Eine Zeitreise nach Bad Gastein

Zeitreise Bad GasteinZeitreise nach Bad Gastein

Ich wache früh morgens auf und das Erste was ich aus dem geräumigen Fenster der Panoramasuite unseres Hotels erblicke, ist dieser wolkenverhangene Blick in das Salzachtal im Salzburger Land. Schon schön diese Wolkenspiele im Zeitraffervideo, aber mit wandern wird es wohl eher nichts werden heute. Seit 2 Tagen regnet es nun durchgängig. Bisher ist der Sommer 2016 mehr als nass und das Wetter an diesem Tag ist einfach nur mies. Auf Wellness habe ich so überhaupt keine Lust, also mache ich mich auf den Weg nach Bad Gastein. Gelesen und gehört hatte ich schon mal ein bisschen was darüber: Bad Gastein - das Monte Carlo der Alpen, Wolkenkratzerdorf oder Kur- und Wintersportort. Auch Phrasen wie: Bad Gastein – du liebst es oder du hasst es. Wenn ich Google nach Bad Gastein befrage sehe ich nur Top Hochglanzbilder. Sieht es dort wirklich so aus? Ich will mir daher meine eigene Meinung über Bad Gastein bilden.


Ankunft in Bad Gastein

Bad Gastein Bahnhof Zeitreise Bad Gastein Bad Gastein Niedergang

Ich fahre die Gasteiner Bundesstraße hoch, vorbei an Bad Hofgastein und erreiche schließlich Bad Gastein. Kurz nach dem Bahnhof und der Felsentherme, gibt es einen kleinen kostenlosen Parkplatz. So da bin ich nun im Monte Carlo der Alpen. Zum Glück hat der Niederschlag in Form von Regen aufgehört und der Wind versucht Lücken in die Wolkendecke zu reißen. Ähm, 1. Wo sind die Menschen? Ich sehe keine. 2. Wenn so das Monte Carlo der Alpen aussieht, na dann Gute Nacht. Ok, ein bisschen voreilig, also schnappe ich mir meine Kamera und beginne, vom Bahnhof und der Felsentherme ausgehend, den Ort zu erkunden. Was mir sofort auffällt, es ist nichts los hier, kaum Autos unterwegs und noch weniger Menschen.

Es ist Juni und eigentlich Hochsaison. Es ist wie so eine Vorahnung, hier war mal Leben, aber heute? Die ersten Bilder die ich mache spiegeln das wieder, schöne kleine Pensionen und Hotels. Stopp, es waren mal welche, aber nun gammeln sie vor sich hin. Der Rost nagt am Metall, Schilder überwuchern und die Natur holt sich langsam zurück, was ihr genommen wurde. Wörter wie Ruhezone und Bergfriede springen mich an. Hinter den großen Fenstern mit ihren Gardinen aus den Siebzigern, sieht man Spinnweben. Es ist bedrückend, modrig und ich sehe immer noch keine Menschen.


Der Wasserfall von Bad Gastein

Bad Gastein Wasserfall

Dafür wird es nun laut. Ich nähere mich der Gasteiner Ache. Ich sehe sie nicht, aber ich höre sie. Nach den Regenfällen der letzten Wochen und der Schneeschmelze befördert sie Unmengen an Wasser Richtung Wasserfall.

Der Wasserfall von Bad Gastein knallt förmlich, über drei Stufen hinweg, mit einem Höhenunterschied von ca. 340 m, durch den Ort. Unter einer Brücke hindurch und vorbei an Häusern die furchtlos auf die Felsen gebaut wurden. Die Gischt sprüht mir ins Gesicht. Gesund soll das sein, denn durch die Zerstäubung des Wassers ist die Luft negativ ionisiert und gilt als ein wichtiges Kurmittel. Kann ja nicht schaden, also sehe ich mir das Spektakel noch eine Weile an. Ich überlege mir, wie es sich wohl lebt, direkt an der Gasteiner Ache. Es ist laut, überall feucht und ich will weg von dem Wasserfall. Es ist mir hier zu laut und tosendes Wasser mag ich auch nicht.



Bad Gastein leere Hotels Bad Gastein Hotel Straubinger

Das Hotel Straubinger

Der Weg spuckt mich nun am Badeschloß und am Hotel Straubinger aus. Das sind sie nun diese grandiosen Bauten aus der Belle Époque oder was von ihnen übriggeblieben ist. Beide Häuser stehen leer, wie so viele andere im Stadtkern. Einst war das Hotel Straubinger das größte Hotel im Ort und der bekannte Sternekoch Eckart Witzigmann absolvierte dort seine Kochausbildung, 1957 war das, lange her.

Noch länger her war die Gasteiner Konvention die am 14. August 1865 im Hotel Straubinger unterschrieben wurde. Die Gasteiner Konvention regelte die Übereinkunft von Preußen und Österreich über die Elbherzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Unterzeichnet wurde dieses Übereinkommen durch Otto von Bismarck und Gustav von Blome. Bismarck war auch derjenige, dem wir die deutsche Sozialversicherung zu verdanken haben, so hat er mit der kaiserlichen Botschaft von 1881 den Grundstein hierfür gelegt.


Bad Gastein Badeschloß

Das Badeschloß

Gegenüber das Badeschloß direkt am Wasserfall, gebaut 1791 bis 1794. Kaiser Wilhelm I. residierte hier 1863 bis 1887 wenn er sich zur Kur in Bad Gastein aufhielt. Ich stehe auf dem Platz und sehe mir die beiden Häuser an und versuche mir vorzustellen, wie es hier einmal ausgesehen haben könnte. Die feine Damen und Herren flanieren über den Platz, das Leben pulsiert. Schwer vorzustellen. Mich hupt ein Autofahrer an und reißt mich aus meinen Gedanken, denn ich hatte ganz vergessen, dass ich ja mitten auf der Straße stehe. Irgendwie ist mir wehmütig, diese geschichtsträchtigen Bauten stehen leer, verfallen und modern vor sich hin. 


Bad Gastein Verfall

Der Brand im Badeschloß

Am 27. März 2013 wurde der Dachstuhl des leerstehenden Gebäudes durch einen Brand vollkommen zerstört. Wie sich herausstellte war dies Brandstiftung. Zuerst sollte im Eingangsbereich Feuer gelegt werden, was jedoch scheiterte. Daraufhin wurde am Dachboden alte Bettwäsche angezündet. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot und schwerem Atemschutz an, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Der Sachschaden belief sich auf ca. 800.000 €. Der damalige Eigentümer des Gebäudes gab an „das Gebäude sei ja versichert“. Wie es wohl mit dem Gebäude weitergeht? Es scheint die Investoren wohl nicht großartig zu interessieren.

Weiter geht es in Richtung Stadtzentrum.


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Das Haus Austria

Das Haus Austria im Zentrum von Bad Gastein ist ein wahrlich imposanter Bau. Gebaut wurde dieses von der Familie Straubinger und im Jahre 1898 als Hotel Austria eröffnet. Wo einst die nobelsten Juweliere und Couturiers ihre Dependancen für gehobene Sommerfrischler betrieben, ist Ruhe eingekehrt. Viel Ruhe. Das Haus Austria ist mit einem Bauzaun abgesperrt, der mich vor herabfallendem Putz schützen soll. In den Bögen der Schaufenster, der ehemaligen Geschäftslokale sind großflächige schwarzweiß-Bilder von längst vergangenen Tage zu bewundern. Die Reichen und Schönen der Belle Époque, der Nachkriegszeit und der sechziger bis hin zu den achtziger sind abgelichtet. Die schwarzweißen Bilder vermitteln ein bisschen von dem was einmal war. Und heute? Bröckelt der Putz. Schönheit und Ruhm sind vergänglich, schießt mir durch den Kopf. Auch das Gasteiner Museum das hier einmal untergebracht war, ist umgesiedelt. Das Haus Austria, ein weiterer Bau der verfällt. Was ist mit dieser Stadt und ihren Gebäuden geschehen? Warum verfallen diesen Bauten? Keine Zeit zum weiteren Nachdenken, denn ich drehe mich um und sehe das Kongresshaus. Auweia, was ist das denn?


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Das Kongresshaus

Alter verwaschener Beton mit lieblos hingestellten Betonkübeln aus dem irgendwas Grünes wuchert. Das Kongresszentrum: ein Bau von Gerhard Garstenauer, der 1974 fertig gestellt wurde. Irgendwie erinnert mich das Kongresszentrum an Nürnberg Langwasser. Der Treppenaufgang der zum Dachterrasse führt ist abgesperrt und es wachsen Unkraut und Büsche aus dem Beton.  Ich gehe an der Treppe vorbei um’s Eck und erblicke eine Beschriftung mit „Passage“. Ich gehe weiter und blicke auf die Terrassen des Kongresszentrums.  Die Betonplatten unter mir bröckeln und kippeln. Überall versuchen Pflanzen und Unkraut sich den Weg durch den Beton zu bahnen – mit Erfolg. Es ist nicht ratsam weiterzugehen, zudem mich ein Schild daraufhin weißt, nicht weiterzugehen - Privatgelände. Ich drehe mich um und gehe wieder. Zum Glück wurde das Kongresszentrum nicht nach oben, sondern nach unten gebaut, denke ich mir, somit blieb Bad Gastein ein weiteres Hochhaus erspart.


Bad Gastein Grand Hotel Bad Gastein Grand Hotel de l Europe

Das Grand Hotel de l´Europe

Ich gehe weiter und stehe vor dem Grand Hotel de l´Europe.  Einst war es ein Luxushotel, das 1909 eröffnet wurde und mit seinen zehn Stockwerken zu den größten und modernsten Hotels der österreich-ungarischen Monarchie zählte.  Zu den Gästen des prunkvollen Hotelkomplexes zählten unter anderem zahlreiche Mitglieder verschiedener Königsfamilien (König Ferdinand von Bulgarien, König Faisal I. vom Irak, Ibn Saud, Schah von Persien) sowie Industrielle (Wilhelm Opel), Schriftsteller und Musiker (Heinrich Mann, Robert Stolz, William Somerset Maugham, Liza Minnelli).  Heute befinden sich in den oberen Stockwerken neu sanierte Appartements und Zimmer und im Untergeschoss der Dinner-/Ginclub „Ginger n Gin“. 


Bad Gastein Zukunft

Was war passiert in Bad Gastein?

Nach dem Krieg und dem Kurtourimus hat Bad Gastein anscheinend den Anschluss verpasst sich an die Zeit anzupassen. Dann kamen noch die Investoren hinzu, die viel versprachen und nichts hielten. Noch heute schwelt der Streit mit Bad Gastein und den Investoren. Es gab viele Ideen und Versuche die vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen. Viele waren nicht erfolgreich.


Zukunft von Bad Gastein Bad Gastein Hotel Post
Bad Gastein Silver Bullet Bad Gastein Town House

Das neue Bad Gastein

Das neue Bad Gastein habe ich in der Kürze der Zeit nicht kennenlernen dürfen. Es gibt es aber, so verbucht Bad Gastein laut dem österreichischem Tourismusverband steigende Besucherzahlen und rangiert in den Übernachtungen auf Platz 11. Es sind vor allem die Winterurlauber und Skandinavier die in die Stadt kommen.

Auf dem Weg hinauf zur Bundesstraße komme ich an neu renovierten Hotels, Restaurants, Bars und an einem Kletterpark vorbei. Sieht alles schick aus. Ein Spiel aus Vergangenheit und Moderne. Lifestyle und ein bisschen Retro eben. Das ist momentan hipp und schick.

Bad Gastein Zukunft

An dem Bahnhof angelangt werfe ich noch einen letzten Blick über die Bahnlinie und die Wolken verhangenen Gipfel und verabschiede mich von Bad Gastein. Ob ich noch mal wiederkomme? Wahrscheinlich ja, denn schließlich sieht man sich ja immer zweimal im Leben :-).

Habt ihr schon mal Bad Gastein besucht und wie waren eure Eindrücke? Antworten in den Kommentaren sind gerne gesehen.

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