Eine Haltungsfrage

Meine Probleme, einen stabilen und dauerhaft gut schießbaren Ankerpunkt zu finden, hängen von einigen Umständen ab. Neben der tiefen Einrastung der Bogenschulter und des Bogenarms sind dies sicher auch:

  • die Positionierung der Bogenhand im Griffstück,
  • die Positionierung der Finger auf der Sehne,
  • die Krümmung der Finger und des Handrückens,
  • die horizontale und vertikale Stellung des Zugarmes im Anker,
  • den Anlegepunkt der Zughand an den Unterkiefer sowie
  • die Positionierung des Kopfes und der zugehörigen Anlegepunkte der Sehne an Nase und Kinn.

Bei den letzten Trainings achte ich besonders auf die Ausführung dieser Punkte und ich fasse für mich zusammen:

  • Bogenschulter und Bogenarm sind gut positioniert und einigermaßen stabil. Durch das Training mit den 40-lbs-Wurfarmen wird sich dies noch weiter verbessern, insbesondere dann, wenn ich mit 38 lbs im Wettkampf schieße.
  • Die Positionierung der Bogenhand im Griffstück ist jetzt auch in Ordnung, seit ich Mittel- Ring- und kleinen Finger neben die Griffschale halte. Hierdurch habe ich auf den Jagergrips einen gut definierten und stabilen Druckpunkt.
  • Bei der Umschließung der Sehne mit den drei Zugfingern habe ich ja immer schon so meine Probleme: Spätestens im Endauszug löst sich der Ringfinger von der Sehne (bzw. liegt nur noch auf) und ich ziehe, halte und löse dann nur noch mit Zeige- und Ringfinger.
  • Passend dazu habe ich auch das Gefühl, dass mein Ellenbogen entweder zu hoch oder zu weit nach außen liegt. D. h. ich schaffe es nicht, die gerade Kraftlinie Druckpunkt-Nocke-Ellenbogen hin zu bekommen, die für ein sauberes Ziehen und Lösen erforderlich ist.
  • Weiterhin habe ich das Gefühl, dass der Anlegepunkt der Sehne am Kinn bei vielen Schüssen um einige Millimeter anders ist, also nicht stets identisch.

Um diese Probleme zu beheben, versuche ich zuerst, die Schulter-Bogenarm-Linie durch ein stärkeres Hindrehen der Schulter zum Ziel zu verbessern. Das klappt jedoch gar nicht: Zum einen tut mir dann nach nur wenigen Schüssen die Schulter recht weh; vermutlich, weil meine alten Sehnen und Muskeln in dieser Stellung besonders gedehnt werden. Zum anderen erfordert dies eine noch stärkere Drehung des Kopfes über die linke Schulter, die sowohl auch hier ungewohnte Dehnungen hervorruft als auch Probleme beim Sehen, denn der Visierpunkt rück dadurch noch mehr an den Rand meiner Gleitsichtbrille. - Hier muss ich nun meinem Alter Tribut zollen: diese Optimierung werde ich in diesem Leben nicht hin mehr bekommen!

Deshalb will ich an der Optimierung der Zugarmposition weiter arbeiten. Dazu ist Voraussetzung, dass ich einen Ankerpunkt finde, der ein weiteres Herumdrehen des Zugellenbogens erleichtert. Das wiederum erfordert, dass ich wieder in einen leichten Seitenanker gehe, aber ohne dass mir die Sehne wie früher das Kinn wund scheuert.

Nach einigem Probieren mit verschiedenen Anker- und Kopfstellungen komme ich jedoch nicht weiter; irgendetwas passt immer nicht. - Da kommt mir auf einmal auf die Idee, den Daumen der Zughand nicht unter, sondern auf die Ankerplatte zu legen, die ich dazu natürlich nach unten versetzen muss. - Ähnlich also den Fivics Shaker oder Polite Tabs, bei denen man den Daumen auf die Platte oder in eine Vertiefung einlegen kann.

Nach einigem Probieren scheint sich dies als ein guter Ansatz heraus zu stellen. Der Kontaktbereich von Daumen und Zeigefinger legt sich genau unter meinen Kinnknochen und ich bekomme einen gut spür- und reproduzierbaren Kontaktpunkt. Die Sehne hat nun Kontakt an der Nasenspitze, dem Mundwinkel und dem seitlichen Kinn; die Kopfstellung ist damit stärker fixiert als zuvor. Und der Ellenenbogen bleibt tiefer und ich ziehe wieder etwas mehr mit dem Ringfínger.

Das Schießen mit dieser Änderung muss sich natürlich jetzt erst einmal einschleifen. Beim ersten Training ergeben sich noch einige Ausreißer, aber das Grundgefühl ist gut. Die Zeitspanne vom Ankern bis Lösen verkürzt sich bei vielen Schüssen, was auf eine reproduzierbarere Situation hindeutet.

Ich denke, dies ist ein Pfad, den ich weiter beschreiten sollte!