Eine Überlebenstheorie

Eine Überlebenstheorie

Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Melvin, der sich nicht von seiner toten Frau trennen wollte? Kürzlich traf ich ihn wieder oben im Wald. Er sass auf der Bank, von der man einen wunderbaren Blick über das weite Land hat, vom Jurabogen bis zu den Viertausender der Alpen. Ich setzte mich zu ihm und wir kamen ins Gespräch.

„Ich habe wieder eine Freundin“, sagte er.

„Oh, das freut mich“, antwortete ich, „kommt doch mal zusammen vorbei, dann können wir meinen neuen Schnaps degustieren.“

Komischer Kerl, dachte ich, beim letzten Mal hatte er noch behauptet, schwul zu sein. Vielleicht war seine Freundin in Wirklichkeit ein Freund.

Er zog ein vergammeltes Bild aus der Tasche. Es war tatsächlich eine Frau. Meiner Erfahrung nach kein Engel.

„Sie hat kleine Titten“, sagte er entschuldigend. „Dafür hat sie einen hübschen Hintern.“

„Das macht nichts“, entgegnete ich, „ich mag kleine Brüste.“

Er schaute mich schräg an. Ob ich was Falsches gesagt hatte?

„Wo habt ihr euch denn kennen gelernt?“

„In der Vorbereitungsgruppe. Wir haben zusammen vakuumiert.“

„Ich will keine Details wissen“, winkte ich ab. Heutzutage hat ja jeder einen Fetisch. Das geht mich nichts an.

„Man kann fast alles vakuumieren“, insistierte er.

„Ja, natürlich.“ Das Gespräch wurde immer peinlicher, fand ich.

„Es macht richtig Spass, zu sehen wie es da raussaugt.“

„Das liegt in der Natur des Vakuums. Ich habe manchmal ein Vakuum im Kopf. Dann kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen“, versuchte ich abzulenken.

„Nur rote Beete geht schlecht. Der ganze Saft ist uns in den Motor gelaufen und das Gerät sah aus, als hätte man damit ein Schwein geschlachtet.“

Mir dämmerte, dass meine Fantasie wohl schmutziger war, als sein Vakuumieren. Vermutlich bin ich rot geworden. Ich hoffe, er hat das nicht bemerkt.

„Was ist denn das für eine Vorbereitungsgruppe?“, fragte ich.

„Zweitausend und Zwölf. Wir bereiten uns auf den Untergang der Welt vor.“

Jetzt verstand ich. Die beiden hatten vermutlich Nahrungsvorräte verpackt.

„Wozu braucht ihr denn Vorräte? Wenn die Welt untergegangen ist, ist niemand mehr da, der Hunger hat. Alle Nahrungsprobleme sind dann gelöst.“

„Es gibt immer Überlebende. Auch wenn es die Erde zerreisst. Vielleicht treiben wir dann auf einem Überrest durch das All. Wir haben zusammen einen alten Bus gekauft. Einen Zweistöcker.“

„Aha“, machte ich, „und damit wollt ihr durch den Weltraum reisen.“

„Ach was, mach dich nicht lustiger als du bist. Wir werden den Bus eingraben und als Bunker herrichten.“

Er spinnt noch mehr als Armin, dachte ich.

„Dazu braucht es aber eine Baubewilligung.“

„Wenn die Welt untergeht, ist auch das Problem mit den Baubewilligungen gelöst“, meinte er.

„Weißt du was, Melvin: das nächste Mal, wenn ich meinen Freund Armin besuche, nehme ich dich mit. Ich denke, ihr werdet euch prächtig verstehen.“

„Wo wohnt er denn.“

„Im Sanatorium.“

„Wunderbar, dort wollte ich schon lange mal hin.“

 

Mit ein bisschen Irrsinn erträgt man die Welt leichter. Auch den Weltuntergang. Euer Traumperlentaucher.

Eine Überlebenstheorie



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