereoanlage, in dem schon die aktuellste Bravo Hits startbereit zum abspielen lag. „Wir machen jetzt eine Übung, die zur Entspannung des Beckenbodens beiträgt.“ Gerade ich als notorischer Nichttänzer. Nun ging es los. Die Männer sollten hinter ihre Frauen und sie eng umschlingen. „Die Hände auf die Hüften und schön kreisen lassen“. Ich muss mir allerdings das Lachen verkneifen. Ist die Kursleiterin doch voll in ihrem Element und fühlt sich mit ihren 55 Jahren als sei sie Anfang 20. Beine- und Kopfwackelnd wippt sie hin und her, hält ihre Augen fest verschlossen und vertieft immer mehr in die Musik.

Nach Beendigung des nervigen Teils, kamen wir nun endlich mal zu den harten Fakten und Infos rund um die Schwangerschaft und der Geburt. Hier muss ich sagen, dass es dann auch endlich mal interessant wurde und wir mit guten Infos versorgt wurden. Z.b. wissen wir jetzt, dass die Gebärmutterwand dreischichtig ist und sich das Kind bei der Geburt schraubenartig durchs Becken bewegt. Diese Informationen helfen einem jetzt nicht zwingend bei der Geburt, jedoch ist es gutes Hintergrundwissen, um die Materie zu verstehen. Leider war dies der kürzeste Teil des Geburtsvorbereitungskurs.

Was habe ich aus diesem Geburtsvorbereitungskurs mitgenommen?

Ehrlich gesagt nur eine Hand voll wichtiger Informationen, die ich vielleicht aus einem klassischen Vortrag oder Seminar auch erhalten hätte können. Für mich als Mann hat sich der Kurs leider nicht sonderlich gelohnt. Die 80€-Partnergebühr hätte ich lieber in etwas sinnvolleres investiert, aber schlauer ist man ja meist erst hinterher…“

Vielen Dank für deinen Gastbeitrag mein Schatz…

Um auch meinen Senf dazugeben zu dürfen, muss ich leider sagen, dass ich ihm vollkommen Recht gebe. Bei der Geburt konnte ich absolut nichts mitnehmen, was uns die Hebamme mit auf den Weg gegeben hat. Da wir uns kurz nach dem Kurs eine andere Hebamme gesucht haben, habe ich auch keinen Kontakt zu den anderen Müttern aus dem Kurs. Das wäre mir aber auch nicht besonders wichtig gewesen, da fast jedes Kranken- und Geburtshaus einen Still- oder Spieltreff hat und man hier in viel entspannterer und gemütlicherer Atmosphäre Mütter kennen lernen kann.


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