Frauen und IT – unerkanntes Potential? (1)

Silvia von twago.de, einer internationalen Plattform zur Vermittlung professioneller Dienstleistungen hat einen Gastbeitrag zum Thema Frauen & IT für uns verfasst. Hier kommt der erste Teil des Artikel – der zweite wird am 18. November folgen.

Es gibt selten Berufsfelder, die derart vom „starken Geschlecht“ dominiert sind – das weite Feld der Informationstechnik (IT) ist ein solches. Seit Jahren versuchen Technische Universitäten mehr weibliche Studentinnen in den Hörsaal zu locken und für technische Berufe zu begeistern – doch vergeblich.

Zu Beginn sollte die Frage geklärt werden, warum bei Frauen eine generelle Abneigung gegenüber IT-Berufen besteht? Geprägt von veralteten Rollenbildern wollen junge Mädchen Ärztin, Kindergärtnerin oder Krankenschwester werden, so eine Studie aus dem Jahre 2007 des Deutschen Jugendinstituts. Um diese „verkrusteten“ Rollenbilder aufzuheben, bedarf es neuer – doch die sind Mangelware. Erfolgreiche deutsche Frauen in der IT sind selten. Oder kennen Sie etwa Regine Stachelhaus oder Angelika Glifford? Beide erfolgreiche IT-Frauen großer Konzerne wie E.ON oder Microsoft Deutschland.

Neben den vorgeprägten Denkstrukturen hat die IT-Branche an sich mit einem Imageproblem zu kämpfen. Das Bild sozial inkompetenter Computerfreaks, die nächtelang vor dem PC verbringen, sitzt tief. „Die Begeisterung junger Frauen ist kein Selbstläufer. Wir müssen junge Frauen für technische Berufe gewinnen“, so Prof. August-Wilhelm Scheer, BITKOM Präsident.

Frauen empfinden auch die Unternehmenskultur im IT-Bereich als stark männlich geprägt. Das Gefühl sich beweisen zu müssen, um unter den männlichen Kollegen bestehen zu können, hindert viele Frauen am Einstieg in die Branche. Aufstiegschancen im IT-Sektor werden als unwahrscheinlicher erachtet als in anderen Bereichen. Bedenkt man, dass für Frauen eine Entscheidung für die Karriere immer noch eine Doppelbelastung bedeutet, scheint es unlogisch, sich in einer Domäne etablieren zu wollen, die noch zusätzliche Anstrengung erfordert. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch weiterhin ein relevanter Punkt für Frauen.

Anteil von Frauen in IT-Berufen

Anteil von Frauen in IT-Berufen

Den dringenden Handlungsbedarf zeigt auch die aktuelle Statistik der BITKOM: 2009 betrug der Frauenanteil in IT-Ausbildungsberufen nur 9,0 Prozent. 2005 hingegen lag er noch bei 10,6 Prozent. In IT-bezogenen Studiengängen sieht die Lage ähnlich aus, wie die aktuelle Untersuchung zeigt. In freiberuflichen IT-Tätigkeiten sind Frauen noch seltener anzufinden. Eine Analyse der Onlinevermittlungsplattform twago.de für Dienstleister aus den Bereichen Programmierung sowie Design und Medien hat gezeigt, dass die Frauenquote abnehmend ist. „In den letzten Monaten hat sich die Anzahl unserer Programmierer stark erhöht, bei der genauen Auswertung unserer Dienstleisterdaten mussten wir feststellen, dass gleichzeitig der Frauenanteil gesunken ist. Unter den Grafikdesignern und Mediengestaltern hingegen ist immer noch ein hoher Prozentsatz Frauen“, so Gunnar Berning, Gründer und Geschäftsführer der twago GmbH.

Fortsetzung folgt am 18. November.


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