Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,
heute Abend möchte ich Euch eine kleine Geschichte von dem alten Sokrates erzählen:
„Sokrates und die Fülle der Waren“
„Sokrates, der ein kluger und weiser Mann war, führte ein erfülltes und äußerlich einfaches Leben. Er pflegte nicht einmal Schule zu tragen und doch ging er in regelmäßigen Abständen auf den Marktplatz der griechischen Hauptstadt Athen und betrachtete sich dort die Fülle der angebotenen Waren.Eines Tages fragte ihn jemand: „Lieber Sokrates, weshalb kommst du so regelmäßig auf den Marktplatz und kaufst doch nicht ein?“
Sokrates antwortete: „Ich komme hierher, um mir immer wieder klar zu machen, wie viele Dinge angeboten werden, die ich im Grunde gar nicht benötige.“

Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

www.sokraten.de

Ihr Lieben,
ich finde es sehr erstaunlich: Sokrates lebte vor über 2.400 Jahren und dennoch reden wir immer noch über ihn. Wird man in 2.400 Jahren auch noch von uns reden?
Worin liegt der Grund, dass wir auch heute noch über das nachdenken, was Sokrates gesagt hat? Ich glaube, es liegt daran, dass wir tief in unserem Inneren spüren, dass seine Worte unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse nach dem wahren, dem echten Leben berühren.

Als ich diese Geschichte las, musste ich unwillkürlich an meine Großeltern denken, die als Bauern auf einem großen Bauernhof lebten. Einen Fernseher haben sie nie besessen und als das, was wir heute für unentbehrlich halten, wie z.B. einen Computer, ein Smartphone, eine Digitalkamera, auch nicht.
Aber eines ist merkwürdig: Sie hatten Zeit. Mein Großvater hat 6 Kinder gezeugt. Er hat sehr viel und sehr fleißig gearbeitet und meine Großmutter auch, aber sie hatten Zeit für sich, Zeit für Ihre Kinder, Zeit für ihre Angestellten und Arbeiter, Zeit für ihre Verwandten, Freunde und Bekannten.
Ich sehe heute noch den lang gestreckten Tisch in der großen Stube, an dem sich abends alle zum Essen einfanden: Die Familie, die Gäste, die Angestellten und Arbeiter. Da wurde geschmaust, da wurde fröhlich manches Gals Wein getrunken und da wurde vor allem miteinander geredet und einander zugehört.

Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

www.chefkoch.de

Und wenn jemand etwas auf dem Herzen hatte, dann nahmen sich nach dem Essen mein Großvater oder meine Großmutter Zeit, ihnen zuzuhören, um sie dann sie zu trösten, wenn es nötig war, sie zu ermutigen, wenn das wichtig war, um ihnen Tipps zu geben, wenn das hilfreich war, oder um ihnen auf eine sonstige Weise zu helfen.
In der letzten Zeit habe ich immer wieder Gespräche mit jungen Menschen geführt. Dabei ist mir z.B. Folgendes aufgefallen: Mehrere junge Menschen zeigten mir stolz ihr Smartphone, aber dann folgte ein dickes „ABER“, denn sie teilten mir mit, dass sie hofften, bald ein noch weit besseren Smartphone zu bekommen.
Mich hat das sehr traurig gemacht, denn die Hoffnung auf ein noch besseres Smartphone verhindert, dass sich die jungen Leute wirklich intensiv über das Smartphone, das sie bereits besitzen, freuen können.
Diese Jagd nach dem, was wir angeblich brauchen, diese Eile, das zu erwerben, was wir angeblich unbedingt benötigen, lässt uns nicht zur Ruhe kommen, das raubt uns auch Zeit, still zu sitzen und das zu genießen, was wir haben.
Ich habe mich sehr oft gefragt, warum meine Großeltern trotz ihres Fleißes und ihrer vielen Arbeit so viel Zeit hatten, z.B. für uns Enkel, wenn wir sie in den Ferien besuchten, und ich glaube die Antwort auf diese Frage ist in ihrer Bescheidenheit zu finden. In dem Wort Bescheidenheit steckt das Wort „scheiden“, also auf etwas verzichten.

Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

Quelle: Astrid Müller

Meine Großeltern besuchten niemals Einkaufszentren, die es zu ihrer Zeit noch gar nicht gab. Die Zeit, die sie für die Anfahrt zu einem Einkaufszentrum, den Aufenthalt dort und die Rückfahrt von dort hätten aufwenden müssen, konnten sie ihren Enkeln schenken.
Meine Großeltern besaßen keinen Fernseher. Sie schauten keine Tatorte, keine Weltmeisterschaften, keine Vorabendserien. Stattdessen saßen sie abends vor ihrem Bauernhof auf einer großen Bank und unterhielten sich mit und Enkeln oder lasen uns in der guten Stube etwas vor.
Meine Großeltern besaßen kein Handy. Wer etwas wollte, konnte sie ganz früh morgens oder spät abends am Festnetztelefon erreichen. Sie waren nicht immer erreichbar, aber das hatte den wundervollen Nebeneffekt, dass sie, wenn sie mit uns Enkeln etwas unternahmen, sich uns voll und ganz widmen konnten und nicht durch ein aufdringliches Klingeln gestört wurden.Manchmal wünsche ich mir die alten Zeiten zurück!Es gibt so viel, was ich nicht brauche!
Ihr Lieben,
trotz der Fußballweltmeisterschaft und trotz alle der Dinge, die wir angeblich brauchen, wünsche ich Euch, dass Ihr auch an das denkt, was Ihr wirklich braucht: Glück, Liebe, Freude, Zuwendung, Hoffnung, Mut, Zuversicht, ein Lächeln…
Ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner

Es gibt so viel, was ich nicht brauche!

www.ontopic.de



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