Eingetaucht im Deep Web

Eingetaucht im Deep WebDas Internet, wie wir es kennen und nutzen ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Doch jenseits von dem, wohin uns bing, Google & Co. verweisen, verbirgt sich eine weitgehend anonyme Welt von Foren, mehr oder weniger dubiosen Online-Marktplätzen, Seiten mit politischem Hintergrund und vielem mehr. Das Deep Web, auch invisible, oder hidden Web genannt. Eine Welt mit Licht und Schatten. Einerseits frei von Indizierung und voller nützlicher Tipps, wie man in Zeiten von NSA-Überwachung der totalen Kontrolle entgehen kann, andererseits ein Tummelplatz von kriminellen Elementen, welche Hacking, gestohlene Kreditkarteninformationen, sogar Waffen und Drogen zum Verkauf anbieten, so selbstverständlich wie Bücher bei Amazon, oder Musik bei iTunes.
Mit einem normalen Browser bleibt einem diese Welt jedoch verschlossen, denn diese Websites beginnen weder mit "www", noch enden sie mit".com". Selbst Domains im eigentlichen Sinne gibt es nicht, die Adresse besteht aus einer schlecht merkbaren Aneinanderreihung von Ziffern und Buchstaben und beinhalten stets das Wort "onion". Merkmal des verschlüsselten Tor-Netwerks. Nachdem man also den passenden Browser installiert hat (unbedingt zum eigenen Schutz auch JAVA-script deaktivieren), kann es losgehen.
Startpunkt ist das "Hidden Wiki" - eine Ansammlung von Links. Ich lande auf einer rechtsradikalen Seite, wo neben verfassungsfeindlichen Thesen auch Tipps zum Bomben bauen gegeben werden. Bevor ich mich durch das Öffnen irgendwelcher PDF-Anleitungen strafbar mache, ziehe ich weiter und lande auf einer Seite, wo offen Auftragsmorde gegen Bitcoins angeboten werden. Überhaupt stellen Bitcoins die Zahlungsmethode schlechthin im Deep Web dar. Warum? Auch hier wieder totale Anonymität. Was Betrug ist, und welche Angebote tatsächlich real, lässt sich nicht immer leicht sagen. Sowohl Betrüger, als auch Fahndungsbehörden könnten am anderen Ende der Leitung sitzen. Wer ein solches Angebot wahrnehmen möchte, der verdient dieses Risiko jedoch.
Wieder ziehe ich angewidert weiter und lande bei einem Marktplatz, welcher tatsächlich so etwas wie Prinzipien zu haben scheint. Auftragsmorde, Waffen, oder Kinderpornografie wird man dort nicht finden. Dafür aber allerlei Spionage-Tools wie schwimmende Plastikenten mit GPS und eingebauter Kamera. Oder Spiegel, mit verstecktem Mikrofon und Kameralinse, welche auf Bewegungen reagiert und sich automatisch ein- und ausschaltet. Oder Laser mit einer Stärke, welche man im Einzelhandel wohl vergeblich suchen dürfte. Etwas James Bond-Feeling kommt auf. Selbst ein Bewertungssystem für die Vertrauenswürdigkeit des Verkäufers ala ebay gibt es. Ganz so prinzipientreu wie gedacht sind die Betreiber dieses Marktplatzes dann aber doch nicht. Drogen in allen möglichen Sorten und Größenordnungen kann man selbstverständlich ordern, diese kommen dann luftdicht und diskret verpackt per Post, so verspricht der Anbieter.
Für heute habe ich genug aus dem Deep Web gesehen. Nützliche Dinge wie anonyme Chatprogramme und E-Mail-Dienste, interessante Blogs, aber auch etliches, was besser unter der Oberfläche bleiben sollte.
Anmerkung: Dieser Artikel soll keinesfalls eine Anleitung darstellen, illegalen Aktivitäten nachzugehen, weshalb ich die Nennung von Plattformen, oder gar konkrete Links bewusst weglasse. Ob die angeborene, menschliche Neugier es wert ist, einen Blick auf diese dunkle Welt zu werfen, muss jeder für sich selbst entscheiden.