Einbahnstraße Mülltrennung

Der französische Soziologe Émile Durkheim schrieb 1923 “L’éducation morale” – seine, wenn man so will, pädagogische Hauptschrift. Erziehung sei dernach “methodische Sozialisation”. Sie sei diejenige Teilmenge der Sozialisationsvorgänge, die das Kompetenzgefälle zwischen den Erwachsenen und der jüngeren Generation aufheben soll. Erst Erziehung mache nach Durkheim den Menschen zum sozialen Geschöpf und diene somit der Bestandssicherung des sozialen Systems, in welchem sie stattfindet. Und so weiter und so fort ….

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Wiedemauchsei – anyway – Erziehung funktioniert von Alt nach Jung, selten umgedreht. Moralpädagogik ist eine Einbahnstraße. Es bleibt ohne Folgen, wenn der Sohn seinen didaktischen Zeigefinger erhebt.

“Du musst den Müll vorher sortieren, wenn ich ihn runterbringen soll!”

Worüber sich viele Omas wundern.

“Aber so schwer ist das doch nicht!?”

Also bedarf das Anliegen einer Erklärung:

“Nee. DARUM geht es nicht. Sondern: Es geht doch um Trennung. Damit der Müll besser recyclet werden kann.”

“So ein Quatsch – das kommt ja doch später alles wieder zusammen.”

Okay, verstehe. Das Hornberger Schießen verhallt im Wald und Sisyphos steht erst am unteren Ende des Berges. …

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Erziehung zur Mülltrennung funktioniert im Übrigen auch nicht von Ost nach West.

“Wenn du den Müll getrennt haben willst, mach es dir selbst! Hier ist unser Eimer: Bitteschön!”

So stehe ich, mit der Moral aus einer anderen Zeit oder einem anderen Gebiet, und kann nicht anders. Stehe jeweils in der Kälte und trenne “vor Ort”, Müll für Müll drei Tonnen bewerfend und dabei Willy Brandt zitierend.

“Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.”

Die Bilder, die hierzu passen würden, sind reziproken Windmühlen.

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Eines Tages kommt ein Wanderer des Weges daher und sieht mich entsorgen.

“Geht es nicht einfacher, wenn man gleich trennt?”


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