Gain-Regler: Diese Lampen dürfen nie rot leuchten

AussteuerungsanzeigeEs ist nicht schwierig einen Song sauber mit dem Gain-Regler einzupegeln. Das beweisen mir sechs Jugendliche bei einem DJ-Workshop.

Also warum übersteuern manche Club-DJs mit jahrelanger Erfahrung das Mischpult und finden rote Pegelanzeigen cool?

Mischpult Grundlagen

Für House Meets Charity e. V. gab ich neulich einen DJ-Workshop für Anfänger im Alter von 12 bis 16 Jahren. Die Teilnehmer hatten nie zuvor ein Mischpult bedient oder Plattenspieler genutzt.

Umso mehr begeisterte mich, wie die Jugendlichen mit der Technik gespielt haben. Sie experimentierten mit CD-Decks, MP3-Playern, Plattenspielern und Mischpulten.

Welchen Einfluss Gain-Regler und Line-Fader am Mischpult haben, begriffen sie nach einer kurzen Erklärung sofort – ohne viele Worte von mir.

Was stellst du mit dem Gain-Regler ein?

Dann fiel mir auf, dass alle Workshop-Teilnehmer die Gesamt-Lautstärke über den Gain-Regler steuerten. Nach ein paar Minuten leuchteten alle Aussteuerungs-Anzeigen nur noch rot. Stellenweise war die Musik grässlich verzerrt.

Für Anfänger ist das vollkommen in Ordnung. Denn sie wussten ja noch nicht, dass die Lautstärke über den Master-Regler eingestellt wird.

Ich erklärte den angehenden DJs,
dass keine Lampe am Mischpult rot werden darf.

Ich musste ihnen nur zeigen den Gain-Regler soweit zurückzudrehen, bis alle Lampen wieder grün oder maximal gelb leuchten. Darauf sollten sie achten.

Diesen Zusammenhang begreifen 12-Jährige binnen Sekunden. Alle haben sich die nächsten drei Stunden peinlich genau daran gehalten. Lektion gelernt.

Gain-Regler und Aussteuerungs-Anzeige eines DJM 900 Mischpults

Gain-Regler und Aussteuerungs-Anzeige eines DJM 900 Mischpults

Mischpult richtig einpegeln

Deshalb frage ich mich nach dem Workshop, wieso es Club-DJs gibt, bei denen es als cool gilt das Mischpult zu übersteuern: “Hey, die PA muss das abkönnen” oder “Sonst ist es nicht laut genug”.

  • Ist der Master-Regler an der Obergrenze angelangt, dann geht einfach nicht mehr Pegel. In diesem Fall hilft es nichts die Gain-Regler weiter aufzudrehen.
  • Mehr Lautstärke ist nur über die Verstärker möglich, sofern an diesen Reglern noch Luft nach oben ist. Ansonsten hilft nur eine größere und bessere Musikanlage.

Gain-Regler richtig einstellen

Am besten stellst du den Gain-Regler bei jedem Lied neu ein. Achte darauf, dass die Aussteuerung nur maximal +4 dB anzeigt.

Ich komme aus einer analogen Welt der Tonband-Geräte und Kompaktkassetten. Selbst für das beste Bandmaterial galt die maximale Obergrenze von +4 dB Aussteuerung. Danach wird das Audio-Signal verzerrt.

Bei digitalen Audio-Geräten ist die Grenze 0 dB. Mehr ist technisch nicht möglich, denn darüber wird das Signal abgeschnitten. Der 4 dB Headroom analoger Geräte existiert nicht. Bei mehr als 0 dB taugt das Soundergebnis als Digi-Crush-Effekt aber nicht als Musik.

Unterschiedliche Lautstärke ausgleichen

Wenn ich Songs als MP3-Datei vom USB-Stick spiele, mache ich zurzeit die Erfahrung, dass ich wieder öfter den Gain-Regler des Mischpults benutzen muss.

Die Lieder sind nicht normalisiert und teilweise extrem stark komprimiert. Deshalb klingen MP3-Dateien so unterschiedlich. Meine CDs hatte ich alle auf 98 % normalisiert und musste den Gain-Regler deshalb nie anfassen.

Wie gehst du mit unterschiedlichen Pegeln und dem Gain-Regler um? Hast du einen Tipp, wie ich MP3-Dateien auf dem Mac normalisieren kann? Ich würde mich über deinen Tipp freuen.


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