Wie sicher ist Armenien?

Unser Urteil nach zwei Wochen im Land

Armenien hat ein Imageproblem, und das liegt nicht am Land selbst. Wer „Armenien“ googelt, landet innerhalb von zwei Klicks bei Bergkarabach, bei Aserbaidschan und bei einer Teilreisewarnung des Auswärtigen Amts. Kein Wunder, dass die Frage nach der Sicherheit in Armenien die meistgestellte überhaupt ist.

Kurzantwort vorweg: Armenien ist für Reisende sicher, solange du das Grenzgebiet zu Aserbaidschan meidest. Das größte reale Risiko im Land ist nicht Politik und nicht Kriminalität, sondern der Straßenverkehr.

Wir waren im August 2026 zwei Wochen in Armenien, mit Jerewan als Basis und einem viertägigen Roadtrip durch den Süden, also durch die Provinzen Vayots Dzor und Syunik bis nach Goris und Tatev. In dieser Zeit wurden wir nicht abgezockt, nicht bestohlen und haben keine einzige brenzlige Situation erlebt. Was uns dagegen jeden Tag beschäftigt hat: wie die Leute hier Auto fahren.

In diesem Artikel bekommst du die offizielle Lage mit Stand-Datum, unsere eigenen Beobachtungen und eine klare Einordnung, für wen Armenien passt und für wen nicht.

Schnell-Einordnung

QuelleEinstufungStand

Auswärtiges Amt (DE)Teilreisewarnung für bestimmte Provinzen und Straßen im Grenzgebiet zu Aserbaidschan, keine Warnung für das übrige Land17.08.2026, unverändert gültig seit 12.06.2026

BMEIA (AT)Sicherheitsstufe 2 (Sicherheitsrisiko) in den Grenzgebieten zu Aserbaidschan, Sicherheitsstufe 1 (guter Sicherheitsstandard) im Rest des LandesAugust 2026

EDA (CH)Abraten von Reisen ins unmittelbare Grenzgebiet zu Aserbaidschan, erhöhte Vorsicht auf der Strecke Idschewan bis NojemberjanAugust 2026

Unser UrteilEtwa wie erwartet. Normale Vorsicht reicht, ein ganz normaler Städtetrip. Nicht ungefährlich, aber auch nicht auffallend sicher.August 2026

Aktuelle Sicherheitslage in Armenien (Stand August 2026)

Die entscheidende Information zuerst, weil sie in den meisten Artikeln untergeht: Die Teilreisewarnung des Auswärtigen Amts betrifft nicht Armenien als Land, sondern ausschließlich klar benannte Gebiete und Straßen entlang der Grenze zu Aserbaidschan. Für Jerewan, den Sewansee, den gesamten Westen und die touristischen Klöster im Süden gibt es keine Warnung.

Konkret gewarnt wird laut Auswärtigem Amt vor:

  • Gegharkunik und Tavush: die Straße M11 östlich von Vardenis, die Straßen M14, H30, H37 und H38, die Nationalstraße M16 nördlich von Idschewan sowie alle Gebiete östlich dieser Linie
  • Ararat: die Straße M2 zwischen Jeraskh und Karki
  • Vayots Dzor: die Gebiete nördlich von Jermuk bis zur Grenze zu Aserbaidschan
  • Syunik: alle Gebiete östlich von Goris, südlich von Goris die Straße E117/M2 zwischen Vorota und Karmrakar, dazu die Gebiete östlich von Sjunik und die Straße M17 südlich von Kapan bis Shanidzor

Generell rät das Auswärtige Amt von der Nutzung grenznaher Straßen ab.

Das Amt schreibt gleichzeitig, dass sich die Lage im Zuge des Friedensprozesses mit Aserbaidschan verbessert hat. Der Grenzverlauf ist allerdings zum größten Teil noch nicht abschließend festgelegt, es gibt zahlreiche militärische Sperrgebiete, und es besteht Minengefahr. Vereinzelte bewaffnete Zwischenfälle im Grenzgebiet lassen sich nicht ausschließen. Die Grenzübergänge nach Aserbaidschan und in die Türkei sind geschlossen, ein Grenzübertritt ist nicht möglich.

Für die Praxis heißt das: Wenn du eine normale Rundreise durch Armenien machst, kommst du diesen Zonen gar nicht nahe. Wir waren in Goris und in Tatev, also am westlichen Rand von Syunik, und damit außerhalb der Warnzone, die östlich von Goris beginnt. Trotzdem lohnt sich vor dem Roadtrip ein Blick auf die Karte, denn die Zonen sind straßengenau definiert und nicht großflächig.

Kriminalität in Armenien

Hier ist die Faktenlage entspannt. Das Auswärtige Amt bescheinigt Armenien eine gering ausgeprägte Gewaltkriminalität. Kleinkriminalität wie Taschendiebstahl, Einbrüche und der Einsatz von K.-o.-Tropfen kommt vor, ist aber nichts, was das Land aus der Reihe fallen lässt.

Unsere Erfahrung deckt sich damit. In zwei Wochen wurden wir kein einziges Mal abgezockt. Keine Taxi-Nummer, keine Fake-Guides, keine Wechselstuben-Tricks, keine überhöhten Preise für Touristen. Das ist erwähnenswert, weil das in vielen Ländern der Region anders läuft. Auch beim Thema Diebstahl haben wir nichts gemerkt, weder in Jerewan noch auf Märkten wie der Vernissage.

Was in Jerewan auffällt: Es steht viel Polizei in der Stadt herum. Was diese Polizei tut, ist eine andere Frage. Nach unserer Beobachtung im Wesentlichen: stehen und rauchen. Es gibt keine sichtbare Präsenz, die irgendetwas kontrolliert oder eingreift, aber es gibt auch nichts, wo sie eingreifen müsste. Unangenehm ist das nicht, weder als Kontrolldruck noch als Bedrohung.

Zwei praktische Punkte trotzdem:

Erstens rät das Auswärtige Amt ausdrücklich dazu, bargeldlosen Zahlungen den Vorzug zu geben und nur so viel Bargeld mitzunehmen, wie du am Tag brauchst. Das ist in Armenien leicht umzusetzen, weil Kartenzahlung in Jerewan praktisch überall funktioniert. Wie das preislich aussieht, haben wir in unserem Artikel zu den Kosten für einen Urlaub in Armenien aufgeschrieben.

Zweitens: Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen lassen. Das ist eine Standardregel, aber sie steht in den offiziellen Hinweisen für Armenien explizit drin.

Verkehrssicherheit: Das eigentliche Risiko

Wenn du dir aus diesem Artikel eine Sache merkst, dann diese: Der Straßenverkehr ist das mit Abstand größte Sicherheitsrisiko in Armenien.

Die Leute fahren wie gesenkte Schweine. Sie fahren auf, sie rasen, sie überholen dort, wo es nicht geht, und sie achten schlicht null auf andere Verkehrsteilnehmer. Das ist keine Übertreibung und auch kein Einzelfall, sondern der Normalzustand, in der Stadt genauso wie auf der Überlandstrecke. Schon der Bus von Tiflis nach Jerewan war eine Vorschau darauf, der Fahrer hat die gesamte Strecke im gleichen Stil abgerissen.

Das deckt sich mit der offiziellen Einschätzung. Das Auswärtige Amt schreibt, dass Verkehrsregeln in Armenien teilweise nicht beachtet werden und das Unfallrisiko erheblich höher liegt als in Deutschland. Dazu kommt ein Punkt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Die armenische Kfz-Haftpflichtversicherung deckt nur rund 3.000 Euro Sachschaden ab. Wenn dir jemand ins Auto fährt, kannst du also nicht damit rechnen, angemessen entschädigt zu werden. Streitigkeiten musst du gerichtlich klären, und dafür brauchst du auf eigene Kosten einen armenischen Anwalt.

Der zweite Faktor ist der Zustand der Straßen. In Jerewan ist die Lage in der Regel gut. Sobald du rausfährst, wird es anders: Loch neben Loch, teilweise über Kilometer. Dazu kommen laut Auswärtigem Amt defekte Ampeln, fehlende Beschilderung und Leitplanken, fehlende Straßengräben auf Bergstraßen und Erdrutschgefahr nach Regenfällen. Steinschlag-Warnschilder solltest du ernst nehmen.

Unsere konkreten Empfehlungen, wenn du wie wir mit dem Mietwagen unterwegs bist:

Fahr nicht bei Dunkelheit abseits der Hauptstraßen. Plane deutlich mehr Zeit ein, als dir Google Maps anzeigt, weil du auf schlechten Abschnitten kaum vorankommst. Nimm ein Auto mit ausreichend Bodenfreiheit. Schließ eine Vollkaskoversicherung ab und spar dir nicht die 15 Euro Aufpreis, gerade wegen der niedrigen Deckungssumme der lokalen Haftpflicht. Und rechne damit, dass dir Leute auf Landstraßen mit zwei Metern Abstand hinten drauf kleben.

Es gilt ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Der deutsche Führerschein wird anerkannt, der internationale wird zusätzlich empfohlen. Die landesweite Notrufnummer ist die 112.

Wie sich das im Alltag anfühlt, siehst du in unserem Bericht zur Etappe durch den Süden Armeniens.

Naturereignisse, Hitze und Höhe

Armenien liegt in einer seismisch aktiven Zone, Erdbeben kommen immer wieder vor. Das ist keine theoretische Größe: Das Erdbeben von Spitak 1988 gehört zu den schwersten Katastrophen der jüngeren armenischen Geschichte. Für eine zweiwöchige Reise ist das kein Grund, zu Hause zu bleiben, aber es lohnt sich, die Grundregeln bei Erdbeben einmal gelesen zu haben.

Das Klima ist stark vom Gebirgsrelief geprägt. In Jerewan und im Ararat-Tal herrscht trockenes Kontinentalklima mit heißen Sommern, im Nordwesten gibt es kalte, schneereiche Winter. Wir waren im August dort, bei 30 bis 35 Grad. Das war heiß, aber nicht gefährlich. Die trockene Hitze ist deutlich erträglicher als die Schwüle in Südostasien. Trotzdem: Die Nachmittage haben wir weitgehend im Schatten verbracht, und wer im Hochsommer Klöster ohne Schatten abklappert, sollte Wasser dabei haben.

Ein Punkt, den viele unterschätzen: Große Teile Armeniens liegen deutlich über 1.000 Metern, der Süden führt über Pässe von über 2.400 Metern. Das ist keine Höhenkrankheitszone, macht sich aber bei Anstrengung und bei der UV-Belastung bemerkbar.

Im Winter sind Bergpässe im Süden zeitweise gesperrt. Wer die Route Jerewan bis Goris bis Tatev im Januar plant, sollte sich vorher über die Straßenlage informieren.

Politische Lage und Terrorismus

Hier machen wir es kurz, weil hier kurz die ehrliche Antwort ist.

Wir haben in zwei Wochen keinerlei Militärpräsenz gesehen. Keine Checkpoints, keine Kontrollen, keine Panzer, nichts von dem, was man aufgrund der Nachrichtenlage erwarten würde. Der Konflikt mit Aserbaidschan ist im armenischen Alltag präsent, aber er ist nicht sichtbar, jedenfalls nicht dort, wo Reisende unterwegs sind.

Innenpolitisch empfiehlt das Auswärtige Amt, Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig zu meiden. Das ist ein Standardhinweis, dem wir nichts aus eigener Erfahrung hinzufügen können, weil wir schlicht keine gesehen haben.

Zum Terrorismus: Es gibt für Armenien keine spezifische Terrorwarnung, nur den weltweiten Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amts. Das EDA formuliert es so, dass sich ein Restrisiko auch in Armenien nicht ausschließen lässt. Mehr ist dazu ehrlicherweise nicht zu sagen, und wir blähen das hier nicht künstlich auf.

Zwei rechtliche Punkte, die im Zweifel wichtiger sind als die große Politik:

Fotografiere keine militärischen und polizeilichen Einrichtungen, keine Grenzübergänge und keine Anlagen der Metro in Jerewan. Das steht explizit in den offiziellen Hinweisen und ist der wahrscheinlichste Weg, in Armenien Ärger mit Behörden zu bekommen.

Und ein Sonderfall, der für einen Teil der deutschsprachigen Leserschaft direkt relevant ist: Deutsch-armenische Doppelstaater unterliegen der armenischen Wehrpflicht, auch wenn sie nie in Armenien gelebt haben. Wer davon betroffen ist, sollte seine Wehrdienstangelegenheiten vor der Einreise geklärt haben, sonst kann es bei der Ausreise Probleme geben.

Sicherheit für alleinreisende Frauen

Wir müssen hier ehrlich sein: Martina war in Armenien nicht allein unterwegs, sondern durchgehend zu zweit. Firsthand-Erfahrung zum Alleinreisen können wir also nicht liefern und tun auch nicht so.

Was wir sagen können: Belästigung war für uns in zwei Wochen kein Thema. Weder in Jerewan, weder tagsüber noch abends, noch auf den Märkten, noch auf dem Land im Süden. Keine Anmache, kein Anstarren, keine Situation, in der sich Martina unwohl gefühlt hätte. Armenien fühlt sich in dieser Hinsicht deutlich europäischer an als manche Nachbarländer.

Der BMEIA rät dazu, nach Einbruch der Dunkelheit abgeschiedene Plätze zu meiden. Das ist eine sinnvolle Regel, die in Jerewan aber genauso gilt wie in Leipzig oder Wien. Das Zentrum ist abends belebt, gut beleuchtet und bis spät bevölkert.

Praktisch: Taxis über Yandex Go buchen statt auf der Straße anzuhalten. Das ist billig, für 3 bis 4 Euro kommst du quer durch die Stadt, und du hast eine dokumentierte Fahrt mit registriertem Fahrer. Das ist unabhängig vom Geschlecht die bessere Lösung, aber gerade nachts allein eben besonders.

Ein Punkt, der eher Alltag als Sicherheit ist, aber praktisch relevant wird: Englisch ist in Armenien eher semi verbreitet. Bei jüngeren Leuten in Jerewan funktioniert es, außerhalb wird es dünn. Russisch bringt dich deutlich weiter. Wenn du unterwegs Hilfe brauchst, kann die Verständigung ein Problem werden. Ein Übersetzer-App-Offline-Paket auf dem Handy ist deshalb keine schlechte Idee.

Regionale Unterschiede

Armenien lässt sich sicherheitstechnisch ziemlich klar aufteilen.

Jerewan ist unproblematisch. Die Stadt ist kompakt, das Zentrum ist abends belebt, wir sind zu jeder Tageszeit zu Fuß unterwegs gewesen. Was du in Jerewan brauchst, ist die übliche Aufmerksamkeit in Menschenmengen und an der Metro, mehr nicht. Unsere Einschätzung zur Stadt selbst steht in Jerewan Sehenswürdigkeiten.

Der touristische Süden, also Vayots Dzor und der westliche Teil von Syunik mit Noravank, Zorats Karer, Goris und Tatev, ist ebenfalls unauffällig. Hier ist das Risiko das Fahren, nicht die Sicherheitslage. Kloster Chor Virap liegt direkt an der türkischen Grenze, was manche irritiert. Die Grenze ist geschlossen und militärisch gesichert, für Besucher ist der Ort aber völlig normal zugänglich, inklusive Reisebussen und Parkchaos.

Der Sewansee und der Norden Richtung Dilidschan sind Standardziele ohne besondere Auflagen. Achtung nur auf der Route Richtung georgische Grenze: Die Überlandstraße M16/M4 über Idschewan verläuft teilweise entlang der aserbaidschanischen Grenze. Das EDA weist darauf hin, dass es dort in der Vergangenheit zu Schusswechseln kam, die Strecke inzwischen aber baulich besser gesichert wurde. Auf dem Abschnitt Idschewan bis Nojemberjan bis zur georgischen Grenze gilt weiterhin erhöhte Vorsicht.

Das Grenzgebiet zu Aserbaidschan ist die eine Region, wo es ernst wird. Militärische Sperrgebiete, Minengefahr, mögliche bewaffnete Zwischenfälle. Da hast du als Reisender nichts verloren, und es gibt auch keinen Grund, dort hinzufahren.

Das ist auch der ehrliche Unterschied zu unseren Erfahrungen in Georgien, Kasachstan und Kirgistan: In Armenien gibt es eine reale Zone, die du meiden musst. Sie ist nur eben klar abgrenzbar und liegt nicht dort, wo Reisende hinwollen.

Gesundheit

Die medizinische Versorgung ist grundsätzlich gewährleistet, entspricht außerhalb der großen Städte aber nicht europäischem Standard. Bei Behandlungen wird meist Barzahlung verlangt. In entlegenen Gebieten kannst du nicht mit schneller Hilfe rechnen, und der Süden Armeniens ist streckenweise sehr entlegen.

Pflichtimpfungen gibt es für die Einreise aus Deutschland keine. Empfohlen wird eine Hepatitis-A-Impfung, je nach individueller Indikation zusätzlich Tollwut und Hepatitis B. Tollwutfälle treten in Armenien gelegentlich auf, Impfstoffe sind vor Ort nur sehr begrenzt verfügbar. Halte Abstand zu streunenden Hunden.

In großen Städten kann Luftverschmutzung zu Beschwerden führen, das betrifft vor allem Jerewan im Sommer.

Eine Auslandskranken- und Rückholversicherung ist Pflicht, nicht optional. Was das bei längeren Aufenthalten bedeutet, haben wir in unserem Artikel zur Krankenversicherung bei Langzeitaufenthalten im Ausland aufgeschrieben.

Praktische Sicherheitstipps für Armenien

Das sind die Punkte, die in Armenien tatsächlich etwas bringen, keine Binsenweisheiten.

Schau dir vor dem Roadtrip die Teilreisewarnung auf einer Karte an. Die gesperrten Zonen sind straßengenau benannt, und wenn du im Süden unterwegs bist, hilft es zu wissen, dass die Grenze zur Warnzone östlich von Goris verläuft.

Fahr defensiv und rechne mit allem. Der Fahrstil im Land ist das reale Risiko, nicht die Politik. Nimm Vollkasko und keine Selbstbeteiligung, die dir wehtut.

Zahl mit Karte. Das funktioniert fast überall und reduziert die Bargeldmenge, die du herumträgst. Außerhalb Jerewans ist die Automatendichte allerdings dünner, in Provinzhauptstädten gibt es Geldautomaten, auf dem Land nicht. Fahr also nicht ohne Reserve raus. Pro Abhebung sind derzeit maximal 150.000 Dram möglich.

Fotografiere keine Militär- und Polizeieinrichtungen, keine Grenzübergänge und nichts in der Metro.

Reise mit dem Reisepass ein, ein Personalausweis reicht nicht. Ein beschädigter Reisepass führt zur Zurückweisung an der Grenze, und zwar ohne Ausweichmöglichkeit, weil du den Transitbereich nicht verlassen darfst.

Wenn du vorher in Aserbaidschan warst und einen Stempel im Pass hast, rechne bei der Einreise mit einer kurzen Befragung. Das ist unangenehm, aber kein Einreisehindernis.

Trag dich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts ein, wenn du länger bleibst. Kostet fünf Minuten.

Lad dir ein Offline-Übersetzungspaket aufs Handy. Englisch trägt außerhalb von Jerewan nicht weit.

Notfallkontakte in Armenien

DienstNummer

Landesweiter Notruf112

Feuerwehr101

Polizei102

Rettungsdienst103

Gasgebrechen104

Deutsche Botschaft Jerewan, Notfallhandy+374 91 947129 (bis 24:00 Uhr)

Deutsche Botschaft Jerewan, AdresseCharentsstr. 29, 0025 Jerewan

Schweizer Staatsangehörige wenden sich in Notlagen an die Schweizer Botschaft in Tiflis oder an die Helpline des EDA. Österreichische Reisende erreichen den BMEIA-Bürgerservice.

Häufig gestellte Fragen zur Sicherheit in Armenien

Ist Armenien für Touristen sicher?

Ja, für den touristisch relevanten Teil des Landes. Es gibt keine Reisewarnung für Jerewan, den Sewansee oder die bekannten Klöster im Süden. Die Teilreisewarnung des Auswärtigen Amts betrifft ausschließlich benannte Gebiete und Straßen entlang der Grenze zu Aserbaidschan.

Gibt es aktuell Krieg in Armenien?

Nein. Der Krieg um Bergkarabach ist beendet, und laut Auswärtigem Amt hat sich die Lage im Grenzgebiet im Zuge des Friedensprozesses mit Aserbaidschan verbessert. Der Grenzverlauf ist allerdings nicht abschließend festgelegt, vereinzelte bewaffnete Zwischenfälle im Grenzgebiet lassen sich nicht ausschließen.

Kann man von Armenien nach Aserbaidschan oder in die Türkei reisen?

Nein. Beide Landgrenzen sind geschlossen, ein Grenzübertritt ist nicht möglich. Das gilt auch für die Region Karabach und den Latschin-Korridor. Nach Georgien ist die Ausreise auf dem Landweg problemlos möglich, unter anderem über Bavra, Gogavan und Bagratashen.

Wie hoch ist die Kriminalität in Armenien?

Die Gewaltkriminalität ist laut Auswärtigem Amt gering ausgeprägt. Kleinkriminalität wie Taschendiebstahl und Einbrüche kommt vor. Wir wurden in zwei Wochen weder bestohlen noch abgezockt, auch nicht bei Taxis oder auf Märkten.

Ist Autofahren in Armenien gefährlich?

Ja, das ist das größte Risiko im Land. Verkehrsregeln werden vielfach ignoriert, das Unfallrisiko liegt laut Auswärtigem Amt erheblich höher als in Deutschland. Außerhalb Jerewans sind die Straßen oft in schlechtem Zustand. Die lokale Kfz-Haftpflicht deckt nur rund 3.000 Euro Sachschaden ab.

Ist Armenien für alleinreisende Frauen sicher?

Nach unserer Beobachtung ja, wobei wir zu zweit unterwegs waren und keine eigene Erfahrung mit dem Alleinreisen haben. Belästigung war in zwei Wochen kein Thema. Der BMEIA rät dazu, nach Einbruch der Dunkelheit abgeschiedene Plätze zu meiden. Taxis solltest du über Yandex Go buchen statt auf der Straße anzuhalten.

Braucht man ein Visum für Armenien?

Nein. Deutsche, österreichische und schweizerische Staatsangehörige reisen visumfrei ein und dürfen sich bis zu 180 Tage pro Kalenderjahr im Land aufhalten. Ein gültiger Reisepass ist zwingend, ein Personalausweis wird nicht akzeptiert.

Unser Fazit: Ein ganz normaler Städtetrip mit einem echten Risiko

Armenien ist genau so sicher, wie wir es erwartet hatten. Nicht mehr, nicht weniger. Das klingt unspektakulär, und genau das ist der Punkt: Es fühlt sich an wie ein ganz normaler Städtetrip. Es ist nicht krass sicher in dem Sinn, dass du alles liegen lassen könntest, und es ist auch nicht gefährlich. Normale Vorsicht reicht völlig.

Wer wegen der Nachrichten zögert, sollte sich klarmachen, wie weit Bergkarabach und die Grenzzone von einer normalen Armenienreise entfernt sind. Du fährst schlicht nicht dorthin. Was du siehst, sind Klöster, Schluchten, Steinkreise und eine Hauptstadt, in der du abends problemlos zu Fuß unterwegs bist.

Der einzige Punkt, an dem wir wirklich Bauchschmerzen hatten, ist der Verkehr. Wenn du einen Mietwagen nimmst, und das ist unsere Empfehlung, weil das Beste an Armenien außerhalb von Jerewan liegt, dann fahr defensiv, nimm Vollkasko und plan mehr Zeit ein als du denkst. Der Rest regelt sich von selbst.

Für Backpacker, Digitale Nomaden, Paare und Alleinreisende ist Armenien unproblematisch. Für Familien mit Kindern gilt dasselbe, mit dem einen Vorbehalt, dass die langen Autoetappen auf schlechten Straßen anstrengend sind und die medizinische Versorgung außerhalb Jerewans nicht europäischem Standard entspricht.

Kurz: Die Angst vor Armenien ist größer als das Risiko in Armenien. Das gilt für alles außer dem, was auf vier Rädern unterwegs ist.

Quellen

  • Auswärtiges Amt, Armenien: Reise- und Sicherheitshinweise (Teilreisewarnung), Stand 17.08.2026, unverändert gültig seit 12.06.2026: auswaertiges-amt.de
  • Deutsche Botschaft Jerewan, Reise und Sicherheit, Stand Juni 2026: eriwan.diplo.de
  • BMEIA, Außenministerium Österreich, Reiseinformation Armenien, abgerufen August 2026: bmeia.gv.at
  • EDA, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, Reisehinweise für Armenien, abgerufen August 2026: eda.admin.ch

Sicherheitslagen ändern sich. Dieser Artikel gibt den Stand August 2026 wieder und unsere eigenen Beobachtungen aus zwei Wochen im Land. Prüf vor deiner Reise immer die aktuellen Hinweise deines Außenministeriums, die Teilreisewarnung wird regelmäßig angepasst.


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