Eine sommerliche Liebesaffäre in CALL ME BY YOUR NAME

Es ist der Sommer des Jahres 1983. Wir finden uns in Luca Guadagninos Call Me By Your Name in der sommerlichen Idylle Norditaliens wieder. In der Adaption von André Acimans 2007er Roman bekommen wir sonnengeflutete Bilder, herrliche Frühstücke auf der Veranda, Fahrradausflüge durch beschaulich-ländliche Landschaften vor dem Hintergrund einer Pre-Handy und Social Media bestimmten Zeit, in der man lieber musiziert, liest oder sich mit der puren Schönheit der Natur beschäftigt. Diese Romantik kann allerdings ganz schön zäh und langatmig wirken.

Hier treffen wir zuerst auf den 17 Jahre jungen Elio (Timothée Chalamet), der hier gemeinsam mit seinem Vater (Michael Stuhlbarg), einem Professor für griechisch-römischer Kultur und seiner Mutter (Amira Casar) den Sommer verbringt. Sein Vater hat einen amerikanischen Studierenden zu sich eingeladen. Oliver (Armie Hammer) soll über den Sommer hinweg sein Assistent für seine Studien sein. Der recht selbstzentrierte Elio nimmt den Neuankömmling zuerst kaum wahr. Er vertreibt sich lieber die Zeit mit seiner Freundin Marzia (Esther Garrel), liest Bücher oder spielt auf seiner Gitarre oder am Piano.

Dann aber rückt Oliver immer mehr in das Blickfeld des sieben Jahre jüngeren Elio. Zuerst sind es nur scheue Blicke, dann verliert sich der Junge in sexuelle Fantasien, bevor er sich dem älteren Studenten offenbart und dieser auf das Begehren Elios eingeht, obwohl er nebenbei ebenso eine Affäre mit Chiara (Victoire Du Bois) hat.

Eine sommerliche Liebesaffäre in CALL ME BY YOUR NAME

Call Me By Your Name

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Armie Hammer (rechts) mit Timothée Chalamet (mitte) und Michael Stuhlbarg (links) in CALL ME BY YOUR NAME.

Timothée Chalamet geht als Gewinner aus diesem Film heraus – und ist mit Rollen in Lady Bird von Greta Gerwig, A Rainy Day in New York von Woody Allen  oder als Henry V in der Shakespeare-Verfilmung The King versorgt. Er spielt den selbstbewussten und selbstverliebten Snob-Boy als coolen Teenie, der bei Mädels nur allzu gut ankommt, durch die Ankunft von Armie Hammers Oliver allerdings in komplette sexuelle Verwirrung gestürzt wird.

Hier gelingt Chalamet überaus gut der Wechsel in seinem Spiel. Mal muss er der coole, selbstbewusste Teen sein, dann aber – immer wenn er mit Oliver zusammen ist – seine Unsicherheiten in den Vordergrund treten lassen. Diese muss Chalamet so spielen, dass wir sie als Zuschauer bemerken, es zugleich aber schaffen, dass Elio im Film diese Verwirrung überspielen und verstecken kann.

Und dann hat Chalamet noch eine unsägliche Pfirsich-Szene, die er glaubhaft rüberbringen soll. Was ihm zwar gelingt, hätte das Drehbuch von James Ivory gerne umgehen können, da sich Call Me By Your Name hier auf einmal wie American Pie anfühlt: der Pfirsich ersetzt den Apfelkuchen.

So gut Chalamet daherkommt, so schwer ist es sich mit Armie Hammer anzufreunden. Nicht, dass er nicht ebenso gut spielen würde, aber der Darsteller lässt sich nur äußerst schwer als Mid-20er Doktorand vorstellen, wie er dort mit Muskeln oben-ohne als Über-30-jähriger steht. Dementsprechend schwer ist es sich in der Liebe von Elio und Oliver zu verlieren. Es scheint mehr die sommerliche Urlaubsatmosphäre zu sein, die die beiden zueinander treibt, als irgendeine menschliche Zuneigung füreinander.

Eine sommerliche Liebesaffäre in CALL ME BY YOUR NAME

Call Me By Your Name

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Armie Hammer in CALL ME BY YOUR NAME.

Darüber hinaus ist Luca Guadagnino ein äußerst langsamer Erzähler. Wir müssen allerhand Geduld mitbringen um Call Me By Your Name durchzustehen. Bis Elio und Oliver sich ihre Liebe gestehen, vergeht schon mal die erste Stunde des Films. Wenn wir mal eine halbe Stunde die Augen schließen möchten, haben wir danach kaum etwas verpasst, so sehr verliert sich der Film in seiner kaum vorhandenen Story.

Die klassische Musik mit der wir konstant beschallt werden, übertönt dabei die friedvolle Landschaftsidylle und macht das Bild der romantischen Ruhe oftmals eher kaputt als dass es sinnvoll untermalt wird.

Und während sich Chalamet und Hammer in ihren Liebeleien verlieren und über-theatralisierte Unterhaltungen führen, ist es Michael Stuhlbarg der am Ende in einer Ansprache an seinen Sohn nur eine Minute benötigt, um Call Me By Your Name zu seinem Film zu machen.

Call Me By Your Name lullt uns mit hübschen Bildern und einer sommerlichen Urlaubsatmosphäre ein, verbirgt dahinter, dass die im Mittelpunkt stehende Liebesgeschichte einfach nicht funktionieren will. Aufmerksamkeit bekommt lediglich das ungewöhnlich und erfrischend gute Elternduo, die unkonventionell offen für das Leben scheinen, während Timothée Chalamet zwar eine gute Performance abgibt, aber sein Liebhaber Armie Hammer scheitert, die Liebesbeziehung glaubhaft zu machen.


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